Schluss mit Lustig: Gysi geht auf Lafontaine los

Berlin - Die Zeit wird knapp: Weniger als zwei Wochen vor den Vorstandswahlen verheddern sich die Linken immer tiefer im Streit um die künftige Parteispitze.

Ein Treffen der Kontrahenten Dietmar Bartsch und Oskar Lafontaine mit Parteichef Klaus Ernst endete am Sonntagabend ohne Durchbruch. Der Linksfraktionschef im Bundestag, Gregor Gysi, zeigte sich am Montag genervt und ging zum Angriff auf Lafontaine über. Bisher hatte Gysi Partei für Lafontaine ergriffen. Dieser stellt jedoch weitere Bedingungen für seine Kandidatur.

Gysi sagte angesichts der Weigerung Lafontaines, Bartsch als Bundesgeschäftsführer zu akzeptieren, könne niemand Bartsch verübeln, dass er nicht von seiner Kandidatur abrücke. Am Sonntagabend habe es keine Zusammenführung der unterschiedlichen Teile der Partei gegeben, kritisierte Gysi.

Oskar Lafontaine: Seine politischen Stationen

Oskar Lafontaine: Seine politischen Stationen

Ernst, Lafontaine und Bartsch hatten sich in einem Berliner Café getroffen und zwei Stunden gesprochen. Es ging darum, die Frage zu klären, wer die Linke künftig führt. Lafontaine will auf dem Parteitag am 2. und 3. Juni in Göttingen nur kandidieren, wenn Bartsch auf eine Kandidatur verzichtet. Bartsch hatte schon im November seine Kandidatur angemeldet.

Nach einem Bericht der “Ruhr Nachrichten“ stellt Lafontaine eine weitere Bedingung für seine Kandidatur. Demnach wolle er nur dann für die Spitzenkandidatur der Linken bei der Bundestagswahl zur Verfügung stehen, wenn er auch Parteivorsitzender werde, hieß es in Parteikreisen.

Derweil wies Lafontaines Lebensgefährtin, Parteivize Sahra Wagenknecht, alle Überlegungen zurück, sie und Bartsch könnten künftig in einer Doppelspitze die Linken anführen. “Ich glaube, dass eine solche Doppelspitze nicht die Probleme lösen kann, die wir haben und wir brauchen eine Spitze, die sie lösen kann“, sagte Wagenknecht am Montag in Berlin. Bartsch hatte am Wochenende eine Doppelspitze aus ihm und Wagenknecht ins Spiel gebracht. Wagenknecht kommentierte dies am Montag: “Ich bin immer beeindruckt über das Selbstbewusstsein von so manchem.“

Vorstandsmitglied fordert Einbindung von Reformflügel

Der stellvertretende Linke-Vorsitzende Heinz Bierbaum sprach sich derweil dafür aus, den Reformflügel um Bartsch in die künftige Parteiführung einzubinden. “Wir müssen noch vor dem Parteitag zu einer integrativen Lösung kommen“, sagte er der “Mitteldeutschen Zeitung“. “Und die Kräfte, für die Bartsch steht, müssen eingebunden werden - auch personell.“ Dabei solle man sich aber “nicht endgültig auf Namen festlegen“. Bierbaum zeigte sich sicher, dass es zu keiner Spaltung der Partei kommt. “Denn alle wissen, dass wir dann keine Chance haben - weder in Ost noch in West“, sagte er.

Sachsen-Anhalts Linken-Fraktionschef Wulf Gallert hat sich in der Führungsdebatte seiner Partei von Lafontaine enttäuscht gezeigt. Gallert sagte am Montag im Nachrichtenradio MDR info in Halle, Lafontaine und Wagenknecht hätten am Wochenende erklärt, die Linke habe nur ein Problem und das seien innerparteiliche Gegner, die vor allem im Osten säßen. “Das ist genau der Umgang mit der Partei, der uns in Göttingen und danach nicht weiterhilft, sondern die Krise weiter verschärft“, sagte er. In Göttingen findet Anfang Juni der Parteitag der Linken statt. Gallert fügte hinzu, die Linke habe seit 2009 die Hälfte ihrer Wähler und wahrscheinlich noch mehr Vertrauen in der Bevölkerung eingebüßt.

dapd

Rubriklistenbild: © dapd

Kommentare