Warnschuss statt Strafe

19-Jähriger aus Bebra hatte diverse Drogen bei kleiner Schwester versteckt

Sprichwörtlich mit einem Schuss vor den Bug ist am Montag ein 19 Jahre alter Bebraner vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht in Bad Hersfeld davongekommen.

Justizia (Symbolbild)

Bad Hersfeld - Weil er den Besitz von Drogen in nicht geringen Mengen, darunter neben Marihuana auch Amphetamin und Koks, schon zu Beginn der Verhandlung gestanden hatte, wurde der 19-Jährige nicht mit einer Jugendstrafe, sondern lediglich mit einer Verwarnung belegt.

Glück hatte der junge Mann auch deshalb, weil er zum Zeitpunkt der Tat noch minderjährig gewesen ist. Als Erwachsener wäre er für den Besitz der Drogen, und vermutlich auch den Handel damit, für ein Jahr hinter Gitter gewandert. Der Besitz der Drogen war ihm aufgrund seiner DNA auf dem Rucksack, in dem sich das Marihuana, Koks und die Amphetamine befunden hatten, nachgewiesen worden. Den Rucksack hatte er in einem Schrank im Zimmer seiner damals 13 Jahre alten Schwester versteckt.

Nicht eingelassen hatte er sich zu Beginn der Verhandlung jedoch auf den Vorwurf, mit den Drogen auch Handel betrieben zu haben. Das wurde ihm von Staatsanwältin Miriam Hagemann und Richterin Michaela Kilian-Bock vorgehalten und als gegeben unterstellt.

Neben den Drogen erhält der Bebraner einen bei ihm sichergestellten Schlagring und einen Elektroschocker nicht zurück. Ebenfalls einbehalten werden 90 Euro, die sich in dem Rucksack befunden hatten. Die Richterin ging davon aus, dass es sich dabei um Geld aus dem Verkauf der Drogen handelte. Der Angeklagte verzichtete nach kurzer Belehrung auch auf die Rückgabe des Geldes. Das alles, und die Tatsache, dass er sich von seinen damaligen Freunden losgesagt und nun im väterlichen Betrieb in Bebra mitarbeite, wurde bei der Urteilsfindung für ihn gewertet. Auch die Jugendgerichtshelferin hatte am Verhandlungstag einen positiven Eindruck von dem Angeklagten.

Er wurde schlussendlich dazu verdonnert, an einem viertägigen sozialen Erfahrungstraining teilzunehmen, 80 Stunden gemeinnützigen Hilfsdienst sowie das Schreiben von Bewerbungen nachzuweisen, da er im August eine Lehre beginnen möchte.

Zwei gerichtsbekannte Zeugen, die nicht erschienen waren, wurden von Kilian-Bock mit einem Zwangsgeld von je 100 Euro belegt. Wird nicht gezahlt, ergehen jeweils zwei Tage Ordnungshaft. (Mario Reymond)

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Rubriklistenbild: © David Ebener/dpa

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