Wenn das alte Jahr dem neuen die Hand gibt, schauen wir von der Erde hinauf in den Himmel und schicken Leuchtzeichen. Es gibt aber auch Menschen, die schauen von da oben hinunter auf die Erde...

© Lufthansa
Rund um die Uhr im Dienst: An Silvester im Dienst: Für das Flugpersonal ist das ganz normal. Alle Jahre wieder trifft es sie turnusmäßig.
...weil sie in diesem Augenblick in einem Flieger sitzen, irgendwo zwischen den Kontinenten, auf dem Weg von A nach B. Sieben Flüge, sieben Ziele, sieben Geschichten, wie Passagiere und Besatzung Silvester über den Wolken erleben:
263 Passagiere und acht Crewmitlieder erleben Silvester in der Maschine der Air Berlin mit der Flugnummer AB 7211 auf ihrem Weg von Miami nach Berlin. Wenn das Jahr wechselt, werden sie sich gerade über dem Atlantik in der Nähe der Bermudas befinden, genau genommen auf den Koordinaten N28°21‘40.08“ WO67°31‘42.68“. An Bord wird es ein Glas Sekt geben und eine nette Ansage vom Kapitän.
Was das eigentlich für Leute sind, die zwischen den Jahren irgendwo da oben zwischen den Kontinenten herumfliegen? „Größtenteils Urlauber“, meint Air-Berlin-Sprecher Andreas Burkhardt. Oder Menschen der Kategorie, die man in der Luftfahrt-Sprache mit „VFR“ abkürzt, was soviel heißt wie: Visiting Friends and Relatives – Verwandtenbesucher also. Flug AB 7211 landet im neuen Jahr planmäßig um 9.30 Uhr in Berlin. Die Verwandten werden schon am Ausgang stehen.
Sollten Chinesen an Bord sein, dürften die das Silvester-Ritual allerdings eher unbeteiligt beobachten. Das chinesische Neujahrsfest fällt 2012, im Jahr des Drachen, auf den 23. Januar.
Hirschgulasch mit Blaukraut und Knödel steht auf der Speisekarte, und die 180 Urlauber, die am 31. Dezember mit Tuifly von der Kanareninsel Fuerteventura zurück nach Hannover fliegen, werden sich vielleicht freuen, doch noch ein bisschen kulinarische Weihnachtsstimmung mitzukriegen. Im Bordkino läuft „Die große Chance“ mit Sandra Bullock in der Hauptrolle. Ungefähr über dem Ruhrgebiet wird die Maschine an Mitternacht sein und es bleiben gerade noch ein paar Minuten, um ganz schnell mit einem Glas Sekt anzustoßen. Denn um 0.35 Uhr landet Flug X3 2149 schon auf dem Flughafen von Hannover. Willkommen daheim – und in einem neuen Jahr.
Es ist die Reise ans andere Ende der Welt. 26 Stunden und 40 Minuten ist die Boeing 777-300 der Air New Zealand von London Heathrow via Los Angeles nach Auckland auf der neuseeländischen Nordinsel unterwegs. Genug Zeit, um die 338 Passagiere schon mal einzustimmen.
Im Bordprogramm läuft Kiwi-Musik, es gibt neuseeländischen Wein und um Mitternacht, wenn sich die Maschine gerade über dem Gods Lake in der kanadischen Provinz Manitoba befindet, wird mit neuseeländischem Sekt angestoßen. Einer der Crew-mitglieder ist First Officer Paul Clayton (52), der sagt: „Solche Silvesterflüge sind Teil meines Jobs, seitdem ich bei Air New Zealand angefangen habe. Ein gutes neues Jahr werde ich den Passagieren auch erst gegen Morgen wünschen. Erfahrungsgemäß schlafen die meisten um Mitternacht.“
Business as usual: „Silvester wird thematisch oder servicetechnisch nicht besonders aufgegriffen“, sagt ein Sprecher der arabischen Fluglinie Emirates, und wer auf dem Flug EK 52, der am 31. Dezember um 21.40 Uhr in München in Richtung Dubai startet, auf Silvester anstoßen will, muss sich sein Glas Sekt schon extra bestellen.
Schade, dass es nicht der Airbus A380 ist, der über den Jahreswechsel hinweg in die arabischen Emirate fliegt. Denn der hätte eine Bar an Bord. Der Supervogel aber ist auf dem Nachmittagsflug eingesetzt und landet schon vor dem Jahreswechsel am Golf.
Christine Hinkofer



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