ZWISCHEN DEN ZEILEN

Ein Alptraum, ein Hilferuf und eine Heizung

In unserer Wochenkolumne beschäftigt sich Karl Schönholtz unter anderem mit der drohenden Absage der Bad Hersfelder Festspiele.

Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass die Bad Hersfelder Festspiele am Dienstag nach Ostern die Absage der Spielzeit 2020 bekannt geben werden. Magistrat sowie Haupt- und Finanzausschuss haben hierzu bereits beraten und entschieden, und es ist nicht anzunehmen, dass die Stadt das Risiko eingehen wird, kostenträchtig auf Zeit zu spielen. Schließlich geht es bei dieser Entscheidung nicht um die scheinbar in weiter Ferne liegende Eröffnung Ende Juni, sondern um Vorbereitungen und Proben, die von jetzt an stattfinden müssen und mit jedem Tag umfangreicher werden.

Ein Sommer ohne Festspiele also – für Freunde des Theaters in der Stiftsruine ein Alptraum. Und nicht nur für die: Wer beim sperrigen Begriff der Umwegrentabilität nicht gleich weggehört hat, der weiß, dass die Festspiele ein bedeutender Wirtschaftsfaktor sind und unterm Strich bedeutend mehr Geld einspielen als sie kosten.

Der Blick in die Zukunft ist deshalb alles andere als sorgenfrei: Denn wenn alle Corona-Rechnungen bezahlt sind, fehlt möglicherweise der Spielraum für das vermeintlich Nicht-unbedingt-Notwendige.

Die Festspiele brauchen also dringender denn je Fürsprecher – auch draußen, aber vor allem in der Stadt. Hier wünscht man sich ein bisschen mehr Empathie.

Ich muss an dieser Stelle einmal mehr an einen Standardsatz von Ex-Bürgermeister Hartmut H. Boehmer erinnern: „Ohne die Festspiele wäre Bad Hersfeld auch nicht mehr als ein weiteres hübsch saniertes Fachwerkstädtchen“. Diesen Gedanken sollte jeder im Kopf behalten, der im Herbst darüber entscheiden muss, wofür 2021 wieviel Geld ausgegeben werden soll.

Ein dramatischer Hilferuf erreicht uns vom Betriebsrat des Kreisaltenzentrums in Niederaula, dessen Bewohner und Mitarbeiter ganz besonders hart von der Corona-Krise getroffen werden. „Wie Aussätzige“ werden die Mitarbeiter und ihre Angehörigen zum Beispiel in Geschäften beim Einkaufen, beim Tanken oder in der Kinderbetreuung behandelt, beklagt die Vorsitzende Ramona Nuhn. „Wir kämpfen gegen einen unsichtbaren Feind, und wir kämpfen gegen die Tränen“, schreibt sie über eine Situation, die sich die Mitarbeiter nicht ausgesucht haben, aber der sie sich tapfer stellen. Wir sollten alle daran denken, dass diese Menschen unsere „Helden in der Krise“ sind. Statt Applaus wünschen sie sich Anerkennung und Rückendeckung.

Gute Nachrichten vor dem Osterfest gibt es aus der Bad Hersfelder Obdachlosenunterkunft Wassermannseck. Sowohl die Zustände als auch die Zuständigkeiten waren in den vergangenen Monaten immer wieder mal Thema und boten reichlich Konfliktpotenzial. Nun haben sich einige Bewohner mit einer Bitte bei uns gemeldet: Sie wollen Danke sagen. Der Stadt, der Diakonie und allen sonstigen Beteiligten. Die bisher nicht vorhandene Heizung sei nun installiert, der neue Sozialraum gut ausgestattet, und auch die zuletzt wegen unsachgemäßer Behandlung verschlossene Waschmaschine sei wieder nutzbar. „Wir sind dankbar und zufrieden. Schön, dass das geklappt hat“, sagt Thorsten Helker. Zurzeit leben etwa zehn Personen in der Notunterkunft. Sogar anwaltliche Unterstützung hatten sich die Bewohner mit Blick auf Schimmel und Co. vor einiger Zeit geholt. Nun mangele es nur noch an einem: bezahlbaren Wohnraum, denn die Notunterkunft ist eben eine Notunterkunft

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