SPD-OB in Karlsruhe: Neue Schlappe für CDU

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Frank Mentrup (SPD, l), bejubelt am Sonntag im Rathaus Karlsruhe (Baden-Württemberg) seinen Sieg bei der Oberbürgermeisterwahl. Er gewinnt die Wahl im ersten Wahlgang mit 55,25 Prozent. Rechts steht Nils Schmid (SPD), stellvertretender Ministerpräsident von Baden-Württemberg.

Karlsruhe - Karlsruhe geht an die SPD. Für die Südwest-CDU ist dies nach der Schlappe bei der OB-Wahl in Stuttgart der nächste Tiefschlag. Der ebenfalls gebeutelten Landes-SPD könnte der Erfolg Auftrieb geben.

Der SPD-Politiker Frank Mentrup hat die CDU-Hochburg Karlsruhe eingenommen und wird neuer Oberbürgermeister in der badischen Metropole. Der 48-jährige Staatssekretär im baden-württembergischen Kultusministerium errang am Sonntag laut Wahlamt überraschend die absolute Mehrheit.

Nach Auszählung von mehr als 220 der 235 Wahlbezirke konnte Mentrup rund 55 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Damit ist die über 40 Jahre andauernde CDU-Herrschaft in der drittgrößten Stadt Baden-Württembergs gebrochen. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Ingo Wellenreuther (52) kam laut Wahlamt nur auf etwa 35 Prozent.

Mentrup war auch von dem Koalitionspartner in der Landesregierung, den Grünen, sowie von Piratenpartei und Karlsruher Bürger-Liste (KAL) unterstützt worden. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 40 Prozent und damit höher als bei der letzten Karlsruher OB-Wahl im Jahr 2006. Für die ohnehin angeschlagene Südwest-CDU ist es nach der verlorenen Stuttgarter OB-Wahl vor einigen Wochen die nächste deftige Schlappe.

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Die knapp 220 000 Wahlberechtigten in Karlsruhe konnten unter sieben Bewerbern wählen - die restlichen fünf Kandidaten kamen zusammen auf rund zehn Prozent. Der 67 Jahre alte Amtsinhaber Heinz Fenrich (CDU) trat aus Altersgründen nicht mehr an. Er muss im Februar nächsten Jahres seinen Posten räumen, dann war er rund vierzehneinhalb Jahre im Amt.

Der neue OB Mentrup ist Psychiater von Beruf. Bis 2011 arbeitete der SPD-Mann als Assistenzarzt an der Karlsruher Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Er zog mit den Schlagworten „Zuhören, verbinden und gestalten“ in den OB-Wahlkampf und will nun im Rathaus einen neuen Politikstil etablieren.

Für die CDU ist die Niederlage kurz vor Beginn des Bundesparteitags am Dienstag und Mittwoch in Hannover ein weiterer Schlag. Zuletzt hatten die Christdemokraten ihre Bastion in Stuttgart an die Grünen verloren. Dort löst Anfang 2013 Fritz Kuhn (Grüne) Amtsinhaber Wolfgang Schuster (CDU) ab. Bereits die verlorene OB-Wahl in Stuttgart hatte eine Diskussion darüber ausgelöst, warum die CDU in vielen Großstädten nicht mehr so gut ankommt.

Von Susanne Kupke und Ingo Senft-Werner

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