Corona und schlechte Qualität stören das Geschäft

Altkleidersammlung ist nicht mehr lukrativ: Hilfsorganisationen fehlen die Erlöse

Ein Kleidercontainer steht an der Bahnhofsmission in Bad Hersfeld.
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Hier kann man noch gebrauchte Kleidung abgeben: Bei den Bahnhofsmissionen in Bad Hersfeld und Bebra stehen noch Container. Aber das lukrative Geschäft Altkleidersammlung verzeichnet einen massiven Preisverfall.

Altkleidersammlung war bisher ein lukratives Geschäft. Hilfsorganisationen wie das DRK nutzten die Erlöse für ihre soziale Arbeit. Das ist inzwischen schwierig geworden.

„Wir haben unsere 18 Sammelcontainer seit über einem halben Jahr wegen der Corona-Problematik eingezogen“, teilt Alexander Stephan, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Rotenburg mit. Der Markt für Altkleider sei schlecht, der Verwerter, mit dem das DRK zusammenarbeite, nehme deshalb derzeit keine Altkleider ab. In Rotenburg betreibt das DRK eine Kleiderkammer in seinen Räumen (Alte Wiese 6, z 0 66 23/9 23 50), auch dort werden derzeit keine Altkleider angenommen, um die ehrenamtlichen Helferinnen keinem gesundheitlichen Risiko auszusetzen. Es werden jedoch Kleider ausgegeben.

Der DRK-Kreisverband Hersfeld hat seine 27 Container nach wie vor in den Gemeinden stehen. „Wir leeren die Container mit eigenem Personal“, berichtet Geschäftsführer Frank Leyendecker. Verwertet würden die Textilien aber von einer Firma. Der Erlös sei derzeit gerade einmal kostendeckend.

Massiver Preisverfall durch große Mengen Kleidung mit schlechter Qualität

Leyendecker berichtet von einem massiven Preisverfall – 20 Prozent in den letzten vier Jahren. Das liege unter anderem an den immer größeren Mengen bei gleichzeitig schlechterer Qualität der Bekleidung. Auch der Kunststoffanteil sei immer höher, sodass der Abnehmer höhere Kosten für das Sortieren und für das Entsorgen nicht brauchbarer Textilien habe.

Auch dem Kreisverband Hersfeld macht Corona Probleme. Viele Sortierbetriebe seien im Ausland, dorthin könnten die Kleider aber nur mit Problemen oder gar nicht geliefert werden. Dennoch versichert Leyendecker: „Wir machen weiter, weil wir die Strukturen und die Entsorgungsmöglichkeit erhalten wollen.“

Private Sammler haben mittlerweile aufgegeben

Der Preisverfall für Altkleider hat viele kommerzielle Sammelunternehmen aus dem Markt gedrängt. Deren Container, häufig auf Privatgrundstücken aufgestellt, sind ebenso zum größten Teil verschwunden wie Sammeltüten, Körbe und Eimer, die die Kreisbewohner vor ihren Türen fanden. Frank Leyendecker, DRK-Geschäftsführer in Bad Hersfeld, sieht das gelassen. Die Konkurrenz sei schon früher kaum wahrnehmbar gewesen, sagt er.

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