Die Tochter der bestens bekannten Hersfelder Tennis-Familie ist mittlerweile 34 Jahre alt. Seit zehn Jahren lebt und arbeitet sie in Kassel. Dort spielt sie seit 2003 für den TC Blau Weiß. Sehr erfolgreich sogar. Die Damen 30 sind in der Regionalliga Südwest, das ist die höchste Liga dieser Altersklasse, aktiv. Mehr noch. Sie waren in der vergangenen Saison sogar Meister, konnten aber nicht aufsteigen, weil es eben keine höhere Liga gibt. Bei der Deutschen Meisterschaft mussten sich die erfolgsverwöhnten Kasselerinnen dann daran erinnern, wie es ist, wenn man mal verliert. Am Ende sprang Rang vier heraus, und Anja Hasper sagt im Nachhinein „man habe am Finale lediglich teilgenommen“.
Für jemanden, der in seinem Jahrgang zu den besten Tennisspielerinnen Hessens gehört, kommt die 34-Jährige im Telefongespräch sehr bescheiden daher. „Ich bin kein Typ, der ständig nach Ranglisten schaut oder seine Freizeit nach Turnieren ausrichtet“, berichtet sie. Auch im Fernsehen würde sie Tennis nicht (mehr) stundenlang fesseln.
Vor zwei Jahren sei sie in Hessen mal an Position fünf geführt worden, in der Deutschen Rangliste dürfte sie sich „wohl irgendwo zwischen 50 und 60 befinden.“ Seit 2007, als sich das Damen 30-Team des Kasseler Clubs mit der schönen Anlage unterhalb des Herkules formierte, ging es für Anja Hasper und ihre Mittreiterinnen stetig bergauf. „Wir sind Jahr für Jahr aufgestiegen“, sagt sie und klingt dabei fast ein bisschen beschämt.
Das könnte vielleicht daran liegen, dass die erfahrenen Kasselerinnen nicht mehr Zeit auf dem Tennisplatz verbringen als nötig. „Zum gemeinsamen Training fehlt oft die Zeit. Einige sind beruflich sehr eingespannt, einige Mütter beansprucht der Nachwuchs“, erzählt sie und verrät, dass nicht mehr als eine Trainingseinheit pro Woche drin sei. Viel Routine, eine große Leistungsdichte und toller Teamgeist zeichne die Mannschaft aus, sagt Anja Hasper.
Im Alter von fünf Jahren beginnt sie so richtig mit dem Tennissport. Erster Trainer ist – und das ist keine Überraschung – Vater Helmut, der rührige Sportwart des TC Blau Weiß Bad Hersfeld. „Mein Familie ist schon ein bisschen durchgeknallt, was Tennis anbelangt“, sagte sie lachend und zählt auch ihre Brüder Jan und Jens auf.
Beide Elternteile sind noch immer in Seniorenteams für den Hersfelder Club aktiv. Sie habe in ihrer Kindheit viel Freizeit auf der Tennisanlage des TC Blau Weiß an der Unterau verbracht. Sehr viel. „Meine Eltern haben mich anfangs angetrieben, mussten mich später aber manchmal auch bremsen, wenn ich abends nicht nach Hause wollte“, erinnert sie sich. Oder wenn die Tennisbälle stundenlang mit einem monotonen Plopp an die Hauswand klatschten. Mit Tennis Geld zu verdienen, sei für sie aber nie ein Thema gewesen. „Dafür war ich zu schlecht – und wahrscheinlich auch zu bodenständig“, gibt Anja Hasper ohne Umschweife zu.
Besuch bei den Eltern
Alle sechs bis acht Wochen fährt sie von Kassel aus den kurzen Weg auf der A7 in Richtung Süden, um ihre beschauliche Heimatstadt und natürlich ihre Eltern zu besuchen. Manchmal machen sich Gabriele und Helmut Hasper auch in umgekehrter Richtung auf den Weg.
Der Glücksbär aber, den Anja einmal von ihrer Mutter geschenkt bekam, ist stets dabei, wenn die 34-Jährige ihre Tennistasche auspackt. Wo auch immer.
Von Sascha Herrmann



























