"Prometheus": Demontage der eigenen Schöpfung

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    • 09.08.12
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"Prometheus": Demontage der eigenen Schöpfung

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Ridley Scotts „Alien“-Vorspiel „Prometheus“ leidet darunter, von Anfang an gewichtig sein zu wollen. Lesen Sie hier die Kritik zum Film der Woche.

© 20th Century fox

Im Raumschiff „Prometheus“ macht sich Androide David (Michael Fassbender) auf ins All. Er will zusammen mit anderen herausfinden, nach welchem Vorbild die Menschheit geschaffen wurde.

„Alien“ wollte einst nicht mehr sein als ein Monster-Film, ein Spukhaus-im-Weltraum-Spektakel. Er wurde (gerade deshalb) ein Meisterwerk, ein moderner Klassiker. Wegweisend in Sachen Design, Stil und der Rolle von Frauen im Genre-Kino – sowie Grundlage für ein Film-Universum, das immer wieder anders, immer wieder neu in Action- und Horrorgewand um unterschwellige Zentral-Themen wie Körperängste, Androiden oder Mutterschaft kreiste. Jetzt kehrt Schöpfer Ridley Scott in diesen Kosmos zurück, um ihm einen Ursprungsmythos zu geben. Und zäumt den Sonnenwagen von hinten auf: Bevor „Prometheus“ (schon der Titel ist prätentiös) etwas zu erzählen hat, steht schon der Entschluss, gewichtig zu dozieren: über den Ursprung der Menschheit und der Existenz eines – oder mehrerer – Schöpfer. Wegen dieser substanzfreien Bedeutungshuberei aber ist der Film nicht mehr geworden als ein B-Picture mit inflationärem Budget.

„Prometheus“ folgt einer Weltraumexpedition Ende des 21. Jahrhunderts, die irdische archäologische Entdeckungen als Wegweiser nimmt zu einem fernen Planeten, in der Hoffnung, dabei der Einladung unserer außerirdischen Schöpfer zu folgen. Tatsächlich findet man dort Spuren einer kosmischen Rasse, die „exakt unsere DNA hat“ (aber mirakulöserweise nicht aussieht wie wir), aber auch einen Laderaum voll Proto-Aliens an Bord hat.

Das Film-Grundproblem hat einen Namen: Damon Lindelof. Der Autor hat mit der Fernsehserie „Lost“ bewiesen, dass er gut darin ist, scheinbar gewichtige Themen und profunde philosophische Rätsel aufs Tablett zu hieven. Um am Ende zu offenbaren, dass da nie mehr war als Fassade, heiße Luft. „Prometheus“ treibt das auf die Spitze. Es gibt fast keine einzige Szene, die nicht zugleich in sich, im Zusammenhang des Films, in Bezug auf den „Alien“-Kanon und erst recht als Diskussionsbeitrag zu Schöpfungsfragen grober, widersprüchlicher, löchrigster Unfug wäre. Was um so ärgerlicher ist, als sich der Film latent auf Seiten esoterisch-religiösen Glaubens schlägt, ohne in seiner Darstellung von Wissenschaft im Allgemeinen und Evolution im Besonderen auch nur elementarstes Grundschul-Verständnis zu erreichen.

Freilich hat Ridley Scott nicht jeden Funken verloren: Es gibt visuell eindrucksvolle Szenen. Es gibt schöne Ideen wie die anfängliche „Lawrence von Arabien“-Obsession des Androiden David (großartig Michael Fassbender). Aber wo „Alien“ die zwingende Logik eines Albtraums hatte, wirkt „Prometheus“ wie ein Zettelkasten voller nicht weiterverfolgter Ansätze. Das alles würde man wohl mit einem Lächeln hinnehmen, ginge es um einen beliebigen Direct-to-DVD-Streifen. Ridley Scotts Rückkehr zu „Alien“ aber muss mehr sein. Gerade die aufblitzenden Momente von Können erinnern dran, was hier an Versprechen und Potenzial verraten wurde. Es ist, als käme ein Gott in sein Universum zurück – um seine Schöpfung selbst zu demontieren. (In München: Mathäser, Cinemaxx, Royal, Leopold, Autokino, Cinema, Museum Lichtspiele, Gabriel.)

Thomas Willmann

„Prometheus“

Regie: Ridley Scott

mit Michael Fassbender

Annehmbar

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie Erich von Däniken und „Lost“ mochten.

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