Vielen jungen Menschen ist Geld egal

Berlin - Positiv eingestellt, aber oft wenig interessiert und in ihrem eigenen Vorgehen nicht immer systematisch: Junge Erwachsene stehen Geldthemen durchaus widersprüchlich gegenüber.

76 Prozent sagen zwar, Geld gebe ihnen ein Gefühl von Freiheit. Doch nur 54 Prozent der Befragten im Alter von 18 bis 39 Jahren befassen sich gern mit Geld-Angelegenheiten. Überraschend hohe 44 Prozent dagegen erklärten, Geld sei notwendig, interessiere sie aber eigentlich nicht. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) und des FAZ-Institutes, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

Noch alarmierender für die Geldhäuser ist der folgende Befund: Rund 3,5 Millionen Menschen, jeder Sechste in dieser Altersklasse, fühlen sich bei Finanzfragen sogar überfordert und haben bereits kapituliert. Insbesondere trifft das zu auf die Geringverdiener (33 Prozent), die Alleinlebenden (20 Prozent) und auf die Frauen (20 Prozent).

DSGV-Präsident Heinrich Haasis sagte, es sei bedauerlich, dass jene, die besonders wenig Geld zur Verfügung hätten, sich auch wenig darum kümmerten, eine staatliche Förderung zu erhalten. Dies müsse sich ändern. “Geld macht nur Arbeit und bereitet Probleme“, dieser Meinung waren immerhin 20 Prozent der Befragten. Diese negative Einstellung war mit 29 Prozent besonders verbreitet bei jungen Erwachsenen mit einem Haushalts-Nettoeinkommen unter 1.000 Euro.

In der Spanne von 1.000 bis 2.000 Euro waren es 27 Prozent. Umgekehrt stehen Besserverdiener Geldfragen aufgeschlossener gegenüber. Bei 2000 bis 3000 Euro Haushalts-Nettoeinkommen waren es nur noch 18 Prozent, ab 3000 Euro sogar nur noch 10 Prozent, die Geld mit Arbeit und Problemen verbanden. Auch direkt nach der Gründung eines eigenen Haushaltes ist das Interesse an Geldfragen besonders hoch.

Was die Macher der Studie am meisten überraschte: Immerhin 73 Prozent der Befragten legen sich eine eiserne Reserve zu, 65 Prozent sparten konkret auf eine mittelfristig geplante Anschaffung. Annika Dröge vom FAZ-Institut sagte, sie sei auch beeindruckt gewesen, wie stark die Prägung durch die Eltern auch bei jungen Erwachsenen noch nachwirke. Wenn das Elternhaus einen eher sparsamen Umgang mit Geld gepflegt hat, ist die Sparneigung auch bei den Kindern später eher höher. Das gilt auch für Absicherungen gegen bestimmte Risiken des Lebens und für Beiträge zur privaten Altersvorsorge.

Als Konsequenz aus der Umfrage wollen die Sparkassen nun ihre Beratung verbessern. Haasis sagte, die Institute seien dazu übergegangen, komplexe Finanzangebote in Beratungsgesprächen und Broschüren anhand von Grafiken zu erläutern. Um Jüngere anzulocken, würden nun auch verstärkt Internet-Angebote gemacht, wie zum Beispiel ein elektronisches Haushaltsbuch.

AP

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