Bei BP brennt es - Spießrutenlauf für Konzernchef Dudley

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Eduard Khudai natov (l.) und Bob Dudley (r.) beim Unterzeichnen des Deals zwischen den beiden Öl-Konzernen.

London - BP-Chef Bob Dudley wollte das wirtschaftliche Desaster ausgleichen. Dafür hat er einen Riesendeal mit dem russischen Ölkonzern Rosneft eingefädelt. Doch nun droht das Geschäft zu platzen.

BP-Chef Bob Dudley hatte schon Mitte Januar den Reset-Knopf gedrückt. Mit einem Riesendeal in der russischen Arktis sollte die Pein der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko vom vergangenen April zumindest wirtschaftlich vergessen gemacht werden. Doch ein Vierteljahr später holt den BP-Boss aus den USA die Vergangenheit wieder ein. Die Hauptversammlung am Donnerstag in London geriet zum Spießrutenlauf.

Aufgebrachte Aktionäre schimpften auf den Vorstand. Fischer, die eigens aus den USA angereist waren, machten auf ihre existenzbedrohende Situation aufmerksam. 4,9 Millionen Barrel Öl waren ins Meer gelaufen und hatten die Fischgründe unbrauchbar gemacht. Arbeiter britischer BP-Werke brachten die Angst um ihre Arbeitsplätze zum Ausdruck. Und Umweltschützer kritisierten medienwirksam die Zukunftsstrategie von BP - keine positiven Bilder für den britischen Ölriesen.

Dabei hatte sich Dudley alles so gut ausgedacht: Eingefädelt auf höchster politischer Ebene wollte BP mit Hilfe des russischen Staatskonzerns Rosneft riesige Öl- und Gasvorkommen ausbeuten. In der südlichen Karasee im Hohen Norden Russlands lagern die wohl größten bisher nicht angebohrten Vorkommen der Welt. Experten vermuten dort fünf Milliarden Tonnen Öl und 10 Billionen Kubikmeter Erdgas.

Es sollte nicht nur ein gutes Geschäft werden, sondern auch ein Wendepunkt nach der Katastrophe in den USA. Dudley schätzt Russland für die wachsende Nachfrage nach Energie als Schlüsselland ein. “Wir müssen dort dabei sein“, schrieb er seinen Aktionären ins Stammbuch. Jährlich wachse der Bedarf an Energie weltweit um 1,7 Prozent, der Löwenanteil der zusätzlichen Nachfrage komme es aus den Entwicklungsländern.

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Doch ausgerechnet russische Partner machen den Deal möglicherweise zunichte. Ein Konsortium aus vier russischen Oligarchen hat Einspruch gegen die Zusammenarbeit von BP und Rosneft eingelegt und eine einstweilige Verfügung dagegen erwirkt. Sie arbeiten seit 2003 mit BP an der Ausbeutung von Festland-Öl. “Die Zusammenarbeit ist ausgesprochen erfolgreich“, musste sogar Dudley einräumen.

Die Oligarchen erweisen sich hinsichtlich des Arktis-Geschäftes als viel härtere Nuss, als Dudley trotz jahrelanger eigener Erfahrungen mit ihnen glaubte. Sie pochen auf eine Gesellschaftervereinbarung. Darin steht offensichtlich, dass BP die Zustimmung seiner Partner hätte einholen müssen, bevor es einen Deal mit Rosneft verkündet. Die Oligarchen wissen offenbar, dass sie gute Karten haben. Denn sie pokern hoch. Sie wolle jetzt volle Teilhabe an dem Arktis-Geschäft oder 35 Milliarden US-Dollar.

Analysten bewerten dies für Dudley als verheerend. Er musste bereits für das vergangene Jahr einen Verlust von fünf Milliarden US-Dollar bekanntgeben und zur Zahlung von Schadenersatz in den USA Firmenwerte in Höhe von 30 Milliarden US-Dollar versilbern. Ein Teil der Aktionäre sind hochgradig nervös. Ein erneuter tiefer Griff in die Kriegskasse könnte die Handlungsfähigkeit des Konzerns auf Jahre schwächen.

dpa

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