BP in der Klemme: Kippt Öl-Pest die Dividende?

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London - “Wer es allen Menschen Recht machen will, muss früh aufstehen“. Ginge es nach dem Sprichwort, dürften die Top-Manager beim Ölkonzern BP nicht mehr viel Schlaf bekommen.

Der Riese steckt in der Klemme: Aktionäre hoffen auf ihre Dividende, Politiker wollen Geld bei den von der Umweltkatastrophe betroffenen Menschen im Golf von Mexiko sehen. Für das Öldesaster muss erst noch eine dauerhafte Lösung gefunden werden und die Rechnung wird noch Jahre weiterwachsen, die Schätzungen gehen von 5 bis 35 Milliarden Dollar.

BP versucht verzweifelt, es jedem Recht zu machen und seinen Ruf zu retten. Doch der scheint ruiniert. BP-Chef Tony Hayward muss einen Balanceakt hinlegen. Auf der einen Seite gilt es, die Anleger mit hohen Dividenden-Zahlungen zu besänftigen. Andererseits machen solche Ankündigungen Umweltschützer, Fischer und Politiker noch wütender. US-Präsident Barack Obama - wegen der Krise daheim selber unter Druck - gab am Wochenende schon mal einen Vorgeschmack auf die Kritik, die auf BP zukommen könnte.

Bei seiner dritten Reise in das Krisengebiet griff er den Konzern scharf dafür an, aktuell 50 Millionen Dollar (rund 41 Mio Euro) in Fernsehwerbung zu stecken und den Aktionären eine Dividende von mehr als 10 Milliarden Dollar zahlen zu wollen. “Was ich nicht hören will, wenn sie so viel Geld für so etwas ausgeben (...), dass sie bei den betroffenen Fischern und kleinen Unternehmen hier im Golf auf jeden Cent achten“, sagte Obama.

BP habe moralische und rechtliche Verpflichtungen im Golf von Mexiko. Dabei habe es erste Probleme bei der Auszahlung von Schadenersatz gegeben. Hayward versuchte am Freitag, die Politik zu beruhigen und gleichzeitig die Anleger mit einem moralischen Appell zu ködern. BP werde seine Pflichten weiterhin wahrnehmen, der Kampf gegen die Öl-Katastrophe habe oberste Priorität, sagte er bei einer eigens zur Besänftigung der Investoren einberufenen Telefonkonferenz. “Jeder bei BP ist untröstlich über die Ereignisse. (...) Es hätte nicht passieren dürfen und wir sind entschlossen, jede Lektion daraus zu lernen, so dass es nie wieder passiert.“ Vorsichtige Botschaft an die Aktionäre: Der Kampf gegen die Naturkatastrophe geht vor.

Ob Hayward die Anleger mit seiner moralischen Aufforderung erreichte, blieb unklar, denn eigentlich hatten sie vor allem auf eines gehofft: Zu erfahren, ob sie ihre angekündigte Dividende bekommen werden oder nicht. Die Entscheidung wurde zunächst einmal aufgeschoben. Man werde diese “unter der Berücksichtigung der aktuellen Umstände“ treffen, sagte BP-Verwaltungsratschef Carl-Henrik Svanberg. Der Wert des Konzerns ist seit der Explosion auf der Ölplattform “Deepwater Horizon“ am 20. April in die Tiefe gerauscht.

Die BP-Aktie brach von ihrem damaligen Kurs von 655,40 Pence um ein Drittel auf rund 449 Pence ein. Um die Zukunft ihres Geldes müssten sich die Investoren allerdings keine Sorgen machen, beteuerte Hayward: “Die finanziellen Konsequenzen dieses Ereignisses werden zweifellos sehr ernst sein, aber BP ist ein starkes Unternehmen und hat schon viele Stürme durchschifft.“ Ratingagenturen stuften aber bereits die Kreditwürdigkeit des Ölmultis herab, der eigentlich eines der weltweit profitabelsten Unternehmen ist.

Allein im ersten Quartal 2010 steigerte der Konzern seinen Überschuss um 138 Prozent auf 6,2 Milliarden Dollar (rund 4,6 Mrd Euro). Im vergangenen Jahr lag der Gewinn bei etwa 16,5 Milliarden Dollar, 2008 bei 25,6 Milliarden Dollar. Mehr Details zu den Kosten der Katastrophe will BP am 27. Juni bei der Vorstellung der Ergebnisse für das zweite Quartal präsentieren.

Britta Gürke

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