Niedrigzins:

Anhaltendes Zinstief bringt Sparer in Bedrängnis

Frankfurt/Main – Die EZB senkt den Leitzins weiter, erste Bankhäuser erheben bereits Negativzinsen bei Mittelstandskunden. Sie wollen damit erreichen, dass Anleger auf „alternative Anlagekonzepte“ umsteigen. Doch Sparer in Deutschland sind zaghaft – dabei geraten sie durch die EZB-Politik immer weiter in Bedrängnis.

Wie EZB-Chef Mario Draghi bekannt gegeben hat, wird sich an den niedrigen Zinsen vorerst nichts ändern und der Strafzins-Kurs sogar verschärft. Für Bankhäuser bedeutet dies zukünftig höhere Kosten in Form von Strafzinsen, wenn Geld bei der EZB eingelagert wird. Ziel dieser Zinspolitik: Kreditvergabe und damit Konjunktur ankurbeln.

Einige Banken geben die Strafzinsen bereits an Großkunden weiter: Knapp 1,8 Millionen Euro musste etwa der Gesundheitsfonds der Krankenkassen als negatives Zinsergebnis verbuchen – und das bei einem gleichzeitig gekürzten Bundeszuschuss zum Fonds. Neben der Commerzbank erheben auch die Skatbank oder die WGZ Bank Negativzinsen, jedoch noch nicht bei Kleinsparern. Dass aber auch dieses Szenario nicht in weiter Ferne liegt, zeigt eine kürzliche Entscheidung des Bundesfinanzministeriums: Präventiv wurde festgelegt, dass Negativzinsen nicht steuerlich geltend gemacht werden können, denn laut Ministerium zählen diese nicht als Zinsen, sondern als Einlagegebühren. 

In Zeiten der „Neuen Neutralität“ wird sich an den niedrigen Zinsen auf lange Sicht nichts ändern. Doch obwohl es bald lukrativer scheint, das Geld statt bei der Bank zuhause unter der Matratze zu verwahren, halten die Deutschen an ihrem Sparkurs fest – ein Gesinnungswandel vollzieht sich nur langsam. Laut einer Umfrage von Financescout24 besitzen nur 16 Prozent der Befragten Aktien, hingegen jeder Zweite ein Sparbuch und 37 Prozent ein Tagesgeldkonto. Altgediente Sparmethoden stehen in Deutschland immer noch hoch im Kurs. Und das, obwohl sie so unrentabel sind wie nie zuvor. Für höhere Renditen vermehrt auf Risiko zu setzen und in Aktien zu investieren, kommt für das Gros der Deutschen noch nicht in Frage: Sicherheit geht vor, Sicht- und Spareinlagen sind deshalb besonders gefragt. Auf der einen Seite bleiben so die meisten von Kurseinbrüchen auf dem Aktienmarkt verschont, im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass keine Gewinne aus günstigen Börsenentwicklungen gezogen werden können. 

Doch woher rühren diese deutsche Risikoaversion und die Skepsis gegenüber Aktien? Die Vorurteile gegenüber Wertpapieren, eine hochspekulative Angelegenheit zu sein, spielen dabei überraschenderweise gar keine so große Rolle. Eine der Hauptursachen ist vor allem Unkenntnis und das fehlende Wirtschaftswissen der meisten. Daraus resultiert die Angst, sich mit so einer vermeintlich komplizierten und komplexen Sache auseinandersetzen zu müssen. Außerdem ist das Sparbuch seit Familien-Generationen eine Tradition mit der nur ungerne gebrochen wird, da sie sich früher immer bewährt hat. 

Aber neben den ganzen Schattenseiten des Niedrigzinses gibt es auch einen wichtigen Vorteil: Die großen Gewinner sind Kreditnehmer und Schuldner. Vor allem im Bereich der Baufinanzierung sind viele günstige Darlehen zu niedrigem Zinssatz zu finden. Doch auch hier ist Vorsicht geboten: Die niedrigsten Zinsen gibt es meist für kürzere Laufzeiten. Nicht umsonst mahnt deshalb das Portal Immowelt, mit Niedrigzinsen richtig zu kalkulieren. 

Überstürzt sollte nun aber nicht gehandelt werden, auch wenn die Situation knifflig ist: Der früher sichere Zinsbringer wird vermutlich bald zum Zinsfresser, klassische Geldanlagen verlieren ihre Rentabilität. Statt die Entwicklung nur passiv zu verfolgen, sollte jeder Sparer recherchieren – und Interesse an der Geldanlage entwickeln. Spätestens im Alter wird er es sich selbst danken.

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