Eine neue Art von Weihnachtsmusik

Adventskonzert von TonArt und Robert Joseph Bartl  im Audimax am Obersberg

Eigens aus München angereist: Den Literarischen Part des Adventskonzertes übernahm mit sonorer Stimmgewalt der Zuschauerpreisträger der Bad Hersfelder Festspiele 2017, Robert Joseph Bartl.

Bad Hersfeld. Das Vokalensemble TonArt und Robert Joseph Bartl sorgten bei ihrem Adventskonzert im Audimax am Obersberg für Abwechslung. 

Da hatte sich TonArt aber was getraut, mit seinen Neuen Weihnachtsliedern, die der durch Krankheit auf nur zwölf Sängerinnen und Sängern reduzierte A-Capella-Chor im Audimax des Schulcampus Obersberg am ersten Advent erklingen ließ. Den Literarischen Part des Adventskonzertes übernahm mit sonorer Stimmgewalt der Zuschauerpreisträger der Bad Hersfelder Festspiele 2017, Robert Joseph Bartl, der eigens aus München angereist war.

So wie die Adventszeit hatte Helgo Hahn den musikalischen Nachmittag ebenfalls in vier Sätze unterteilt, die mit den drei Lesungen von Robert Joseph Bartl gekonnt zu einem warmen Bündel im kalt wirkenden Beton des Audimax geschnürt wurden.

Nach eine paar Takten des vermeintlich angestimmten „Es ist ein Ros entsprungen“, welches später jedoch auch noch im Original zu hören war, rappte es zwischen Wühltischen im hektischen Vorweihnachtsgeschäft total chaotisch von der Bühne. „Weihnachstlieder singen“ hieß dieser erste Titel aus der Feder des genialen Sängers, Songschreibers und Arrangeurs Oliver Gies vom Pop-Quartett „Maybebop“, von dem noch weitere vier Songs geboten wurden. Das ist eine erfrischende neue Art von Weihnachtsmusik, die völlig vom Kitsch der Weihnachstdudelei endlich befreit wurde und sogleich mit dem wohlwollenden Beifall der über vierhundert Gäste bedacht wurde. Aber TonArt wäre nicht TonArt, wenn sie nicht auch ganz klassisch im vierstimmigen Satz singen könnten, wie bei „Maria durch ein Dornwald ging“ oder „Ich steh an deiner Krippen hier“ in der Bach´schen Fassung.

Als Robert Joseph Bartl die Bühne betrat, gab es schon Applaus, bevor er „Die Flucht nach Ägypten“ von Selma Lagerlöf vortrug – die Geschichte von der Palme, die sich nur dem König beugen würde, der mächtiger als Salomon wäre. Auch mit „Mister Santa“ von Tilde Michels über den kleinen Jungen Paco in New York, der sich so sehnlich ein Paar Schlittschuhe fest am Schuh wünschte, um endlich auch seine Kreise auf dem Eis zu drehen, hatte Robert Jospeh Bartl ein goldenes Händchen bei der Auswahl bewiesen.

Haben das Weihnachtsfest mit modernen und neuen Liedern hinterfragt: Das Ensemble TonArt unter der Leitung von Helgo Hahn. Foto:  Steffen Sennewald

Und seine tiefe Verbundenheit zu Bad Hersfeld bekannte er vor seinem dritten Stück mit dem Worten „...und dass mein Herz längst an Bad Hersfeld verloren ist“. Dafür gab es ein zustimmendes Raunen und einen langen kräftigen Beifall, bevor er Die „Altbayerische Christmette“ von Oskar Maria Graf rezitierte, in der mit einem einzigen Satze auf tiefschwäbischer Mundart urplötzlich die ganze Weihnachtsstimmung, derer man sich glückseelig aus der Kindheit erinnerte, völlig ruiniert wurde.

Mit dem A-Capella von Oliver Gies „Hört der Engel helle Lieder“ sang TonArt ein großes Gloria im modernen Satzgesang, das danach durch das Gloria in „Angels Carol“ von John Sutter und das Hallelujah im „Tolite Hostias“ von Camille Saint-Saëns kunstvoll gewürdigt wurde.

Dem folgte der moderne Hipp-Hopp im bewährten SATB-Satz (Sopran, Alt, Tenor, Bass) mit „Ein neues Weihnachtslied“, in welchem sich der Texter Oliver Gies zwischen „Pommes und Punsch, Pomp und Weihnachtszauber total, vom Streß gezeichnete Gesichter und ‚Last Christmas’ erklingt heute schon zum zwanzigsten mal“ endlich mal jemanden wünscht, der darüber mal ein neues Weihnachtslied schriebe.

Der Versuch von TonArt, das Weihnachtsfest zur Adventszeit mit modernen und neuen Liedern zu hinterfragen, um dem omnipotenten Kaufrausch und seiner Hektik entkommen zu können und sich auf das Wesentliche zu besinnen, war vollkommen gelungen. So ertönte zum Grande Finale gemeinsam aus über vierhundert Kehlen im vielstimmigen Satzgesang „O du fröhliche“ mit anschließendem langen Beifall und Zugaben mit Worten von Robert Joseph Bartl und „The Lord Bless You“ von TonArt.

Und wer möchte, der darf sich jetzt schon auf die Aufführung des Weihnachtsoratoriums mit den Kantaten 1-3 in der Stadtkirche am dritten Advent um 17 Uhr unter Stabführung von Helgo Hahn freuen. Ausführliche Informationen auch zum Kartenvorverkauf gibt es unter www.chorverein-bad-hersfeld.de. (sen)

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