Nach Vorwürfen von Berliner Abgeordneter

Unions-Frauen fordern offene Sexismus-Debatte

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Die Berliner CDU-Politikerin Jenna Behrends  hat Sexismus-Vorwürfe gegen ihre Partei erhoben und damit eine breite Debatte angestoßen.

Berlin - Angesichts der Sexismus-Vorwürfe in der Berliner CDU werden bei der Union Warnungen laut, die Angelegenheit nicht unter den Teppich zu kehren.

Die Debatte müsse in der Partei offen geführt werden, sagte die Vorsitzende der Gruppe der Frauen in der Unionsfraktion, Karin Maag (CDU) am Montag der AFP. Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) ermunterte betroffene Frauen, das Thema offen anzusprechen.

"Ich wünsche mir, dass solche verbalen Belästigungen nicht unter den Tisch fallen", sagte Maag. Das Thema zu verschweigen, wäre einer offenen Parteikultur abträglich. Zudem habe die CDU als Partei eine Art Vorbildfunktion. Zwar gebe es in der CDU nicht mehr und nicht weniger Sexismus als im Durchschnitt der Gesellschaft. "Aber wir wollen ja mit einer guten Parteikultur voraus gehen", sagte sie.

Maag räumte ein, dass es mitunter schwierig sei, zwischen womöglich strafbarer sexueller Belästigung auf der einen und unangemessenen oder unerwünschten Bemerkungen auf der anderen Seite zu unterscheiden. Unterbunden werden müsse beides. Eine offene Debatte könne dazu beitragen, dass der ein oder andere Spruch gar nicht erst falle, sagte Maag. "Wir wollen ja auch die dumme, taktlose Äußerung verhindern." Die Abgeordnete kündigte an, das Thema Sexismus über die Frauen Union in der CDU zur Sprache zu bringen.

Berliner CDU-Landeschef Henkel zu Gespräch bereit  

Maag äußerte die Hoffnung, dass sich gerade jüngere Frauen durch solche Berichte wie den der Berliner CDU-Politikerin Jenna Behrends nicht abschrecken ließen. Diese hatte am Freitag einen offenen Brief veröffentlicht, in dem sie ihrer Partei Sexismus und Verleumdungen vorwirft. Der von ihr in diesem Zusammenhang genannte CDU-Landeschef Frank Henkel hat sich inzwischen zu einem Gespräch bereit erklärt.

Behrends hatte auf der Online-Plattform "Edition F" unter anderem geschrieben, der Senator habe sie eine "große süße Maus" genannt und einen Kollegen gefragt: "Fickst du die?"

Auch die Unionsfraktions-Vizechefin im Bundestag, Nadine Schön, sprach sich für eine gesamtgesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema aus. Sexismus dürfe nicht nur innerhalb der Politik diskutiert werden, sagte sie im Deutschlandfunk.

Ministerin Schwesig: Viele Frauen erleben Sexismus  

Schwesig erklärte, viele Frauen erlebten Sexismus im Alltag und am Arbeitsplatz. "Es ist gut und mutig wenn Frauen das offen ansprechen. Denn nur so werde das Bewusstsein dafür geschaffen, dass sexistische Sprüche und sogenannte Herrenwitze nicht nur altmodisch, sondern völlig inakzeptabel seien. "Wo Frauen in unserer Gesellschaft immer noch herabgewürdigt werden, trifft das auf klare Ablehnung der Bundesregierung", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin.

Die Grünen-Frauen-Expertin Ulle Schauws forderte mehr Anlaufstellen und Ansprechpartner für die Betroffenen. "In der Politik wie im alltäglichen Leben ist aber noch etwas anderes erforderlich, nämlich Haltung", erklärte sie. "Jeder und jede Einzelne ist gefragt, bei sexistischen Witzeleien und Sprüchen klar und deutlich Stellung zu beziehen."

AFP

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