Im Juni 1912 schon treffen sich in der Gastwirtschaft Lotz 15 begeisterte Turner, um den Verein „Gut Heil“ ins Leben zu rufen. Acht Jahre später findet „an der Trift“ ein erstes großes Sportfest statt, in vorwiegend leichtathletischen Disziplinen. Die Teilnehmer kommen von weit her, auch aus dem Ruhrgebiet.
Strenge Sitten
Wie streng die Sitten seinerzeit sind, belegt dies: Wer während der Turnstunde in der Wirtschaft sitzt, muss 50 Pfennig zahlen (ein Glas Bier kostete damals 20 Pfennig). Oder: Wer dreimal beim Turnen fehlt, wird ausgeschlossen. In der Folge wird der Turnverein immer aktiver. Leichtathletische Aktivitäten lassen nicht nach, auch eine Handball-Mannschaft wird gegründet.
1932 werden die Vereine „Gut Heil“ und „FC Schwarz-Gelb“ zum TSV Ransbach zusammengelegt. Enorme Schwierigkeiten bereitet die Suche nach einem Sportplatz. Erste Punktspiele der Fußballer werden auf den Wiesen von Mühlroths oder des Zimmermanns Metz ausgetragen, später wird an der „Dicken Eiche“ gespielt. Dass der Verein bisweilen nicht genügend Pachtgeld besitzt, erschwert den Betrieb zusätzlich.
Der Zweite Weltkrieg hinterlässt auch in Ransbach Spuren – dennoch wird schon im Dezember 1945 der TSV zu neuem Leben erweckt, mit Heinrich Henkel als 1. Vorsitzendem. Um einen Leder-Fußball zu organisieren, müssen in der Nachkriegszeit sechs Eier, seinerzeit sehr begehrt, aufgebracht werden. Monate später meldet der Verein erstmals eine Jugendmannschaft zum Spielbetrieb. Noch haben Leichtathletik und Turnen ihren Platz, als der TSV 1950 mit 20 Sportlern am Landesturnfest in Kassel teilnimmt, und anlässlich des 40-jährigen Bestehens findet ein Festspiel „im Geiste des Turnvaters Jahn“ statt.
Akzente gesetzt
Immer mehr aber setzt der Fußball Akzente im Vereinsleben. 1953 beginnt unter dem 1. Vorsitzenden Heinrich Klotzbach der Bau des heutigen Sportplatzes an der Ausbacher Straße. Drei Jahre später wird der Grundstein zum Sportlerheim gelegt, und 1957 wird das Jugendheim seiner Bestimmung übergeben.
Die Kicker steigen 1963 in die II. Amateurliga auf. „Hello“ Eiche und Karl-Heinz Henkel werden zu Idolen und schreiben Ransbacher Fußballgeschichte. Beide machen sich wegen ihrer Kampf- und Schusskraft einen Namen.
Auch im Hessenpokal macht sich der TSV Ransbach einen Namen. Nicht zuletzt ein Endspiel im Bezirkspokal bleibt in Erinnerung. Äußerst unglücklich unterlag man dem Oberligisten Bad Soden mit 0:1. Abstiege und Meisterschaften wechseln sich ab, Höhen und Tiefen prägen die 70er- und 80er-Jahre. Das dauert bis 1990 an – in diesem Jahr erringt der TSV Ransbach zum dritten Mal innerhalb von elf Jahren die Meisterschaft der B-Klasse. Monate zuvor hat der Verein nach Öffnung der innerdeutschen Grenze den TSV Sünna zu Gast. Unter Trainer Harry Terrell kickt der TSV Anfang der 90er-Jahre drei Spielzeiten in der Bezirksliga – der Abstieg folgt. Dieter Lösche heißt der Spielertrainer, als Ransbach um den Milleniumswechsel herum neun Siege in Folge hinlegt, und sich für die neu installierte und spielstarke A-Liga qualifiziert.
Verschleiß an Trainern
Doch der Verein muss mit einer Erkenntnis leben: In den letzten zehn Jahren hat er zehn Trainer verschlissen. Hansi Fischer, Symbol des Aufschwungs im Nachwuchsbereich, übernimmt auch bei den Herren – und 2007, nach 77 Jahren eigenständigen Spielbteriebs, fusioniert der TSV Ransbach mit dem VfL Mansbach zur FSG Hohenroda.
Von Walter Kell



























