Wenn die Sonnenstunden nicht mehr ausreichen für lange Strandtage, dann gilt auf Mallorca eine Zeitrechnung jenseits des Bräunungsgrades. Reiseredakteurin Christine Hinkofer hat die Wintertauglichkeit der Baleareninsel mit einer Gruppe von Lesern getestet.

© C. Hinkofer
Viel Freiraum: So erleben die Sommerurlauber den Strand von Paguera wohl selten.
Wenn die Sonnenstunden nicht mehr ausreichen für lange Strandtage, dann gilt auf Mallorca eine Zeitrechnung jenseits des Bräunungsgrades. Reiseredakteurin Christine Hinkofer hat die Wintertauglichkeit der Baleareninsel mit einer Gruppe von Lesern getestet.
Paguera im Februar 2011
„Füße gerade, Zehenspitzen nach vorn, locker in die Knie!“ kommandiert Uwe seine morgendliche Qi-Gong-Gruppe. Er gehört zum Team, das uns hier auf Mallorca Beine macht. Wir tanzen nach seiner Pfeife.
Warum wir uns für diesen Fitness-Urlaub ausgerechnet Paguera ausgesucht haben, diesen noch erfreulich normalen Urlaubsort genau in der Mitte zwischen dem Millionärshügel von Port Andratx und dem Betonsilo-Moloch Santa Ponsa, dafür gibt es gute Gründe.
Der erste hat mit dem Wetter zu tun. Hier unten im Südwesten, an den Ausläufern des Tramuntana-Gebirges, bekommt die spanische Ferieninsel von der europäischen Winterkälte besonders wenig ab und von den Sonnentagen besonders viele. Gut 20 Grad hatte es bei unserer Ankunft an einem Freitag im Februar, T-Shirt-Wetter, in den Strandcafés, die auch um diese Jahreszeit alle geöffnet haben, sitzen die Menschen ärmelfrei.
Der zweite Grund hängt mit der Infrastruktur zusammen. In einer guten halben Stunde ist man von Paguera mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Zentrum der Hauptstadt Palma. Der 102er Bus fährt stündlich, mit Haltestellen beinahe vor jedem Hotel. Das ist natürlich ein Argument für Winterurlauber, die rumkommen wollen.
Womit wir beim dritten Argument wären, das Paguera zum idealen Standort für Winterurlauber macht. Der ganze Ort, Hoteliers, Fremdenverkehrsorganisationen und Gastwirte leisten zusammen ihren Beitrag, um ihn mit attraktiven Rahmenprogrammen (die fast ausschließlich kostenfrei angeboten werden) zu beleben. Konzerte, Ausflüge, Marktbesuche in Andratx und Sineu, Weinprobe in Santa Catarina – alles drin, alles dran. Das zieht. „Wir sind schon den vierten Winter hier und haben noch immer nicht alles gesehen“, erzählt mir ein Ehepaar am Frühstückstisch. Sie wollen unbedingt wiederkommen.
Natürlich: Auch ein Winter auf Mallorca kann sehr launisch sein. Das laue Frühlingslüftchen verwandelt sich manchmal, so schnell kann man die dicken Pullover gar nicht aus dem Koffer ziehen, in einen eisigen Tramuntana-Wind, der durch Mark und Bein geht. Davon konnte Frederic Chopin, der mit seiner Freundin George Sand samt Piano im November 1838 angereist war und in der Karthause von Valldemossa komponierte (unter anderem die Regentropfen-Prelude), ein Lied singen. Wir heute auch.
Es gibt Menschen, die bleiben auf Mallorca einen ganzen Winter lang. Wir leider nur eine kurze Woche. „Plong!“, das ist mein Rollenkoffer, den ich an einem Freitagmorgen am Flughafen von Palma aufs Band setze. Federleicht fühlt er sich an, schließlich ist der Schweinehund draußen und konditionsmäßig habe ich in dieser sportlichen Woche auf Mallorca eine ganze Menge zugelegt.
Ja, und der Frühling, der hat sich zu unserem Abschied auch wieder blicken lassen auf der Mittelmeerinsel, die alles kann, nur eines nicht: In den Winterschlaf fallen.
REISEZIEL Mallorca ist die größte der Baleareninseln. Sie liegt im Mittelmeer, etwa auf Höhe von Sardinien oder dem Norden Siziliens. Unter anderem wegen der zahlreichen guten Flugverbindungen ist Mallorca zum Ganzjahresziel geworden. Paguera im Südwesten der Insel ist wegen seiner guten Anbindung nach Palma und wegen der vielen Aktivitäten, die Hoteliers und Gemeinde anbieten, ein ideales Ziel für Winterflüchtlinge auf Mallorca.
ANREISE Auch im Winter fliegen Condor, Air Berlin, Tuifly oder die Lufthansa mehrmals täglich von München nach Mallorca. Ab ca. 200 Euro.
SEHENSWERT Palma, Altstadt, Kathedrale und Markthalle. Wochenmärkte in Andratx, Santanyi oder Sineu, Karthause von Valldemossa, Gärten von Alfabia. Ausflüge werden z.T. vom Hotel angeboten (gegen Gebühr), können aber auch über das Veranstaltungsprogramm der Gemeinde gebucht werden und sind in diesem Rahmen meist kostenlos.
WOHNEN Unsere Lesergruppe war im Hotel Valentin Reina Paguera eingebucht. Das Hotel liegt in einer ruhigen Seitenstraße, zum Strand und zur Uferpromenade sind es fünf Gehminuten. Sieben Nächte mit Halbpension im DZ inklusive Flug ab München im Winter ab 417 Euro; über TUI. Achtung: Zimmer im Haupthaus buchen, das Nebengebäude hat keinen Meerblick!
WEITERE INFOS über das Tourismusbüro der Gemeinde Calvia (zu der Paguera gehört), Tel. 0034/971-13911900 oder 132762, Internet: www.visitcalvia.com.
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