Besser sein als andere

50 Jahre Firma Leist in Kathus: Familienbetrieb mit stetig wachsendem Erfolg

Beeindruckend: Das Betriebsgelände der Firma Leist im Bad Hersfelder Stadtteil Kathus heute. Im Hintergrund die Forschungs- und Entwicklungsabteilung.

Kathus. Heinrich Leist ist morgens der Erste und am Abend der Letzte. Er ist Chef mit Leib und Seele, ein Kümmerer, ein Pragmatiker, ein Entwickler und Querdenker.

Vor allem aber ist Heinrich Leist der Gründer eines Unternehmens, das am Freitag das 50-jährige Jubiläum feiert. „Das Zentrum für Oberflächentechnik“ im Bad Hersfelder Stadtteil Kathus ist nach wie vor ein Familienbetrieb, in dem der Seniorchef und sein Sohn Marco als Geschäftsführer das alleinige Sagen haben. Das heißt nichts anderes, als dass bei Leist schnell und pragmatisch – siehe oben – gehandelt wird.

Wer Heinrich Leist zur Chronik seiner Firma befragt, der wird im Schnelldurchlauf darüber aufgeklärt, dass hinter dem Sammelbegriff der „Oberflächentechnik“ ein bis ins Kleinste spezialisiertes und sich permanent veränderndes Segment der Zulieferindustrie etwa für die Kfz-Produktion steckt. „Heute geht es vor allem um Funktionalität. Der Korrosionsschutz macht nur noch etwa 20 Prozent aus“, beschreibt der 76-Jährige die Anforderungen, und schiebt auf die Frage nach der Fehlertoleranz ein trockenes „Null“ hinterher.

Die von Leist mit Gleitmitteln versehenen Schrauben werden etwa beim Motorblock eines Autos per Roboter eingepasst, immer mehrere auf einmal in zügiger Abfolge – da darf einfach nichts schiefgehen. „Die Qualität entscheidet, und ich muss besser sein als andere“, fasst Leist seine Philosophie in wenige Worte.

Begonnen hat die Geschichte der Firma auf einem Bauernhof unweit des aktuellen Standorts in der Chattenstraße. Hier machte sich Leist, der gelernte Elektronikingenieur, der zunächst als Dozent bei der Firma Zuse in Bad Hersfeld gearbeitet hatte, 1968 selbstständig, um einen Beschichtungsbetrieb für die Automobilindustrie aufzubauen.

Ihm gelang es, die Verzinkungsbäder für hochfeste Schrauben und Bolzen so zu perfektionieren, dass sogenannte passive und damit bruchgefährdete Stellen auf ein Minimum reduziert wurden.

Im Laufe der Jahre wurden bei Leist weitere Verfahren entwickelt, die etwa die Gefahr der Wasserstoffversprödung erst herabsetzten und das Problem dann durch Dispersionsbeschichtungen lösten. Der gute Ruf der Firma als zuverlässiger Partner hatte zur Folge, dass die Auftragsbücher meist so voll waren, dass die Kapazitäten des Betriebes kaum ausreichten.

Die Firma Leist expandierte nicht nur am Standort in der Kathuser Breitzbachstraße, sondern baute weitere Werke im thüringischen Fambach und in Jicin in Tschechien.

Dass trotz des Erfolges in Bad Hersfeld und Umgebung kaum jemand weiß, was bei Leist passiert, lässt auch Sohn Marco schmunzeln. „In fast jedem Auto sind Teile von uns verbaut. Nur man sieht sie nicht“, sagt er.

Vater Heinrich Leist ist dennoch keiner, der sich auf seinem Erfolg ausruht. Dass bei der Produktion von Elektroautos weniger Schrauben benötigt werden, ist ihm nur allzu bewusst. Längst tüftelt er an der Veredelung von Teilen, die die Zukunft der Firma absichern sollen.

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