Friedhöfe sollen ausgebaut werden

Mehr Platz für muslimische Gräber

+
Der Islamische Friedhof in Berlin-Neukölln

Berlin - Die Türkische Gemeinde in Deutschland fordert mehr Platz für muslimische Gräber auf den Friedhöfen. Städte und Kommunen sollen dafür nun entsprechende Vorkehrungen treffen.

Immer mehr Türken in Deutschland wollen hierzulande bestattet werden. Dafür muss aus Sicht der Türkischen Gemeinde mehr Platz geschaffen werden, wie deren Bundesvorsitzender Kenan Kolat der Nachrichtenagentur dpa sagte. Bundesländer und Kommunen sollten sich darauf einstellen, sonst könnte es Platzprobleme geben.

„Sie müssen Friedhöfe ausbauen und geeignete Flächen zur Verfügung stellen“, sagte Kolat. Eine räumliche Trennung zwischen Christen und Muslimen sei wichtig, doch ein „friedliches Nebeneinander“ sei unproblematisch und gängige Praxis. In Berlin schlug zuletzt der Bezirk Neukölln Alarm, weil es auf dem dortigen Bestattungsort für Muslime nur noch 50 Gräber gibt.

"Künftig wird es immer mehr muslimische Bestattungen geben"

„Es gibt noch die Tradition, Tote in die Türkei zu überführen und zu bestatten“, sagt Kolat. Das sei manchmal sogar preiswerter als eine Beerdigung in Deutschland. „Doch in Zukunft wird es hier immer mehr muslimische Bestattungen geben“, ist er überzeugt. Laut Kolat wollen Familien zunehmend die Gräber ihrer Verwandten in der Nähe haben, um sie regelmäßig besuchen zu können.

Laut Kolat sind in Niedersachsen und Baden-Württemberg schon gute Strukturen geschaffen. „An Runden Tischen werden solche Probleme mit muslimischen Verbänden und Geistlichen besprochen“, sagte Kolat.

Höherer Bedarf an muslimischen Gräbern erfreulich

Der stellvertretende Vorsitzende der Türkischen Gemeinde Rhein/Main, Atila Karabörklü, sagte der dpa, er gehe nicht davon aus, dass der bestehende Raum an Gräbern in Frankfurt in den kommenden Jahren ausreiche. „In den nächsten 5 bis 20 Jahren muss eine Strategie entwickelt werden. Bislang haben wir das mit der Stadt aber noch nicht diskutiert.“

Die Münchner Friedhofsverwaltung hat nach einem Engpass vor rund drei Jahren inzwischen mehr als 700 neue muslimische Grabstätten ausgewiesen. Grundsätzlich sei der höhere Bedarf erfreulich, sagte eine Sprecherin. „Das bedeutet, dass sie in unserer Gesellschaft angekommen sind.“

Muslime haben eigens angelegte Fläche nie genutzt

In Nürnberg gibt es laut Fikret Bilir, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib), auf einem abgetrennten Bereich des Südfriedhofs noch jahrelang genügend Platz.

Auch der Pressesprecher der Hamburger Friedhöfe, Lutz Rehkopf, sagte, in Hamburg gebe es die 10 zehn bis 15 Jahre genug Grabstellen. Vor etwa acht Jahren sei eigens eine große Fläche von vier Hektar für Muslime hinzugewonnen worden, auf der aber noch niemand beerdigt worden sei. „Bei der Konzeption wurden die muslimischen Gemeinden mit einbezogen, so dass die Fläche nach ihren Wünschen gestaltet wurde.“ Die Gräber seien alle nach Mekka ausgerichtet und es gebe zwei Einrichtungen für rituelle Waschungen.

dpa

Kommentare