Thema: „Vögel in Gefahr“ war der Titel einer Pressemitteilung dreier Naturschutzvereine in der Hersfelder Zeitung vom 8. Februar 2012.Unter der Überschrift „Kein Kranich-Massaker“ brachte die HZ am 14. Februar eine Pressemeldung des Altbürgermeisters Hartmut H. Boehmer, in der dieser für die „Windpark Bad Hersfeld KG“ antwortete.
Herrn Boehmer ist zu danken, dass er anregt, offenbar noch weitgehend unbekannte Aspekte zu betrachten, die Planungen von Windkraftanlagen (WKA) in der Nordhessischen Mittelgebirgslandschaft betreffen. So sei dahingestellt, ob WKA auf dem Wehneberg bei Bad Hersfeld ziehende Kraniche massakrieren würden. Belegt ist, dass Kraniche, wenn sie nicht in großen Höhen fliegen, zu solchen Anlagen einen Meideabstand von bis zu 1500 Meter einhalten, auch ihre Flugrichtung umkehren. Diese Beeinträchtigungen aber zwingen den Ruderflieger Kranich zu einem erhöhten Energieaufwand mit bisher noch nicht untersuchten Folgen für seine Fitness. Boehmers Hinweis, dass an anderer Stelle unseres Landkreises bereits Windparks gebaut worden sind, ist keine Bestätigung für deren Unbedenklichkeit. Da über das Fuldatal und die sich seitlich erstreckenden Berge ein verdichteter Kranichzug verläuft, sollten dort WKA nicht zugelassen werden.
Für den Regionalplan Nordhessen 2009 wird der Teilplan Windenergie neu aufgestellt. Für diesen Plan gibt es ein „Gutachten zur landesweiten Bewertung zur Abgrenzung relevanter Räume für windkraftempfindliche Vogelarten“, das die Hessische Landesregierung hat erstellen lassen, dessen Inhalt jedoch noch nicht allgemein bekannt gemacht worden ist. Es ist somit nicht überprüfbar, ob es Aussagen enthält, die sich gegen eine Planung von WKA auf dem Wehneberg richten. Mitglieder der Regionalversammlung, voran die des Arbeitskreises Energie, sollten hier Licht ins Dunkle bringen lassen. Sie sollten auch erwirken, dass der Regionalplan wichtige Trassen des überörtlichen Vogelzugs (es ziehen nicht nur Kraniche), wie die durch den Landkreis Hersfeld-Rotenburg verlaufende Trasse, von WKA freizuhalten sind, und zwar nicht nur in der Breite eines dünnen Strichs, wie es der NABU auf der Karte „Zugvogelkorridore in Hessen“ idealisiert für alle Zugvögel dargestellt hat.
Boehmer erwähnt eingangs eine avifaunistische Voruntersuchung der WAGU GmbH Kassel. Auch dieses Gutachten, das im Auftrag des Investors erstellt wurde, ist noch nicht öffentlich bekannt und kann daher ebenfalls von den Naturschutzvereinen nicht beurteilt werden.
Naturkundliche Gesellschaft Mittleres Fuldatal e. V.
(Karl-Heinz Both) 1. Vorsitzender



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