Sangeskundig und sangesfreudig

125 Jahre Gesangverein Sorga: Ein Blick zurück und ein Konzert zum Jubiläum

Einer der Höhepunkte in der Vereinsgeschichte und den 35 Jahren Dirigententätigkeit von Wilhelm Möllney (links) war die Mitwirkung bei der Messe am zweiten Ostertag 1997 im Petersdom in Rom. Foto: Archiv Roth

Sorga. Mit einem Konzertnachmittag feiert der Gesangverein Sorga am Sonntag sein 125-jähriges Bestehen. 

„Der Gesangverein Sorga wurde auf Anregung einiger sangeskundiger und sangesfreudiger Jünglinge im Winter 1893 von mir gegründet,“ schreibt Lehrer Jung aus Fulda 1928 an seinen Kollegen und Chormeister Pollack in Sorga. Dieser Brief ist der einzige Hinweis auf das Gründungsjahr. Bereits in 1894 wurde eine Vereinsfahne beschafft. Dem aufgestickten Text „Dem Wahren, Guten, Schönen soll unser Lied ertönen“ fühlen sich die Sorgaer Sänger und Sängerinnen bis heute verpflichtet.

Viel hat sich seit dieser Zeit verändert. Gesungen wurde anfangs nach Gehör, da Notenkenntnisse kaum vorhanden waren. Bereits 1894 trat der Chor bei einem Sängerfest in Friedlos auf. Vaterländisches Liedgut stand vor dem 1. Weltkrieg ganz hoch im Kurs. Immer wieder übernahmen Lehrer die Chorleitung, da sie die notwendigen musikalischen Kenntnisse besaßen. In den Kriegsjahren von 1914 bis 1918 ruhte das Vereinsleben.

Schon 1918 übernahm Lehrer Ranneberg die Leitung. Die Geselligkeit wurde durch Theaterabende und Tanzveranstaltungen zum Ende der „goldenen Zwanziger“ hoch gehalten. Am 29. Juli 1933 wurde über Nacht der bisherige langjährige Vorsitzende Karl Daube zum „Vereinsführer“ Karl Daube. Die Nazifizierung hatte auch den Sorgaer Gesangverein erreicht. Während des 2. Weltkrieges ruhte die Vereinstätigkeit vollständig. Mit dem Singen wurde erst 1947 wieder begonnen. 1948 beschloss eine Versammlung, den traditionsreichen Gesangverein weiterzuführen. Monatlich hatten die Männer 0,50 Reichsmark und die Frauen 0,25 Reichsmark zu zahlen. Nach der Währungsreform wurden vierteljährig 1,00 DM/0,60 DM Beitrag verlangt.

Mit Peter Heil stand ein erstklassiger Chorleiter zur Verfügung, sodass neben dem Männerchor auch ein Gemischter Chor ins Leben gerufen werden konnte. Bereits im Monat März 1948 verblüffte Peter Heil, als sein Chor einen Volksabend unter dem Leitgedanken „Lob der Musica“ auf die Beine stellte. Der Besuch zahlreicher Sängerfeste im Umkreis gehörte zum festen Programm.

Nach mannigfachen Schwierigkeiten fand ein lange geplanter Operettenabend im Jahr 1950 statt. Zu den Solisten zählten Margarete May-Franz (Sopran), Hildegard Augstein (Alt), Konrad Bätz (Tenor) und Walter Mayer (Bariton), die von einem Salon-Orchester begleitet wurden. Es wurden über 500 Eintrittskarten verkauft. 1951 nahm Peter Heil Abschied. Nachfolger wurde Walter Mayer, der aber mit der Einstellung einiger Sänger nicht zufrieden war und sein Amt 1955 niederlegte. Lehrer Mainz und Peter Heil übernahmen gemeinsam die Chorleitung, aber es ging nicht recht voran.

Das Amt des Chorleiters wird nach einigen Unstimmigkeiten 1957 erneut an Staatsopernsänger und Chordirektor der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Chorverbände (ADC) Walter Mayer übergeben. Er schaffte es allen Unkenrufen zum Trotz, den Verein wieder in die Erfolgsspur zu bringen. Lieder- und Theaterabende gehörten zum Programm der folgenden Jahre.

Teilnahmen an verschiedenen Wertungsprüfungen folgten. Anna Maria Kaufmann wurde bei dem Volkslied „Wir winden dir den Jungfernkranz“ in einem Konzert in Bebra begleitet. Mit TV-Showmaster Wim Toelke standen die Chorsänger gemeinsam auf der Bühne. Im Jahr 1983 übernahm Wilhelm Möllney die Leitung des Chores. Er knüpft nahtlos an die Erfolge seines Vorgängers an. Große Konzertreisen nach Tschechien, Ungarn und Italien schlossen sich an. Die jährliche Sängerfahrt brachte viel Freude. Für alle war die Mitwirkung bei der Ostermesse im Petersdom in Rom ein Höhepunkt des Sängerlebens. Die Möllney-Chöre mit dem GV Petersberg, dem GV Malkomes, dem GV Tann, dem Hoechster Männerchor und dem Gesangverein Sorga wurden zum Inbegriff hoher Qualität. Im Jahr 1985 schlossen sich der Chor des Gesangvereins Sorga und des GV Tann zu einer Chorgemeinschaft zusammen. 

Der Gesangverein 1893 Sorga lädt für Sonntag, 16. September, anlässlich seines Jubiläums zu einem Konzertnachmittag ein. Los geht es um 14 Uhr in der Mehrzweckhalle Sorga. Zum Festkommers hat der Vereine Gäste aus der Region eingeladen. Dazu zählt der Shanty-Chor Unterhaun, der Seemannsflair verbreiten möchte. Aus Unterhaun kommt auch der Gemischte Chor 1885. Da Wilhelm Möllney Dirigent des gastgebenden Chores ist, ist auch der ebenfalls von ihm geleitete Hoechster Männerchor dabei. Zusammen mit dem Gesangverein Frohsinn Tann tritt das Geburtstagskind als Chorgemeinschaft auf. Außerdem stellt sich der Junge Chor des Tanner Gesangvereins vor. Der Männergesangverein Meckbach kommt mit Chorleiter Werner Götz in die Mehrzweckhalle. Hildegard Kuchler bringt ihren Gemischten Chor Niederthalhausen mit. Der Eintritt ist frei. Für Speisen und Getränke ist gesorgt. (rt)

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