Bereits um zehn Uhr stand die mit vielen Stars gespickte Mannschaft der Südhessinnen wieder auf dem Trainingsplatz. Der Regen hatte jetzt aufgehört, ganz vorsichtig klopfte auch die Sonne an den grauen Himmel über dem Stadion der SG Hessen Hersfeld an der Oberau.
Seit Mittwoch ist der sogenannte „Hessenplatz“ für eine Woche die zweite Heimat des FFC. Der Club von Trainer Sven Kahlert hat sich auf Initiative von SMOG, dem Verein „Schule machen ohne Gewalt“, für ein Trainingslager in der Festspielstadt entschieden. Und das ist ein ziemlicher Hammer.
Denn der Kader des siebenmaligen Deutschen Meisters, achtfachen DFB-Pokalsiegers und dreifachen Uefa-Cup-Siegers liest sich wie das „Who-is-who“ (wer ist wer) des Deutschen Frauenfußballs. Mit Nadine Angerer, Saskia Bartusiak, Babett Peter, Bianca Schmidt, Melanie Behringer, Kerstin Garefrekes, Simone Laudehr, Sandra Smisek und Lira Bajramaj – um nur einige Namen zu nennen – tummeln sich eine ganze Reihe aktueller und ehemaliger Nationalspielerinnen im Team. Der 1.FFC Frankfurt, soviel steht fest, ist das Bayern München des Frauenfußballs.
Unter großem Druck
Und deshalb steht die Mannschaft auch unter einem immensen Druck. Der ist durch die spektakulären Verpflichtungen der Nationalspielerinnen Laudehr, Peter und Schmidt, sowie der französischen Nationalspielerin Sandrine Bretigny vor der kommenden Saison noch stärker geworden. „Wir müssen uns diesem Druck stellen. Wir können uns mit diesem Team ja nicht hinstellen und sagen, wir wollen nicht um Titel, sondern um Platz fünf spielen“, sagt beispielsweise Nationalspielerin Saskia Bartusiak, deren Großeltern in Bad Hersfeld lebten und deren Vater in der Kurstadt aufgewachsen ist. Ihre ersten Eindrücke vom Trainingslager in der „alten Heimat“? „Bestens. Uns geht’s supergut hier“, sagt sie.
Das bestätigt auch Trainer Kahlert. „Einfach nur geil“, ist seine spontane Reaktion. Und dann sagt er: „Man liest uns hier bislang jeden Wunsch von den Augen ab.“ Dass man von ihm und seiner Mannschaft nach zuletzt Platz drei in der Liga, sowie den Vize-Titeln in der Champions League und dem DFB-Pokal in dieser Saison Titel erwartet, ist ihm klar. Kahlert sagt aber auch: „Ich finde nicht, dass wir eine schlechte Saison gespielt haben, weil wir nichts gewonnen haben.“ Das könne man nicht so einfach stehen lassen.
In Bad Hersfeld wird er mit seinem Team vor allem im taktischen Bereich arbeiten. Dazu kommen die beiden Testspiele gegen die hessische Polizeiauswahl (heute, siehe Hintergrund) sowie am Sonntag gegen den spanischen Meister FC Barcelona (11 Uhr im Stadion Johannesau). Und sonst? Möglicherweise sei ein Besuch des wortreichs geplant, auch gegen einen Stadtbummel habe er nichts einzuwenden. „Sie sind alle professionell genug – da müssen wir keine Vorschriften machen“, sagt Kahlert. Und außerdem klingelt der Wecker ja immer verdammt früh.
Von Sascha Herrmann



























