SPD und Arbeitsexperten: Seehofer völlig daneben 

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BA-Chef Frank-Jürgen Weise kritisiert Ministerpräsident Seehofer

Berlin - Arbeitsmarktexperte Frank-Jürgen Weise und die SPD haben Horst Seehofers Aussagen über einen Zuzugsstopp für Araber und Türken als unrealistisch und überzogen kritisiert.

Der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Weise,  plädierte dafür, gezielt um hoch qualifizierte Zuwanderer zu werben - ohne die Herkunft zum Maßstab zu machen. CSU-Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich forderte dagegen, europäischen Fachkräften Vorrang zu geben, da sie “leichter integrierbar“ seien.

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Nach Überzeugung von Weise ist eine gesteuerte Einwanderung ausländischer Spitzenkräfte unumgänglich, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Die Forderung derUnion, entsprechendes Personal in erster Linie aus den bestehenden Langzeitarbeitslosen zu rekrutieren, bezeichnete der BA-Chef als unrealistisch. “Fachkräfte für sehr qualifizierte Jobs sind aus dieser Gruppe kaum zu gewinnen“, sagte Weise der “Süddeutschen Zeitung“ (Montag). Nötig sei stattdessen “eine gesteuerte Zuwanderung, etwa mit Hilfe eines Punktesystems wie in Kanada“. Der Arbeitsmarktexperte stellte sich damit hinter eine entsprechende Forderung der FDP. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) macht sich bereits seit längerem für ein Punktesystem nach kanadischem Vorbild stark.

SPD: Seehofer fällt Merkel in den Rücken

Auch die SPD kritisierte die Aussagen des CSU-Chefs: “Seehofer hat - wie so oft - überzogen“, sagte Fraktionsvize Joachim Poß am Montag vor der Sitzung des SPD-Bundespräsidiums in Stuttgart. Der CSU-Vorsitzende sei damit auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) “in den Rücken gefallen. Jetzt sollte Frau Merkel die Gelegenheit nehmen, um in den eigenen Reihen die Position zur Integration zu klären.“ Dies sei ein weiteres ungeklärtes Thema, das die schwarz-gelbe Koalition beschäftige.

Seehofer hatte gesagt, “dass sich Zuwanderer aus anderen Kulturkreisen wie aus der Türkei und arabischen Ländern insgesamt schwerer tun“ mit der Integration. Daraus ziehe er “den Schluss, dass wir keine zusätzliche Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen brauchen“.

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