Der Welt- und Europameister gewann das 120 Minuten lang torlose Bruderduell gegen den renitenten Nachbarn mit 4:2 beim Shootout vom Punkt und kann damit am Sonntag im Endspiel der EM als erste Mannschaft EM, WM und EM in direkter Folge gewinnen.
Spanien greift zum vierten Mal nach dem europäischen Titel, der Gegner im Olympiastadion von Kiew wird Deutschland oder Italien sein. Spanien durfte sich bei seinem Mannschaftskapitän Iker Casillas bedanken - und hatte außerdem Glück: Bruno Alves verschoss einen zweiten Elfmeter für Portugal - anschließend traf Cesc Fabregas. Zuvor waren Xabi Alonso für Spanien und Joao Moutinho für Portugal gescheitert. Es hätte auch schon in der Verlängerung zu Ende sein können. Doch Andres Iniesta, Schütze des Siegtreffers im WM-Finale gegen die Niederlande (1:0 n.V.), scheiterte in der Verlängerung am glänzend reagierende portugiesischen Torhüter Rui Patricio (104.). Bis dahin waren hochkarätige Chancen Mangelware geblieben.
Dynamit und Furien: Die Spitznamen der 16 EM-Teams
Spanien hat nun im neunten K.o.-Spiel bei einem Turnier „zu Null“ gespielt. Spanien sei sein „Favorit, aber man weiß ja nie“, hatte „Kaiser“ Franz Beckenbauer kurz vor dem Anpfiff getwittert. Da schwang nur wenig Hoffnung mit, dass Portugal im Gegensatz zu Frankreich dem „Tiki Taka“ etwas entgegenzusetzen haben würde. Doch die Seleccao schlug sich gut. Vier Mann standen den Spaniern vorne auf den Füßen, es dauerte erstaunliche sechseinhalb Minuten, bis Jordi Alba den 21. Pass des Titelverteidigers an den Mann brachte. Es war der 3000. Spaniens im Turnier, ein herausragender Wert. Die sehr mutige, forsche Spielweise der Portugiesen hatte für Spaniens Ballkünstler den Vorteil, dass sich einige Räume öffneten, sobald das Pressing überwunden war. Diese Räume aber waren schnell wieder zu.
Erstaunlich oft war der Europameister von 1964 und 2008 gezwungen, Verlegenheitspässe oder lange Bälle zu spielen, sogar Weitschüsse waren plötzlich im Repertoire - ein klein wenig wirkte die „Furia Roja“ doch irritiert. Die Gelegenheiten zum Torschuss waren selten. Alvaro Arbeloa, einer von sieben Spielern des spanischen Meisters Real Madrid auf dem Feld, bekam früh den Ball gutserviert, schoss jedoch mit dem Außenrist knapp über das Tor (9.). Iniesta zirkelte aus bester Position ebenfalls etwas zu hoch (29.). Ronaldo zog zwei Freistöße aus bekannter John-Wayne-Pose ab (73. und 84), doch der Ball senkte sich jeweils zu spät und ging über das Tor.
Ronaldo, darin waren sich die Spanier einig, war der Mann, den es auszuschalten galt. Das gelang nicht immer. In der 13. Minute reichte auch ein vierköpfiger „Geleitschutz“ nicht, Ronaldo kam zum Flanken, doch Torhüter Iker Casillas war da. Nach einer halben Stunde hätte Ronaldo mit einem Flachschuss aus 16 Metern beinahe das 1:0 erzielt. Er blieb stets engagiert, er kämpfte - ein starker Auftritt. Glück im Abschluss hatte er allerdings nicht. Die Spanier waren im Gedenken an Miki Roque mit Trauerflor aufgelaufen. Der Profi von Betis Sevilla war im Alter von nur 23 Jahren an Krebs gestorben.
SID























