Urteil des Bad Hersfelder Amtsgerichts

10 Monate Haft für Serien-Dieb

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Urteil vor dem Amtsgericht.

Bad Hersfeld. Zu zehn Monaten Haft ohne Bewährung ist ein 22-Jähriger aus Marokko vor dem Amtsgericht Bad Hersfeld verurteilt worden.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigte ihn, im Zeitraum von Februar 2016 bis Juli 2017 ein Smartphone, ein Fahrrad, Lebensmittel aus einem Aldi-Markt und zwei Jeanshosen aus einem Kaufhof gestohlen zu haben. Gegen den Angeklagten liegt seit November 2016 zudem ein Abschiebebescheid vor.

Es war die zweite Verhandlung vor dem Amtsgericht. Die erste am 5. Februar diesen Jahres hatte Michaela Kilian-Bock, Vorsitzende des Jugendschöffengerichts, abbrechen müssen, da festgestellt wurde, dass der Angeklagte einen falschen Namen und ein falsches Geburtsdatum angegeben hatte. Mit falschem Alter vor dem Jugendschöffengericht angeklagt, erfolgte das Urteil dann nach Erwachsenenstrafrecht, da er bei allen Taten das 21. Lebensjahr überschritten hatte.

Im Vorlauf der ersten Anhörung war der 23-Jährige untergetaucht und von seiner damaligen Wohnung in Friedlos in die Niederlande geflüchtet. Bis er nach fünfmonatiger Suche mit internationalem Haftbefehl im September 2017 ausfindig gemacht werden konnte. Seit Anfang Dezember sitzt er in Untersuchungshaft.

Als kuriosester Fall entpuppte sich der Diebstahl des Fahrrads: Am 26. Juni 2016 hatte der damals 21-Jährige vom Hof einer Familie in Haunetal ein Rad gestohlen, es anschließend mit dem Zug nach Kassel transportiert und dort für 20 Euro an die Besitzer eines Dönerladens verkauft. Der tatsächliche Wert des Fahrrads beläuft sich auf etwa 400 Euro. Der Angeklagte, der seit 2013 illegal in Deutschland lebt und zuvor einige Jahre in Spanien verbrachte, konnte überführt werden, da ihn eine Überwachungskamera im Hof des Zeugen bei der Tat filmte.

Vor Gericht gestand er die Tat. Schwer wog bei der Urteilsermessung auch der Diebstahl eines Smartphones von einem Freund aus der Asylunterkunft in Bad Hersfeld – den der Angeklagte sofort zugab. „Dieser Fall zeigt, dass sie vor nichts zurückschrecken, auch nicht vor Freunden“, so die Richterin.

Im Fall des Diebstahls zweier Jeanshosen aus dem Kaufhof in Kleve im April 2017 gestand er, nachdem ihn das Foto eines Kaufhaus-Detektivs entlarvte. Die Akte des Angeklagten ist nicht unbeschrieben: Wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln und Diebstahls saß er in Düsseldorf 2015 bereits für fünf Monate in U-Haft.

Der Angeklagte versuchte während der Verhandlung immer wieder, auf das Gericht einzureden. „Geben sie mir eine Chance, ich will nicht mehr lügen“, sagte er mehrmals. Vergeblich. Staatsanwältin Lambiel bezweifelte in ihrem Schlussplädoyer, dass der Angeklagte bei einer erneuten Bewährungsstrafe Einsicht zeigen würde. „Wenn sie hier raus gehen, würde es nicht lange dauern bis sie wieder rückfällig werden“, bekräftigte auch Kilian-Bock. Mit seinem Urteil blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte 12 Monate Haft gefordert.

Von Christopher Hess

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