Insolventer Internetkonzern

Unister wehrt sich gegen Rechtsextremismus-Vorwürfe

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Stand Unister unter dem Einfluss rechtsextremer Wirtschaftsbosse?

Leipzig - Erst die Insolvenz, dann harte Vorwürfe: Das Leipziger Unternehmen, zu dem einige Reiseportale gehören, soll unter dem Einfluss von Rechtsextremisten stehen. Nun kämpft die Firma gegen diesen Verdacht an. 

Der insolvente Leipziger Internetkonzern Unister wehrt sich gegen den Verdacht, unter dem Einfluss von Rechtsextremisten zu stehen. In dem Unternehmen seien "keine vorbestraften Menschen mit rechtsextremer Biografie als Berater und Teilhaber aktiv", erklärte Insolvenzverwalter Lucas Flöther am Mittwoch.

Rechtsextreme sollen Zugang zu Unister gehabt haben

Zuvor hatte die Wochenzeitung "Die Zeit" gemeldet, dass "zwei Österreicher mit Neonazi-Biografien" Einfluss bei Unister gewonnen hätten. Einer der Männer war dem Bericht zufolge zeitweise Besitzer der Firma Loet Trading AG, die Anteile an der Unister-Tochter Travel24.com AG hält. Möglicherweise habe dieser Mann im Jahr 2013 zwischenzeitlich das Vertrauen der Geschäftsleitung bei Unister genossen, erklärte Flöther dazu. "Die Wege trennten sich jedoch bald, nachdem der Geschäftsleitung dessen Gesinnung bekannt wurde." 

Unister: Kein rechtsradikales Gedankengut

Inzwischen gehört die Loet Trading laut "Zeit" einem anderen Österreicher, der in den 90er Jahren in seinem Heimatland in Zusammenhang mit rechtsextremen Aktivitäten verurteilt worden sei. Dass dieser Mann über seine Firma Travel24-Aktien hält, sei zwar "bedauerlich" habe aber keinen Einfluss auf den Geschäftsbetrieb, versicherte Flöther. Zudem gehe Unister rechtlich gegen die Loet Trading vor. Das Landgericht Leipzig habe die Firma bereits verurteilt, ihre Travel24-Aktien an den Konzern zurückzugeben. "Unister distanziert sich zudem stets klar von rechtsradikalem Gedankengut", betonte Flöther. In dem Konzern seien Mitarbeiter aus mehr als 30 Nationen beschäftigt. 

Insolvenz nach Tod des Unister-Gründers

Flöther wies zugleich darauf hin, dass die Geschicke von Unister im Insolvenzverfahren "ausschließlich in den Händen der Gläubiger" lägen. Seit Montag können mögliche Käufer nach Abgabe einer Vertraulichkeitserklärung die Bücher prüfen. Nach Angaben Flöthers vom Monatsanfang gibt es "eine große Zahl" von Interessenten. Die Unister Holding hatte Mitte Juli Insolvenz angemeldet,nachdem Gründer und Gesellschafter Thomas Wagner tödlich mit dem Flugzeug verunglückt war. Mehrere Tochterfirmen rutschten danach ebenfalls in die Insolvenz. Zu dem Internetkonzern gehören mehr als 40 Portale. Das Unternehmen beschäftigt rund 1100 Mitarbeiter, davon knapp 900 bei insolventen Gesellschaften. Als wertvollster Teil der Insolvenzmasse gilt der Pauschalreisebereich, zu dem unter anderem das Portal ab-in-den-urlaub.de gehört.

Kein Risiko für Bucher

Trotz der Insolvenz des Leipziger Internetunternehmens Unister und mehrerer Tochterfirmen sind nach Angaben des Insolvenzverwalters Buchungen und Zahlungen von Kunden sicher. "Das können wir garantieren", erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas Flöther am Donnerstag. Seit der Insolvenzanmeldung arbeiteten die Portale ausschließlich als Mittler. Direkte Vertrags- und Zahlungsbeziehungen zwischen Kunden und insolventen Unister-Gesellschaften seien ausgeschlossen. "Zahlungsströme werden entweder durch Drittanbieter oder über ein Treuhandkonto des vorläufigen Insolvenzverwalters abgewickelt", betonte Flöther. Deshalb bestehe für Verbraucher bei Buchungen nach Insolvenzanmeldung "kein Risiko".

Die Verbraucherzentrale Sachsen hatte vor kurzem von wachsender Verunsicherung bei Unister-Kunden berichtet. In den Tagen nach der Insolvenzanmeldungen habe es in "Einzelfällen" Probleme gegeben, weil etwa Hotels erneut Zahlungen von Reisenden gefordert hätten, räumte Flöther ein. "Diese Forderungen sind aber unberechtigt" und beruhten in den bekannten Fällen "auf Missverständnissen". Kunden, die erneut gezahlt haben, bekommen die Kosten demnach von der Versicherung erstattet. 

AFP

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