Streit endet fast tödlich: 25-Jähriger wegen versuchten Mordes vor Gericht

Wegen versuchten Mordes muss sich ein 25-Jähriger aus Neuenstein, hier mit der Dolmetscherin und Verteidiger Jochen Kreissl, vor Gericht verantworten. Foto: Volker Nies

Neuenstein/Fulda. Zwei Männer feiern, trinken viel. Es kommt zum Streit. Ein Mann greift zum Küchenmesser, sticht lebensgefährlich auf seinen Kumpan ein. Der mutmaßliche Täter, ein 25-Jähriger aus Neuenstein, steht seit Dienstag vor Gericht.

Staatsanwalt Stephan Müller-Odenwald geht von folgendem Tatgeschehen aus: Drei Männer trafen sich an einem Samstagabend im März dieses Jahres in einer Wohnung in Neuenstein-Saasen. Zwei Männer, der heutige Angeklagte und sein 39 Jahre altes, späteres Opfer, griffen kräftig zum Alkohol. Bei dem Angeklagten, der in Lettland geboren ist, wurde später eine Alkoholisierung von 2,89 bis 4,66 Promille errechnet. Zwischen 22 und 23 Uhr entwickelte sich ein Streit. Der 39-Jährige war jedoch so betrunken, dass er einschlief.

Nach Überzeugung der Anlagebehörde war das Opfer in einer Phase des Einnickens und damit wehrlos, als der 25-Jährige im Wohnzimmer zu einem in der Wohnung vorhandenen Küchenmesser griff und zweimal auf seinen Kontrahenten einstach. Der Oberkörper wurde schwer verletzt, ein Stich ging um Millimeter am Herz vorbei, auch die Lunge wurde geschädigt. Danach ging der Täter in die Küche zu dem dritten Bekannte in die Küche und berichtete, er habe den Freund abgestochen. „Der Angeklagte nahm den Tod seines Bekannten billigend in Kauf“, sagte der Staatsanwalt.

Trotz seiner schweren Verletzungen ging das Opfer in dem Dorf an vielen Häusern vorbei, versuchte, Hilfe zu organisieren. Um 6.15 Uhr am Sonntagmorgen gelang es ihm, eine Nachbarin zu wecken, die dann den Notarzt alarmierte. Mit einer Not-OP wurde das Opfer außer Lebensgefahr gebracht.

Der Angeklagte sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Er erklärte gestern beim Prozessauftakt vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Fulda in einer kurzen, auf Russisch abgegebenen Stellungnahme, er werde sich später im Verfahren äußern. Verteidiger Jochen Kreissl sagte am Rande der Verhandlung, sein Mandant habe nicht in Mordabsicht gehandelt.

Das Gericht hat neun weitere Verhandlungstage angesetzt. Es will 22 Zeugen und zwei Sachverständige hören.

Von Volker Nies

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