Viele Unternehmen kämpfen ums Überleben, trotzdem:

Talfahrt der Konjunktur scheint gestoppt

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Minister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte kürzlich vor Euphorie angesichts erster positiver Zahlen gewarnt.

Berlin - Die Konjunktur in Deutschland hat ihren Tiefpunkt offenbar überwunden. Gleichwohl kämpfen viele Konzerne und ganze Branchen weiter ums Überleben.

Das geht aus Berechnungen und Umfragen hervor, deren Ergebnisse am Wochenende bekanntgeworden sind. So erwarten Experten im Bundeswirtschaftsministeriums, dass die Wirtschaft nicht weiter schrumpft. Der Export hat sich nach Einschätzung des BDI stabilisiert. Allerdings leiden Schifffahrt und Gütertransport unter schwachen Außenhandel und steigenden Kosten.

Wie der Spiegel berichtete, gehen Konjunkturexperten des Bundeswirtschaftsministeriums davon aus, dass die Wirtschaft nicht weiter schrumpft und das zweite Quartal 2009 mit einer “schwarzem Null“ abschließt. Den Berechnungen liegen demnach Daten für April und Mai zugrunde, für den Juni gebe es erst “Plausibilitätsannahmen“.

Das Wirtschaftsministerium nahm zu dem Bericht nicht Stellung. Die offiziellen Wachstumszahlen des zweiten Quartals wird das Statistische Bundesamt im August veröffentlichen. Minister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte vor wenigen Tagen vor Euphorie angesichts erster positiver Zahlen gewarnt. „Wir starten auf sehr, sehr niedrigem Niveau“, sagte er.

Steigende Arbeitslosigkeit kann Rückschlag bringen

Die Experten des Ministeriums rechnen laut Spiegel noch nicht mit einer kräftigen Erholung. Das Wachstum werde erst langsam Tritt fassen. Einen Rückschlag könne außerdem ein Anstieg der Arbeitslosigkeit gegen Ende des Jahres mit einem Einbruch des Konsums bringen. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) geht davon aus, dass der Einbruch des Welthandels seinen Tiefpunkt erreicht hat und sich der deutsche Außenhandel in den kommenden Monaten leicht erholen wird. “Die jüngsten Zahlen deuten auf eine Stabilisierung der Exporte auf niedrigem Niveau hin“, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf der Welt am Sonntag.

Die Flaute im Außenhandel drückt vor allem auf die Aussichten der Reedereien. Drei Viertel erwarteten schlechte Geschäfte auch in den kommenden Monaten, berichtete bild.deaus einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) bei 1.800 Transportunternehmen. Die Straßengüterbranche leide unter sinkenden Frachtraten und steigenden Kosten etwa für die Maut. Auch die Bahn plane ein Sparprogramm im Güterverkehr.

Weltweit kämpfen viele Konzerne weiterhin ums Überleben, wie die Welt am Sonntag unter Berufung auf eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young berichtet. Viele fürchteten eine Kreditklemme und wollten weniger Ausgaben für Personal, Werbung und Forschung über die Krise retten.

Massenentlassungen in der Metallbranche

Auch in Deutschland sind nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit derzeit einige Millionen Arbeitsplätze gefährdet. Nach einer internen Risikoabschätzung der Bundesagentur, über die das Nachrichtenmagazins Focus berichtete, haben 18 Branchen, in denen vor der Krise 7,2 Millionen Menschen arbeiteten, inzwischen ein “sehr hohes Beschäftigungsrisiko“.

Die Metallbranche ist nach Darstellung ihres Verbands bislang von Massenentlassungen verschont geblieben. Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannengießer, sagte der Rheinpfalz am Sonntag, trotz historisch niedriger Kapazitätsauslastungen sei die Zahl der Beschäftigten in der Branche nur um moderate 2,5 Prozent gesunken.

AP

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