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28-Jähriger soll 490 950 Euro unterschlagen und verzockt haben

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Von: Mario Reymond

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28-Jähriger soll 490 950 Euro unterschlagen und verzockt haben
28-Jähriger soll 490 950 Euro unterschlagen und verzockt haben. © Peter Steffen/dpa

Das Verfahren gegen einen 28 Jahre alten Mann aus Kirchheim wegen Untreue ist gestern vor dem Schöffengericht am Amtsgericht in Bad Hersfeld von Richterin Silvia Reidt vorerst ausgesetzt worden.

Bad Hersfeld – Das Gericht möchte zunächst ein psychiatrisches Gutachten erstellen lassen, um herauszufinden, ob der Angeklagte tatsächlich krankhaft glücksspielsüchtig ist.

Dem Mann wird vorgeworfen, zwischen Juli und September 2020 als Verkäufer eines Bebraer Autohandels 27 Kraftfahrzeuge im Gesamtwert von 490 950 Euro verkauft und das Geld in die eigene Tasche gesteckt zu haben.

Rechtsanwalt Hans-Jürgen Hauschild hatte zu Beginn der Verhandlung das Wort ergriffen und erklärt, dass diese Taten vor einem besonderen Hintergrund zu sehen seien. Sein Mandant sei seit Jahren schwer spielsüchtig. Bereits zwischen 2015 und 2017 habe er sich deshalb in ambulante Therapie begeben. Wohl auch deshalb, weil er damals wegen Unterschlagung in über 500 Fällen zu einer Jugendstrafe verurteilt worden war. Seinerzeit hatte er als Mitarbeiter einer Tankstelle immer wieder in die Kasse gegriffen.

In Coronazeiten sei er nun wieder rückfällig geworden. Als aktiver Fußballer habe ihm seitdem das sportliche Umfeld gefehlt. Und statt für seinen Verein auf dem Fußballplatz gegen das runde Leder zu treten, habe er seitdem bei illegalen Sportwetten rund 560 000 Euro verspielt.

Den Großteil des verzockten Geldes möchte sich der 28-Jährige nun selbst gerne wieder zurückholen. Am Fuldaer Landgericht steht bereits am 6. Oktober ein erster Prozess gegen einen von ihm verklagten Wettanbieter an. Dabei geht es um eine Summe von 45 000 Euro. Vier weitere Klagen, bei denen insgesamt 400 000 Euro im Raum stehen, seien auch noch anhängig. Und er sehe gute Chancen für seinen Mandanten, diese Prozesse auch zu gewinnen, so Hauschild.

Sollte dies tatsächlich der Fall sein, dann wolle der Angeklagte versuchen, einen Vergleich mit dem Bebraer Autohändler hinzubekommen, um so den Großteil der von ihm veruntreuten Summe wieder an diesen zurückzuzahlen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Zunächst einmal müsste er die Klagen gegen die Wettanbieter erfolgreich gestalten. Und dann steht ja auch noch das psychiatrische Gutachten aus. Der Prozess wird im Anschluss daran fortgesetzt.

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