Westerwelle zu Besuch in Afghanistan

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Außenminister Guido Westerwelle beim Treffen mit Pakistans Premierminister Yusuf Raza Gilani in Islamabad.

Kabul - Außenminister Guido Westerwelle ist am Sonntag zu einem Besuch in Afghanistan eingetroffen. Unter anderem steht ein Treffen mit Präsident Hamid Karsai auf dem Programm.

Auf die erste Auslandsreise im neuen Jahr hatte sich Guido Westerwelle gefreut: Afghanistan und Pakistan im Doppelpack. Oder auch “AfPak“, wie die Nachbarstaaten im Krisenjargon der Diplomaten heißen. Endlich Gelegenheit zu beweisen, dass die Arbeit aus mehr besteht als dem ewigen Streit um den Zustand der FDP. Aber Westerwelle hatte wieder einmal Pech: Es kam dann doch ganz anders als gedacht.

Denn unter gar keinen Umständen hätte sich der Außenminister träumen lassen, dass er sich kurz nach dem FDP-Dreikönigstreffen auf einer schlecht geteerten Autobahn in der pakistanischen Provinz wiederfinden könnte. In einem klapprigen Kleinbus Baujahr 1994, der vermutlich niemals einen deutschen TÜV bestehen würde, und nur mit einigen Butterkeksen als Wegzehrung für sechs Stunden Fahrt. Schuld daran war das Wetter. Auf dem Hauptstadt-Flughafen von Islamabad war der Nebel am Samstag so dicht, dass an eine Landung nicht zu denken war. 800 Meter Sicht hätte man gebraucht. 20 Meter waren es. Deshalb blieb nichts anderes übrig, als mit dem Regierungs- Airbus “Theodor Heuss“ ins fast 400 Kilometer entfernte Lahore auszuweichen. Und der Nebel hing fest. Nach drei Stunden Warten machte man sich auf den Landweg. Westerwelle, seit Wochen an Ärger gewöhnt, fügte sich einigermaßen gelassen in sein Schicksal. “Man sieht durch eine solche Fahrt ja auch etwas vom Land.“

Viel war es dann aber nicht, was er zu sehen bekam. Ein Kricket-Spiel am Straßenrand, ein Stopp an der Tankstelle und einige Zwangspausen, weil Eselskarren oder völlig überladene Lastwagen den Weg versperrten. Nach etwas mehr als halber Strecke durfte der Minister wenigstens in eine Limousine umsteigen. Dort gab es endlich auch ein Lunch-Paket. Islamabad war da schon aufs Minimalprogramm zusammengeschrumpft. Der Besuch bei einem Hilfsprojekt für die Opfer der jüngsten Flutkatastrophe fiel aus.

Aber immerhin blieb es bei den Treffen mit Premierminister Yousaf Raza Gilani und den wichtigen Militärs. Immer wieder unterstrich Westerwelle, wie wichtig Stabilität im Atombombenstaat Pakistan auch für den Nachbarn Afghanistan sei. Nicht nur, weil sich im “AfPak“-Grenzgebiet so viele islamistische Extremisten aufhalten. Am Sonntag war der Nebel dann verschwunden, so dass der FDP-Chef wie geplant mit einer Transall der Bundeswehr nach Kabul weiterfliegen konnte. Aus Sicherheitsgründen dürfen normale deutsche Regierungsflugzeuge dort immer noch nicht landen.

Dass Gäste aus Berlin seit einer Weile einen Bogen um die Hauptstadt machen, hängt aber auch mit der Unzufriedenheit über die Regierung von Präsident Hamid Karsai zusammen. Der damalige Bundespräsident Horst Köhler, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) - sie alle beließen es im letzten Jahr bei Aufenthalten in Feldlagern der Bundeswehr. Der Außenminister nicht. Für ihn gab es das komplette Kabul-Programm - Treffen mit Karsai, Außenminister, Sicherheitsberater.

Westerwelle betonte damit, wie viel ihm an einer “politischen Lösung“ liegt und an guter Regierungsführung. Natürlich spielte aber auch das neue Mandat für den Afghanistan- Einsatz der Bundeswehr eine Rolle. Am Mittwoch wird das schwarz-gelbe Kabinett darüber entscheiden, Ende des Monats der Bundestag. Als Termin für den Abzug der ersten von derzeit bis zu 5350 deutschen Soldaten wird darin Ende 2011 genannt - “soweit die Lage dies erlaubt“. Westerwelle hofft, damit auch weite Teile der SPD-Opposition überzeugen zu können. Dazu wich er in Kabul auch ein wenig vom diplomatischen Sprachgebrauch ab, indem er betonte: “Ich bin überzeugt davon, dass unsere Haltung von einer sehr großen Mehrheit des Bundestags getragen wird.“

dpa

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