Bis zu 50 Euro mehr im Monat

Privatversicherten droht Beitrags-Schock

Berlin - Den meisten privat Krankenversicherten in Deutschland drohen einem Zeitungsbericht zufolge massive Beitragserhöhungen. Grund sei die Niedrigzinspolitik der EZB.

Die Versicherung werde für zwei Drittel der Versicherten im kommenden Jahr im Schnitt um elf Prozent teurer, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". In besonders heftigen Fällen seien auch gut doppelt so hohe Prämienanhebungen möglich. "Zusatzkosten in Höhe von 50 Euro im Monat und mehr sind möglich", berichtete die "FAZ" am Donnerstag unter Berufung auf informierte Kreise. Insgesamt werden demnach sechs Millionen der knapp neun Millionen privat Krankenversicherten im kommenden Jahr höhere Beiträge zahlen müssen.

Auswirkungen der Niedrigzinspolitik treffen alle Sparer

Dazu komme auch etwa jeder Zehnte der knapp 25 Millionen gesetzlich Versicherten mit einer privaten Zusatzversicherung. Für die höheren Beiträge nennt die Branche mehrere Gründe: Wie schon seit Jahren berufen sich die Versicherer auf gestiegene Behandlungskosten und neue teure Verfahren. 

Dazu kommt, dass die Unternehmen milliardenschwere Altersrückstellungen bilden müssen, die sie am Kapitalmarkt investieren. Wegen der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank bekommen die Versicherer daraus aber kaum noch Erträge. "Ohne die Auswirkungen der Niedrigzinsen wäre die PKV-Beitragsentwicklung auch in diesem Jahr unauffällig", erklärte Volker Leienbach, Direktor des Verbands der Privaten Krankenversicherungen (PKV). Die Branche müsse die Gelder, die sie am Kapitalmarkt nicht erwirtschaften könne, laut Gesetz durch höhere Vorsorge finanzieren. Das treffe Versicherte "wie andere Sparer auch". Auch die gesetzlichen Versicherungen rechnen im nächsten Jahr mit steigenden Ausgaben.

Menschen akzeptieren regelmäßige Beitragserhöhungen eher als große Sprünge

Dass der Zuschlag nun kommt, liegt auch an einer gesetzlichen Regelung: Die Versicherer sind verpflichtet, jährlich die tatsächlichen Ausgaben mit den kalkulierten zu vergleichen. Erst bei einer Abweichung um mehr als zehn Prozent darf das Versicherungsunternehmen laut PKV die Beiträge anpassen. Das war in diesem Jahr laut "FAZ" "fast flächendeckend" der Fall. Leienbach forderte deshalb, die Tarife stetig an die Kosten anpassen zu dürfen: "Aus Umfragen wissen wir, dass die Menschen kleine, regelmäßigere Beitragsanpassungen eher akzeptieren würden als seltene, dann aber deutlich größere Sprünge."

SPD-Gesundheitspolitiker lehnt Gesetzesänderung

Während Unionspolitiker sich angesichts der deutlichen Prämienanhebungen laut FAZ dafür aussprachen, Gesetze zu ändern, lehnt der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach dies ab: "Wir sind nicht die Knechte der PKV-Lobby, diese Zeiten sind vorbei", sagte er. Auch mache die SPD sich unglaubwürdig, wenn sie einerseits für die Abschaffung der PKV durch eine Bürgerversicherung werbe, andererseits "Rettungspakete für die Privatversicherung" schnüre.

Linke fordern das Ende der Privatversicherungen

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion, Kathrin Vogler, erklärte am Donnerstag in Berlin: "Das Geschäftsmodell der privaten Krankenversicherungen ist am Ende. Jetzt zeigt sich überdeutlich, dass ein solidarisch finanziertes und auf Umlage basierendes gesetzliches Versicherungsmodell nachhaltiger ist als das der Privatversicherung, das auf Kapitalmarkt und Zinserträge setzt."

Vogler argumentierte, Beitragssprünge wie die vermutlich geplanten bedeuteten für die Privatversicherten eine Mehrbelastung von mehreren hundert Euro im Jahr. Gerade Rentner, aber auch Soloselbstständige liefen Gefahr, ihre Beiträge nicht mehr bezahlen zu können.

afp/ dpa

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