Möbelindustrie lässt Krisenjahre hinter sich

+
Die Möbelmesse in Köln verzeichnet in diesem Jahr 13 Prozent mehr Aussteller.

Köln - Die Möbelhersteller haben das Krisental nach eigenen Angaben endgültig verlassen. 2012 will die Branche erstmals wieder den Umsatz aus der Zeit vor der Finanzkrise erreichen.

Die deutsche Möbelindustrie bleibt nach einem Boomjahr auf Erfolgskurs. Nach einer Umsatzsteigerung von sechs Prozent auf 16,7 Milliarden in 2011 erwarte die Branche für dieses Jahr ein Umsatzplus von gut zwei Prozent, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie (VDM), Dirk-Uwe Klaas, am Mittwoch vor Beginn der Möbelmesse IMM in Köln. Die deutsche Möbelindustrie sei im weltweiten Vergleich am besten aufgestellt. Die Prognose sei noch vorsichtig formuliert.

Grund für die Zurückhaltung ist die abflauende Konjunktur in Europa. 2012 erreiche die Möbelindustrie das Umsatzniveau von vor der Krise Ende 2008, sagte Klaas. Damals lag der Umsatz bei 17,2 Milliarden Euro.

Deutsche Möbel im Ausland begehrt

Das rasante Wachstum im vergangenen Jahr geht auf einen Boom beim Export zurück. Das Auslandsgeschäft habe um elf Prozent dazu gewinnen können, sagte Klaas. In Asien wurde ein Plus von 26 Prozent eingefahren. Allein in China waren es 57 Prozent. „Möbel 'Made in Germany' sind weltweit ein attraktives Produkt“, sagte Klaas. Im Inland lag das Umsatzwachstum bei knapp sechs Prozent.

Unter den Segmenten konnten Büromöbel am meisten zulegen. Hier kletterte der Umsatz um satte 18 Prozent. Bei Wohn- und Küchenmöbeln waren es sechs Prozent. In der deutschen Möbelindustrie sind derzeit 90.000 Mitarbeiter in 520 Betrieben beschäftigt.

Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels, Thomas Grothkopp, bilanzierte: „Der Möbelhandel boomt und war einer der großen Gewinner im Einzelhandel.“ Viele Verbraucher investierten lieber in die eigenen vier Wände statt in Aktien und Wertpapiere. Dabei geben die Bürger wieder mehr Geld für Möbel aus. Die Jahresausgaben pro Kopf stiegen zwischen 2009 und 2011 um 14 auf 373 Euro.

Trotz der Erfolgsmeldungen kämpft die Branche nach eigenen Angaben mit drastisch gestiegenen Rohstoffpreisen und erhöhten Lohn- und Materialkosten. In diesem Punkt gebe es noch keine Entwarnung, sagte VDM-Hauptgeschäftsführer Klaas. Ob sich die Kosten auf die Möbelpreise niederschlagen, sei unklar. Dies liege an dem jeweiligen Händler.

Möbelmesse mit 1.150 Ausstellern

Auf der Möbelmesse IMM präsentieren vom 16. bis 22. Januar rund 1.150 Unternehmen ihre neuen Produkte, ein Plus von 13 Prozent. Für das Publikum öffnen die Tore erst am Freitag (20. Januar). Ausgestellt werden unter anderem Wohn- und Schlafzimmermöbel, Polstermöbel, Badzubehör und Leuchten.

Nach Angaben der VDM-Trendexpertin Ursula Geisman werden die Möbel wegen der wachsenden Zahl an Singlehaushalten kleiner und kompakter. Zugleich erhält die Natur Einzug. Holzbadewannen, Kork an der Wand und Naturholzböden seien angesagt. Selbst Strick schwappe auf die Möbel über, sagte Geismann.

Die Möbelmesse IMM zählt zu den größten Einrichtungsmessen in Europa. Im vergangenen Jahr wurden 138.000 Besucher gezählt.

dapd

Kommentare