Wochenend-Kolumne

Zwischen den Zeilen: Ängste, Hoffnungen und eine Absage

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Kai A. Struthoff

Um das Kreisklinikum, die Festspiele und eine Interviewabsage geht es in der aktuellen Wochenendkolumne von Kai A. Struthoff.

Mit großer Sorge blicken wir in diesen Tagen auf unser Kreisklinikum. Es steckt in der tiefsten wirtschaftlichen Krise seines Bestehens. Schmerzhafte Einschnitte sind zur Rettung nötig – und das macht verständlicherweise Mitarbeitern und Patienten Angst. Schnell sind einige jetzt mit Schuldzuweisungen bei der Hand und fordern personelle Konsequenzen. Doch so einfach ist es nicht, denn nicht nur unser Klinikkonzern, sondern alle kommunalen Kliniken kämpfen derzeit mit den schwierigen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen.

Die meisten Kreispolitiker erkennen die Brisanz der Lage und üben sich deshalb in einem bemerkenswerten Schulterschluss – über Parteigrenzen hinweg. Bei allem Verständnis für die besondere Situation in Rotenburg und am HKZ muss allen klar sein, dass es nicht nur um das dortige Herzzentrum, sondern um den Fortbestand des ganzen Klinikkonzerns und damit der Gesundheitsversorgung aller Menschen im Kreis geht. „Clevere“ Ideen, wie etwa den Bau eines neuen HKZ am Kreiskrankenhaus, klingen zwar gut, sind aber vermutlich unrealistisch, weil es dafür wohl weder Fördergeld noch Zulassungen geben dürfte.

Denn Land und Bund setzen politisch auf die Konzentration im Gesundheitswesen, auf leistungsfähige medizinische Zentren statt vieler kleine Krankenhäuser. So wichtig die öffentliche Diskussion jetzt ist und trotz verständlicher Einzelinteressen dürfen wir uns dabei als Kreis nicht entzweien. Die jetzt notwendigen Operationen zur Rettung des Klinikkonzerns werden sicher wehtun, aber es geht dabei ja auch um (Über-)Leben und Tod.

An diesem Wochenende wären die Bad Hersfelder Festspiele mit einer vermutlich wieder glanzvollen Galaveranstaltung zu Ende gegangen – gäbe es nicht dieses blöde Virus. Die HZ hat in den vergangenen Wochen mit den Festspiel-Momenten an besondere Augenblicke und beliebte Stars der Ruine erinnert. Mit dem offiziellen Festspielende endet nun auch die HZ-Serie. Hoffen wir gemeinsam auf den nächsten Sommer, der uns dann vielleicht wieder besondere Festspiel-Momente live in der Ruine beschert. Aber immerhin hatten wir ja mit dem „Anderen Sommer“ eine wirklich bezaubernde kleine Alternative.

In die Lobeshymnen für den „Anderen Sommer“ der Bad Hersfelder Festspiele stimmte am vergangenen Wochenende auch einer ein, der einen anderen Blickwinkel als die Zuschauer hat: Ilja Richter, der sein Programm „Lieblingslieder“ am Sonntag zum allerersten Mal auf einer Bühne präsentierte, schwärmte im Gespräch mit meinem Kollegen Karl Schönholtz von der perfekten Technik bei Licht und Ton sowie von reibungslosen Abläufen - und das trotz minimaler Vorbereitungs- und Probenzeit. Namentlich richtete sich sein Dank an Intendant Joern Hinkel und den Technischen Leiter Dietmar Wolf, er meinte aber das gesamte Team.

In Sommerinterviews mit allen Bürgermeistern unseres Kreises haben wir beleuchtet, wie es den Städten und Gemeinden in der Corona-Krise ergangen ist und welche Entscheidungen jetzt anstehen. Natürlich wollten wir in dieser Interviewreihe auch Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling befragen. Doch nachdem er mir zunächst in einem persönlichen Gespräch eine Zusage gegeben hatte, ließ er seinen Sprecher tags darauf und ohne Angabe von Gründen das Interview absagen. Schade! (Kai A. Struthoff)

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