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Tel Aviv will zum Amsterdam des Nahen Ostens werden

Tel Aviv wird zum Fahrradparadies

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Tel Aviv - Tel Aviv sieht grün. Froschgrün. Immer mehr schicke grüne Mietfahrräder aus Deutschland bestimmen das Stadtbild der israelischen Mittelmeer-Metropole. Wird Tel Aviv das Amsterdam des Nahen Ostens?

© dpa

Schicke grüne Mieträder aus Deutschland sind anjeder Straßenecke zu sehen. Viele Israelis satteln auf den Drahtesel um, weil sie so dem täglichen Verkehrschaos entfliehen können.

Die israelische Küstenstadt Tel Aviv wird immer mehr zum Fahrradparadies. Schicke grüne Mieträder aus Deutschland sind an jeder Straßenecke zu sehen. Viele Israelis satteln auf den Drahtesel um, weil sie so dem täglichen Verkehrschaos entfliehen können.

Service-Stationen, an denen man die Räder mieten und zurückgeben kann, sprießen wie Pilze aus dem Boden - heute sind es in der ganzen Stadt schon mehr als 130. “Wir sind noch nicht Amsterdam, aber wir kommen dorthin“, beschrieb der Tel Aviver Bürgermeister Ron Chuldai im Sommer seine ehrgeizigen Pläne. Die knallgrünen Verleihräder stammen aus Deutschland - geliefert von dem ostwestfälischen Fahrradhersteller Pantherwerke AG.

Das auch für Touristen gedachte Projekt stößt bei vielen Einwohnern der am dichtesten besiedelten Stadt Israels auf Begeisterung. Esra Churi hat sich kürzlich ein Jahresabonnement gekauft. “Es ist so ein tolles Verkehrsmittel“, schwärmt der 63-Jährige. Die Verwendung sei sehr bequem. “Ich muss mir keine Sorgen machen, ob man mir das Fahrrad klaut, weil ich es immer gleich an die nahe gelegene Station zurückbringe.“ Er fahre damit zum Einkaufen auf dem Markt und sogar auf dem Weg zum Flughafen bis zur Bahnstation.

Vor 20 Jahren galt man noch als etwas lebensmüde, wenn man sich auf dem Fahrrad in den wuseligen Tel Aviver Straßenverkehr wagte. Nach aufwendigen Infrastrukturarbeiten in den letzten Jahren gibt es aber inzwischen auf den zentralen Straßen gekennzeichnete Radwege. “Wir haben schon etwa 1500 Fahrräder in Betrieb“, erklärte ein Sprecher der Stadt. “Damit ist das Stadtgebiet weitgehend abgedeckt.“

Das sonnige Tel Aviv, mit gut 400 000 Einwohnern Israels zweitgrößte Stadt nach Jerusalem, ist wie geschaffen für Radfahrer. Mit einem Durchschnittsalter von 34 Jahren ist es eine junge Stadt - auch viele Kinder sind auf zwei Rädern unterwegs. Das Wetter ist fast das ganze Jahr lang freundlich, nur in den heißen Sommermonaten Juli und August kommt man auf dem Rad sehr schnell ins Schwitzen. Um nicht mit durchnässtem Hemd bei der Arbeit anzukommen, sind deshalb vor allem viele Geschäftsleute mit elektrischem Fahrrad oder Roller unterwegs.

Obwohl der Name Tel Aviv auf Deutsch “Frühlingshügel“ bedeutet, ist die Finanzmetropole eher flach und kaum hügelig. Die Temperaturen sinken nie unter den Nullpunkt und für viele sonnenverwöhnte “Tel Avivis“ ist es schon richtig winterlich, wenn das Thermometer 15 Grad zeigt. Echten Schnee gab es zum letzten Mal 1950.

Während der Hauptverkehrszeiten stehen entnervte Autofahrer im Großraum Tel Aviv regelmäßig im Stau - während die Radfahrer entspannt vorbeiradeln können. Ein Tagesabo für die Mieträder kostet während der Woche 14 Schekel (etwas mehr als zwei Euro), am Wochenende 20 Schekel (vier Euro). Hinzu kommen Nutzungskosten je nach Dauer der Radtour, die erste halbe Stunde ist gratis. Wer den Fahrrad-Service ein Jahr lang nutzen will, muss eine Grundgebühr von 280 Schekel (56 Euro) zahlen, für Einwohner Tel Avivs sind es 40 Schekel weniger. Ein Monat kostet 60 Schekel - gut zwölf Euro.

Doch es gibt auch Ärger im Fahrradparadies: Manche der Radwege enden abrupt, manchmal steht plötzlich eine Busstation im Wege. Außerdem sind viele Fußgänger undiszipliniert und gehen auf den Radwegen, ohne sich umzusehen. “Ich hoffe, dass die Fußgänger noch lernen, mehr auf die Radfahrer Rücksicht zu nehmen“, sagt Churi.

dpa

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