Die Dauer-Party ist erst mal vorbei. Usain Bolt läuft wieder, tönt wieder und kassiert für seine olympischen Großtaten so richtig ab. 300 000 Franken (250 000 Euro) Antrittsgage soll dem Superstar aus Jamaika allein sein Start über 200 Meter beim elften Diamond League-Meeting dieser Saison an diesem Donnerstag in Lausanne bringen. Für seinen ersten Auftritt nach London ließ der sechsmalige Olympiasieger sogar eine ausufernde Fete zu seinem 26. Geburtstag am Dienstag sausen.
„Die Millionendollar-Frage...Was ich an meinem Geburtstag gemacht habe? Hoffe, dieses Bild gibt die Antwort“, twitterte Bolt zu einem Foto, das ihn beim Training zeigt. Von wegen Birthday-Fete. Eine Übungseinheit, diverse Sponsorenverpflichtungen, ein Helikopterrundflug über die Waadtländer Alpen, ein ruhiges Essen, eine Riesentorte - das war's. Für die Macher des Athletissima-Meetings ist diese Einstellung selbstverständlich, für den schnellsten Mann der Welt etwas Neues.
Bolt wirkte am Mittwoch müde von der langen Saison, versprach den Zuschauern im Lausanner Pontaise Stadion aber noch „eine gute Show“. 19 Olympiasieger sind für die Athletissima gemeldet, 52 Medaillengewinner von London. Bolt ist die Hauptattraktion, sein Landsmann Yohan Blake und der Amerikaner Tyson Gay führen das illustre Feld über 100 Meter an. Das Duell Bolt gegen Blake wird es wahrscheinlich erst wieder Ende August 2013 bei der WM in Moskau geben. „Ich würde nicht sagen, wir gehen einander aus dem Weg, aber wir wollen bis zum Ende dieser Saison nicht mehr gegeneinander laufen“, offenbarte Bolt, „unser Trainer möchte das auch nicht.“
Nach Lausanne will er noch kommende Woche in Zürich und beim Saisonfinale am 7. September in Brüssel antreten. Eine Weltrekord- Ansage machte er nicht. „Ich habe meine Ziele für diese Saison doch schon erreicht“, meinte die selbst ernannte Sport-Legende. Belohnt hatte er sich für seine olympische Gold-Gala mit einem Kurz-Abstecher nach Paris. Zwei Tage lang feierte er ausgiebig in der Metropole an der Seine, sondierte danach Anfragen und strickte an der Promotionstrategie für seine Autobiografie. Warum das Buch ein Bestseller werden würde? „Es ist mein Leben, und ich bin ein cooler und aufregender Typ“, sagte Bolt.
In seiner Heimat wurde in den vergangenen Tagen immer wieder die Frage diskutiert, ob Bolt oder Reggae-Legende Bob Marley wichtiger seien für die Geschichte der Karibikinsel. Die Zeitung „Jamaica Gleaner“ nannte Bolt am Mittwoch „einen Botschafter Jamaikas mit der Würde eines erfahrenen Diplomaten“. Marley habe den Benachteiligten eingetrichtert, für ihre Rechte zu kämpfen. Bolt würde dafür die Jugendlichen weltweit auffordern, die eigene Großartigkeit zu leben. Auch zu dieser Frage hatte sich Bolt bereits positioniert: Marley und er seien in der Historie seines Landes gleichwichtig.
dpa





