
Im Monat Januar 2010 jährte sich zum 65. Male die Zeit, in dem die russische Front die deutsche Grenze überschritt Als Mitte Januar 1945 die russische Armee die deutschen Grenzen überschritt und halb Deutschland überrannte, zwang Hitler die deutschen Soldaten bis zum bitteren Ende und zur letzten Patrone, Deutschland zu verteidigen. Durch das Eindringen sowjetischer Truppen auf deutsches Territorium, wurden noch unzählige Menschen – überwiegend Juden – aus allen Herren Ländern, die in deutschen Vernichtungslagern inhaftiert waren, sinnlos ermordet. Eine abscheuliche Tat, die von Niemandem zu entschuldigen ist. Man hat also eine schwere Schuld auf sich geladen! Nun, nach 65 Jahren, hat der israelische Ministerpräsident Schimon Peres, das erste Mal deutschen Boden betreten und den deutschen Bundestag besucht. Bei diesem Besuch hat er an verschiedenen Orten und Gedenkstätten in feierlicher Weise, an seine ermordeten Mitbürger gedacht. In seiner Rede, die er in Anwesenheit aller Abgeordneten im deutschen Bundestag hielt forderte er, alle noch lebenden Verbrecher, die sich an der Ermordung dieser Menschen beteiligt hatten, so lange zu verfolgen, bis auch der Letzte seinen irdischen Richter findet. Wegen diesem sinnlosen Krieg, wurden auch wir aus unserer schlesischen Heimat vertrieben und über viele Sammellager – wer es überlebte – in die heutige Heimat verfrachtet. Unser Vater war Soldat und kam nie wieder zurück. Meine Mutter wurde mit 6 Kindern – von denen ich der Älteste war mit 15 Jahren – in ein Sammellager gebracht. Ich wurde aber schon nach 2 Tagen von meinen Angehörigen getrennt und wegen Verdacht deutscher Partisan zu sein, in ein anderes Lager gebracht, in dem nur Naziangehörige, gefangene Soldaten und Leute, die im Verdacht standen, sich in verschiedner Hinsicht schuldig gemacht zu haben? Obwohl ich mit grade 15 Jahren von Partisanentätigkeit keine Ahnung, sowie auch nichts damit zu tun hatte, wurde ich mehrere Tage lang verhört und geschlagen, so dass ich zeitweise nicht wusste, wie ich heiße. Ich gab unter den Misshandlungen alles zu, obwohl gar nichts stimmte. Wir wurden nicht von polnischem Militär oder gar von regulären Polizisten vertrieben, sondern von Zivilisten die sich eine weiße Binde um den Arm banden, einen Knüppel und ein Gewehr besorgten, und als Polizisten ausgaben. Die meisten davon waren polnische Zwangsarbeiter, die in Deutschland arbeiten mussten und ihre Wut an uns ausließen. Ob schuldig oder nicht, es wurde keine Rücksicht genommen. Man wollte eben viele Deutsche umbringen, was auch täglich geschah. Ich verbrachte 4 Jahre lang die Gefangenschaft in verschiedenen Lagern und musste mit ansehen, wie Viele meiner Mitgefangenen erschlagen wurden. In der größten Not hatte ich das Glück, dass sogar Polen es waren, die mit mir Mitleid hatten, die heimlich dafür sorgten, dass ich über das polnische Rote Kreuz das Lager verlassen konnte. Ich wurde in einen Sammeltransport verfrachtet und kam nach 4 täglicher Bahnfahrt nach Hannover. Von dort ging es – über holprige Klippen - in den Ort aus dem ich diesen Bericht schreibe. Ich habe also viel Schlimmes erlebt! Ich möchte nicht mehr und nicht weniger als Herr Ministerpräsident Peres der sich zur Zeit in Deutschland aufhält, dass die Leute, die mir viel Leid angetan und viele andere Unschuldige getötet haben, bis an ihr Lebensende gejagt und bestraft werden. Einige davon kennt man und weis sogar wo sie wohnen. Man muss wollen, sie wohnen gar nicht weit weg! Nun fordert der Bund der Vertriebenen mit Frau Erika Steinbach, nicht mehr und nicht weniger, als ein Mahnmal zum Gedenken an die Vertreibung. Ebenso ein ordentliches nachbarschaftliches Verhältnis und Versöhnung mit den Polen. Der ehemalige Bundeskanzler Brand hat sich doch mit seinem Kniefall in Warschau, für das Unheil, das Hitler in Polen angerichtet hat, klar und Deutlich entschuldigt. Was sollen wir denn noch alles tun? Bei dieser Gelegenheit muss ich erwähnen, dass ich seit 1985 bis 2009 ca. 15 Mal in Polen war und die Polen, die jetzt in unseren 5 Häusern wohnen, besucht habe. Ich habe für die deutsch polnische Verständigung mehr beigetragen, als so mancher Bundestagsabgeordnete der mit nahezu 10000 € monatlich bezahlt wird. Bei all unseren Besuchen in Polen haben wir keinen Unterschied zu spüren bekommen. Wir wurden wie jeder andere Pole behandelt, obwohl wir nur deutsch gesprochen haben. In der Gefangenschaft habe ich ein paar Worte polnisch gelernt. Das reicht aber nur für die Fahrt und die Unterhaltung an der Grenze – als sie noch bestand -. Als die Zeiten allmählich ruhiger wurden, sind Viele aus unserem Ort, in die alte Heimat gefahren um zu schauen, was sich dort verändert hat. Alle waren auf ´s tiefste enttäuscht und hatten allmählich Mitleid, dass die Uhren dort stehen geblieben sind. Vor allem in der Kirche. Wir waren alle Katholisch und die Polen sind ebenfalls Katholisch. Der Organist, der bis zur Vertreibung jahrelang die Orgel spielte musste erfahren, dass die Kirchenorgel schon seit etwa 20 Jahren kaputt ist und nicht repariert werden kann, weil kein Geld vorhanden ist. Nach seiner Rückkehr startete er unter allen Vertriebenen aus unserem Ort eine Spendenaktion für eine Generalreparatur. Wir alle spendeten soviel Geld, dass er einen Orgelbauer fand, der mit allen Materialien die dafür gebraucht wurden und ihm selber hinfuhr und die Orgel mit unseren Spenden generalüberholte. Sie wohnten bei einem dort verbliebenen Freund solange, bis sie wieder einsatzbereit war. Zur Einweihung und zur Danksagung wurden wir von den Polen eingeladen und festlich bedient. Meine Frau und ich fahren als Gäste zu den Leuten die in unseren Häusern wohnen und werden als Gäste behandelt, bedient und verabschiedet. Wir fahren mit unserem Auto hin, halten uns dort eine ganze Woche lang auf, und besuchen alles, was ich bis zu meinem 15. Lebensjahr erlebte. Bei allen unseren Besuchen hatten wir noch nie Schwierigkeiten oder Ärger bekommen. Man zeigte sich großzügig und in allen Häusern alles, was wir sehen wollten und bewirtete uns sehr gut. Wir haben nur gute Erfahrungen gemacht! Wir waren keine armen Leute und wenn man das Internet anklickt, kann man auf der Weltkugel Google Earth, alle unsere Häuser und Ländereien klar und deutlich erkennen. Sogar Feldwege und Raingrenzen sind ganz deutlich zu erkennen. Mit diesen Zeilen möchte ich meinen Beitrag beenden und hoffen, dass wir hier in Europa nie wieder einen solchen Idioten bekommen, der die Welt verändern will.