Aktionen bei Nacht und Nebel in Bad Hersfelder Museen

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„Mit einer so hohen Resonanz an der Museumsnacht haben wir nicht gerechnet“, erklärt Museumspädagogin Yvonne Spyt vom wortreich.

Bereits drei Stunden nach Beginn der Kulturveranstaltung zählten die Mitarbeiter am Samstag nur für das Mitmachmuseum schon 170 Besucher.

Insgesamt zehn Ausstellungen und Veranstaltungen konnten während der ersten Museums- und Erlebnisnacht besucht werden. Angeboten wurden Führungen auf den Stadtkirchturm sowie durch die Altstadt. Und auch die Museen der Sparkasse und der Stadt öffneten ihre Pforten nach Dämmerungseinbruch.

Neben dem Konrad-Duden-Museum luden das Louis-Demme-Stadtarchiv sowie das wortreich und die Stiftsruine ebenfalls zum nächtlichen Kulturfest ein. Von 18 bis 23 Uhr konnten Gäste alle teilnehmenden Ausstellungen besuchen. Der Eintritt war kostenlos, freiwillige Spenden waren aber willkommen.

Dabei hatte jedes Museum und jede Veranstaltung ein eigenes Konzept entwickelt, um den nicht abreißenden Strom ankommender Gäste auf dem Laufenden zu halten.

Im Schilde-Museum begann Referent Jürgen Stolz seinen Vortrag nach den letzten Sätzen deshalb schon wieder von vorne. Der pensionierte Ingenieur hatte eine kommentierte Präsentation über die Firma Babcock nach der Verschmelzung mit den Schilde-Werken in Bad Hersfeld mitgebracht. Stolz rekonstruierte er in seinem Vortrag die Entwicklung des Hersfelder Fabrikgeländes im Laufe der Zeit. Außerdem hatte der ehemalige Babcock Mitarbeiter alte Gruppenaufnahmen und Lohnkarten, deren erste Ausstellung auf 1870 datiert wurde, im Gepäck.

„Die meisten Dokumente habe ich aus dem Müll gerettet“, berichtet der Gründer des Arbeitskreises für historische Dokumente. Andere Ausstellungen, wie das Museum der Sparkasse in der Dudenstraße, gaben ihren Besuchern Zeit, um durch die Ausstellung ehemaliger Bank-automaten und Zählmaschinen zu streifen.

Für spontane Fragen und umfangreiche Führungen standen jedoch Hans Bernhardt und seine Kollegen bereit. Der pensionierte Filialleiter war von 1962 bis 2006 in der ehemaligen Niederlassung am Rathaus im Einsatz und führt heute Gruppen durch die Sammlung alter Spardosen und Schreibmaschinen. „Stellen Sie sich vor, früher wurden Schecks ausgegeben, ohne die Disposition zu prüfen“, erzählte Bernhardt und musste lachen. Dabei kamen die Relikte des Bankwesens bei den Gästen der Museumsnacht gut an. Nur eine Stunde nach Beginn hatten bereits 70 Besucher die Museumsausstellung durchlaufen. „Es ist eine fantastische Reise in eine Zeit, in der es noch Zinsen gab“, stellte Besucher Hubertus Fisahn schmunzelnd fest.

Einen Einblick in unbeschwerte Zeiten nahm auch Familie Fohr, die mit Sohn Tjark die Ausstellung „Anno dazumal III“ im Stadtmuseum besuchte. Die Hersfelder probierten hölzerne Brummkreisel und Murmelbahnen aus und der vierjährige Tjark verglich das historische Spielzeug mit dem Inhalt seines Kinderzimmers.

Spielerisch wurde auch im wortreich gelernt. Bei Führungen zum Thema Kommunikation erklärte Yvonne Spyt das menschliche Verhalten in Wort und Sprache. „Ein Geheimnis unseres Mitteilungsvermögens ist, dass wir nicht nicht kommunizieren können“, erklärte die Museumspädagogin. Den geführten Rundgängen durch das interaktive Museum folgten dutzende Besucher.

Doch nicht nur unter Dach, auch im Freien nahmen die Gäste an den Open-Air Veranstaltungen teil. Und so ließen sich Hunderte die Nachtwächterführung durch die Altstadt nicht entgehen. Auch die bunt erleuchtete Stiftsruine lockte viele Besucher an, die das Schauspiel trotz eisiger Temperaturen auskosteten.

Den krönenden Abschluss der ersten Hersfelder Museumsnacht läuteten dann die Turmbläser ein. Und um 23.30 folgte eine Abschlussveranstaltung für alle Teilnehmer mit anschließender Verlosung. (kh)

Großes Interesse an erster Museumsnacht in Bad Hersfeld

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