Allerletzte Chance für jungen Straftäter

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Bad Hersfeld – Wegen zwei Einbrüchen in einen Baumarkt in Heiligenstadt verurteilte das Jugendschöffengericht Bad Hersfeld einen 22-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe.

„Wenn Sie jetzt noch mal etwa anstellen, dann landen Sie wieder hier und dann bin ich nicht mehr nett“, redete Kilian-Bock dem jungen Mann eindringlich ins Gewissen. Dann müsse er ins Gefängnis.

Das wurde ihm diesmal noch erspart, weil das Gericht den Eindruck gewann, dass der 22-Jährige die Kurve gekriegt hat. Er hat zwar keinen Schulabschluss, doch hat er jetzt eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker angefangen und will damit sein Hobby zum Beruf machen. Zudem lebt er mit seiner Freundin und zwei Kindern zusammen und räumt der Familie einen hohen Stellenwert ein. Auch für die Zeit nach der Ausbildung hat der Angeklagte Pläne: Da will er zurück noch Polen gehen, seinen Meister machen und dann eine eigene Werkstatt eröffnen.

In Polen ist der 22-Jährige auch aufgewachsen, zunächst bei den Eltern, dann abwechselnd bei den Großeltern mütterlicher- und väterlicherseits, weil beide Eltern in Deutschland arbeiteten, allerdings an verschiedenen Orten. Als er 15 Jahre alt war, zog die Familie zusammen nach Heiligenstadt in Thüringen, doch einfach sei das nicht gewesen, berichtete Jugendgerichtshelferin Sabine Röth. Beide Eltern hatten Alkoholprobleme und es gab viel Gewalt in der Familie, die vor allem von der Mutter ausging. Der junge Mann fühlte sich entwurzelt, heimatlos und ungeliebt und geriet auf die schiefe Bahn. Dazu kamen auch bei ihm Alkoholprobleme.

Wegen eines rabiaten Überfalls auf eine alte Dame, der er die Handtasche rauben wollte, und der Misshandlung eines Zeugen dieses Überfalls im Jahr 2016 wurde er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, stand also noch unter Bewährung, als er im Oktober 2017 und im April 2018 gemeinsam mit einem Komplizen in einen Baumarkt in Heiligenstadt einstieg. Er sei dabei alkoholisiert gewesen, berichtete er. Die Taten räumte er ein. Von der Beute – Werkzeuge im Wert von etwa 5600 Euro – will er lediglich 100 Euro erhalten haben.

Der normale Weg wäre nun, dass die Bewährung widerrufen und aus allen Delikten eine Gesamtstrafe gebildet wird und die hätte dann über drei Jahren gelegen und nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden können, erläuterte Staatsanwältin Heike Meeuw-Wilken. Im Jugendstrafrecht gebe es aber die Möglichkeit, eine gesonderte Strafe zu bilden, ohne vorherige Strafen mit einzubeziehen. Und dieses Vorgehen regte Meeuw-Wilken an, auch wenn sie selbst nicht hundertprozentig von der Läuterung des Angeklagten überzeugt war. Sein Geständnis sei aber auf jeden Fall positiv zu berücksichtigen.

Mit seinem Urteil bewegte sich das Schöffengericht zwischen den Forderungen der Staatsanwältin (neun Monate) und von Verteidiger Artak Gaspar (sechs Monate). Sinnvoll erschien allen Beteiligten zudem, dem jungen Mann einen Bewährungshelfer an die Seite zu stellen und ihn zu einer Suchtberatung zu verpflichten.

Kassel: Vier junge Männer aus dem Landkreis überfallen mit Machete, Messer und Hammer einen Edeka und früheren Klassenkamerad. So lautet das Urteil.

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