Prüfungscoach gibt Tipps

10 Tipps zur Vorbereitung auf die Abiturprüfungen  

Werra-Meißner. Für rund 330 Schüler wird es ab dem 7. März ernst. Dann beginnen die ersten Prüfungen des Landesabiturs. Es bleiben also noch genau sieben Wochen zur Vorbereitung. 

Der Kasseler Prüfungscoach und Erziehungswissenschaftler Dr. Timo Nolle gibt zehn Tipps, wie sich die Schüler optimal vorbereiten und wie Eltern sie dabei unterstützen können.

1. Überblick/ Planung

Zuerst sollten Schüler sich einen Überblick verschaffen, was sie alles lernen müssen, sagt Nolle. Daran schließe sich die Zeitplanung an. Es sei besser, öfter ein bisschen zu lernen, als an einzelnen Tagen sehr viel. Das senke die Hemmschwelle, mit dem Lernen zu beginnen. Wichtig sei es, eine Regelmäßigkeit zu etablieren – zum Beispiel zwei Stunden täglich. Weil die Aufmerksamkeitsspanne begrenzt sei, empfiehlt Nolle regelmäßige Pausen.

2. Mit Leichtem starten

„Was ich mal richtig gut wusste, kann ich leicht reaktivieren“, sagt Nolle. Deshalb sei es sinnvoll, mit dem Lernstoff zu beginnen, der noch vertraut ist. „Da mache ich schnell Fortschritte, das motiviert.“ Aus diesem Grund sollten Schüler auch ihren Neigungen folgen. „Wenn ich auf einen Lernstoff Lust habe, bin ich konzentrierter.“ Dabei sollten Schüler aber im Blick behalten, dass sie nicht bei anderen Prüfungsfächern ins Hintertreffen geraten. Die Prüflinge sollten zwar mehrere Fächer parallel lernen, aber auch nicht stündlich wechseln. „Gerade bei zwei Fremdsprachen ist das problematisch.“

3. Gute Lernstimmung

Um eine produktive und positive Lernatmosphäre zu schaffen, sollten Schüler für ihr Wohlbefinden sorgen. So könne ein abendlicher Kinobesuch dafür sorgen, dass man sich am nächsten Tag gut gelaunt an den Schreibtisch setzt. Problematisch sei es, wenn solche Freizeitaktivitäten nur als Belohnung für das Lernen gesehen würden. „Wer seine Lernziele nicht erreicht, bringt sich so unnötig unter Druck und neigt zur Selbstgeißelung.“

4. Inhalte verstehen

„Wir Menschen sind kein USB-Stick. Wir können nur Inhalte speichern, wenn wir sie auch in Zusammenhängen verstanden haben“, sagt Nolle. Dafür sei es hilfreich, sich eine mentale Landkarte des Themas zu erstellen. Solche selbst erstellten Visualisierungen verdeutlichten die Zusammenhänge und seien eine Abbildung des eigenen Wissens. „Viele Prüfungsfragen lassen sich nicht beantworten, wenn man kein Zusammenhangswissen hat. Schüler haben in solchen Fällen oft das Gefühl, sie hätten das Thema nie im Unterricht behandelt.“

5. Lerngruppen bilden

„Wer in Gruppen lernt, lernt besser“, sagt Nolle. Die Mitglieder profitierten voneinander. Denn in einer Gruppe müssten Inhalte untereinander erklärt werden. Dies bringe Schüler in die Situation, das Verstandene anderen beizubringen. Lernen durch Lehren sei eine effektive Form, das Wissen zu verfestigen. Schüler müssten dabei aber aufpassen, nicht in Konkurrenz zueinander zu treten.

6. Kein Perfektionismus

Um sich mental auf die Prüfung vorzubereiten, sollten Schüler akzeptieren, dass es trotz intensiver Vorbereitung in der Prüfung keine 100-prozentige Sicherheit gibt. „Man hat nie das Gefühl, perfekt vorbereitet zu sein. Lieber an einen 70-prozentigen Plan zu 100 Prozent glauben, als an einen 100-prozentigen zu 70 Prozent“, sagt Nolle.

7. Mut zusprechen

In der Prüfungsvorbereitung spielen auch die Eltern eine große Rolle. „Eltern sollten hinter ihren Kindern stehen – egal, was passiert. Sie sollten sogar noch mehr an ihre Kinder glauben, als die es in der Situation vielleicht selbst tun“, sagt Nolle. Viele Eltern würden unterbewusst Druck erzeugen. So werde die Abiprüfung zu einer Entscheidung über das Lebensglück hochstilisiert. „Man muss die Prüfung ernst nehmen, aber sollte sie nicht dramatisch überhöhen. Denn das bewirkt das Gegenteil.“

8. „Spicker“ schreiben

In den letzten Tagen vor der Prüfung empfiehlt Nolle, nur noch das zu wiederholen, was die Schüler bereits sicher können. „Sie sollten nun nichts Neues mehr lernen. Das ist wie mit dem Koffer am Bahnhof. Etwas hat man immer vergessen, trotzdem wird der Urlaub schön.“ Um das Gelernte in komprimierter Form zusammenzufassen, sei es hilfreich, sich einen „Spicker“ zu schreiben. Dieses Extrakt des Wissens sei eine wichtige Erinnerungsstütze, die aber auf keinen Fall in die Prüfung mitgenommen werden sollte.

9. Letzte Hinweise

Am Tag der Prüfung kann es hilfreich sein, noch einmal einen Blick auf das Gelernte („Spicker“) zu werfen. Dies diene der Selbstberuhigung und als kurzes „Warmdenken“, sagt Nolle. Zudem seien Rituale hilfreich, um zur Ruhe zu kommen. „Das kann zum Beispiel eine Musik sein, die mich in eine gute Stimmung versetzt oder bestimmte Klamotten, in denen ich mich besonders selbstsicher fühle.“ Viele Schüler haben Angst vor einem Blackout. Dies werde oft genug zur selbsterfüllenden Prophezeiung, so Nolle. Das einfachste Mittel, sich zu beruhigen, sei eine bewusste Atmung: Langsam in den Bauch einatmen, kurz Luft anhalten und langsam ausatmen. Auch helfe es, positive Erinnerungen (zum Beispiel an Urlaube) zu reaktiveren.

10. In der Prüfung

Wenn die Prüfungsunterlagen ausgeteilt sind, sollten sich die Schüler zunächst alle Fragen durchlesen. Erst anschließend sollten sie mit deren Beantwortung beginnen. „Es ist wichtig, mit den Fragen anzufangen, die sie spontan beantworten können“, sagt Nolle. Keinesfalls sollten Schüler damit beginnen, ihre vermeintlichen Punkte während der Prüfung zusammenzurechnen. Dies führe nur zu Verunsicherung.

Rubriklistenbild: © Roland Weihrauch/dpa Bildfunk

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