Er redet in der Gegenwart, und er lebt auch darin. Mit „das“ meint er alle Beteiligten der SG, alle Weggefährten, die seinen Weg in dieser Zeit kreuzten. Und natürlich die Spieler. „Ich bin unfassbar stolz auf diese Truppe“, fügt er an. Als würde dieser Abschnitt seines Lebens im Zeitraffer an ihm vorbeiziehen. Als hätten sich Episoden in ihm eingebrannt. Für immer.
Zu jedem Spieler wisse er eine Geschichte zu erzählen, sagt er. Und es gingen einige Spieler durch seine Hände. 2005, im Jahr des Aufbruchs der SG, sprach er fünfzig Kicker an, ob sie nicht bei der SG mitmachen wollten. Drei Jahre später, als der Talentschuppen der JSG Solztal seine Pforten öffnete und die Herrenteams bereicherte, kam frisches Herzblut dazu.
Eine SMS, die rührte Martin Stein besonders. Simon Sippel, ein verlässlicher Jungspund seiner Abwehrkette, war der Absender. Es war am späten Abend nach dem ersten Spiel der Relegationsrunde Ende Mai, das die SG Sorga/Kathus in Rothenkirchen verlor. Stein saß gerade im Auto nach Weilburg, wo er gegenwärtig die Meisterschule zur Forstwirtschaft absolviert. Sippels Worte an seinen Noch-Coach waren von Dankbarkeit geprägt, für den Trainer und Menschen Martin Stein.
Wirkung nicht verfehlt
Für all das, was er für seine Spieler getan hatte. „Du bist der, der uns Jugendspieler zu Leistungsträgern gemacht hat. Lass Dich von der unglücklichen Niederlage nicht umwerfen.“ Auszüge nur, Worte aber, die ihre Wirkung nicht verfehlten. „Die SMS hat mir richtig geholfen“, ringt Stein nach Fassung. „Ich werde die Spieler richtig vermissen“, schiebt er nach. „Wie sie gekämpft haben. Bis zuletzt. Wie sie nicht aufgegeben haben. Auch für mich.“
Martin Steins Zeit
bei der SG war von Leidenschaft geprägt, von vielen Gefühlen – vor allem aber von Schaffen, Schaffen, Schaffen. „Vieles, was er hier angestoßen hat, hat sich als richtig erwiesen“, sagt Heiko Pfeiler. Und der ist nicht irgendwer. Der 41-Jährige ist SG-Leiter und hatte, ebenso wie Marcel Mähler, Abteilungsleiter des SV Kathus, ständig mit Stein zu tun. „Martin reißt mit. Und er kann überzeugen“, urteilt Pfeiler.
„Er ist Mädchen für alles“, legt Mähler nach. Sind wir schon bei Einschätzungen, bemüht Pfeiler einen Vergleich. Bildhaft wird seine Sprache. „Martin verlässt sein Baby. Und wer lässt schon gerne sein Baby liegen?“
Stein baute bei der SG Sorga/Kathus eine Kameradschaft auf, die ihresgleichen sucht. Er lud zum Wasserskifahren, zu Solztal-Wanderungen, Kicker der SG luden ihre Mitspieler zu Partys ein.
Einmal aber kommt im Leben die Zeit des Abschieds. Tendenzen, nach sieben Jahren einen Strich unter das Kapitel SG zu ziehen, die spürte Stein zu Beginn des Jahres. „Als ich die Meisterschule in Weilburg besuchte“, erinnert sich der Coach, „kam es auch auf Eigenmotivation der Spieler an. Die Trainingsbeteiligung ging zurück, manches schlich sich ein. Wir waren noch immer Freunde, das Letzte rauszukitzeln, das aber war vorbei.“
Einmaligkeit
Die Hoffnung, dass seine Spieler ihm zum Abschied den Aufstieg schenken, die erlosch. Für Martin Stein stehen Anfang August und
Ende September Prüfungen an, danach fährt er mit seiner Familie in den Urlaub – erst dann ist er bereit, wieder Fußball-Trainer zu werden. „Ich hatte viele Angebote“, sagt er, „mit einem Verein war ich sehr weit in den Gesprächen.“
Martin Stein hatte im Jahr 2005 mit einer Doppel-Meisterschaft angefangen, er hätte auch mit einer Doppel-Meisterschaft (oder einem Aufstieg) aufhören können. Seine Nachfolge bei der SG Sorga/Kathus tritt Thomas Rüger an. „Die Mannschaft ist gereift“, weiß Stein, „sie ist intakt.“ Und er fügt hinzu: „Solch eine Sache wie bei der SG Sorga/Kathus wird es in meinem Leben nicht mehr geben. Das weiß ich.“
Von Walter Kell



























