Inszenierung von Patrick Schimanski überrascht mit skurrilen Einfällen und witzigen Details

"Die 39 Stufen": Ein rasantes Vergnügen am Eichhof

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Aus ein paar Holzkisten wird ein Zug: Richard Hannay (vorn, Stefan Kaminsky) ist auf der Flucht. Mit ihm im Zug sitzen zwei Dessousverkäufer (Markus Majowski, links, und Martin Semmelrogge) sowie Pamela (Sarah Elena Timpe).

Bad Hersfeld. Es wird geschossen, gesungen und geknutscht: Die von Patrick Schimanski für das Schloss Eichhof als Außenspielstätte der Bad Hersfelder Festspiele inszenierte Kriminalkomödie „Die 39 Stufen“ ist ein rasantes Vergnügen mit skurrilen Einfällen und vielen kleinen, aber feinen und ebenso witzigen Details.

Am Samstagabend feierte das von Patrick Barlow für die Bühne bearbeitete auf dem Film von Alfred Hitchcock basierende Stück Premiere.

Die Bühnenversion ist verblüffend nah am Film, wobei man diesen nicht unbedingt kennen muss, um das Stück zu verstehen. Wem der Klassiker von 1935 noch allzu präsent ist, läuft vielmehr Gefahr, sich nicht von der Spannung des Plots beeindrucken zu lassen.

Wobei allein die Umsetzung ebenfalls spannend ist. Eine halsbrecherische Verfolgungsjagd auf einem fahrenden Zug und eine Schießerei in den schottischen Highlands hatten die Macher dem Publikum schließlich versprochen ....

Eben noch hat sich der smarte Richard Hannay (Stefan Kaminsky) fast zu Tode gelangweilt, da wird er des Mordes verdächtigt, von der Polizei gesucht und von Verbrechern gejagt, und kann als der Mann, der „zu viel wusste“, seinen Verfolgern nur entkommen, wenn er das Geheimnis der 39 Stufen lüftet und seine Unschuld beweist.

Eine überzeugende Leistung von Kaminsky, von dem man – oder frau – gerne noch mehr sehen würde. Köstlich: Markus Majowski und Martin Semmelrogge, die ihr komisches Talent so richtig ausleben können, und das Publikum in Frauenkleidern, als Fluss oder Felsspalte zum Lachen bringen. Zum Teil in Sekundenschnelle wechseln die Darsteller die Rolle, und fallen mitunter auch mal aus selbiger.

Mal unnahbar, mal naiv-charmant erfüllt Sarah Elena Timpe die weiblichen Parts.

Festspiele: "Die 39 Stufen" feiert am Eichhof Premiere

Für die Bühne und die Kostüme hat sich Ann-Sophie Paar einiges einfallen lassen. Mit einfachen, aber effektiven Mitteln, sprich: Requisiten, wird das Geschehen aufgepeppt. Da wird ein Holzklappbock zum Fenster, ein Türrahmen zum Esstisch und eine Leiter zur Gefängnistür.

Der Sound von Bühnenmusiker Philipp Wiechert tut sein Übriges. Auch das Publikum ist gefragt und mimt kurzerhand eine blökende Schafherde. Mit der Bühne, die einem Laufsteg ähnelt, wird der begrenzte Raum des Schloss-Innenhofs optimal genutzt.

Auf den gedrehten Stuhlreihen fühlt man sich als Zuschauer fast mittendrin, allerdings ist die Sicht auf den Rest der Bühne von einigen Plätzen arg eingeschränkt.

Schimanskis „39 Stufen“-Inszenierung ist absolut sehenswert und setzt die Reihe der lustigen und gleichzeitig wertigen Eichhof-Stücke fort.

Erfreute Gesichter im Premieren-Publikum, das etwa fünf Minuten lang Applaus spendet. Vereinzelt sind Jubelrufe zu hören, stehende Ovationen bleiben allerdings aus. Noch ein bisschen mehr Euphorie hätte das Ensemble durchaus verdient gehabt. (nm)

Ein Hitchcock zu viert: "Die 39 Stufen" feiert am Eichhof Premiere

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