Thema: „Surfen statt Stricken“, HZ vom 15. Februar 2012 - Als Seniorin, die sowohl gerne strickt, als auch im Internet surft, wende ich mich an den oder die Verfasser/in mit folgenden Überlegungen: Ich habe den Eindruck, dass Sie sich nicht vorstellen können, dass jemand, der/die so was Rückständiges wie Stricken zu seinen/ihren (zahlreichen) Hobbys zählt, auch gleichzeitig am Internet interessiert sein kann.
Stricken war und ist meistens Frauentätigkeit, deshalb vermute ich, dass Sie hier die Frauen zur Aufgabe des Strickens zugunsten des Surfens im Internet ermuntern wollen. Männer scheinen deshalb keinen erwähnenswerten Hobbyverzicht nötig zu haben.
Irgendwie erinnert mich diese Überschrift an die Mottenkiste, als Frauen in die Schublade „Kinder, Küche, Kirche“ gesteckt wurden. Aus Sicht der männlichen Bevölkerung, der sogenannten „Ernährer der Familien“, waren Frauen zu geistigen Tätigkeiten nicht in der Lage. Sie bekamen ja oft gar keine Gelegenheit dazu, bei der schweren Arbeit einer Haushaltsführung damals, mit oft vielen Kindern, ohne die vielen elektrischen Helfer, die es heute gibt, finanziell abhängig vom männlichen Haushaltsvorstand. Es war früher notwendig, für die Familie zu stricken, denn fertige Strickwaren waren teuer. Könnte hier ein altes Vorurteil über die weiblichen Dummchen überlebt haben, die, statt was Intelligentes wie Surfen zu tun, am ewig gestrigen Stricken festhalten, wo doch Pullover und Socken heute so billig sind?
Mette Eichmann
Am Markt 8
Bad Hersfeld



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