So läuft die Volkszählung 2011 ab

Frankfurt/Main - Es ist ein Mammutprojekt: Das Statistische Bundesamt wird mit dem Zensus 2011 die gesamte deutsche Bevölkerung und ihre Zusammensetzung so genau wie möglich erfassen.

Dazu müssen nicht nur die Statistischen Landesämter alle Einwohnerdaten in öffentlichen Registern durchforsten, sondern auch rund 80.000 Interviewer bundesweit zahlreiche Fragebögen in deutschen Haushalten ausfüllen. Seit rund 23 Jahren hat es eine solche Erhebung in Deutschland nicht mehr gegeben. Zuletzt wurden in Westdeutschland die Bevölkerungsdaten 1987 erfasst. Die letzte Volkszählung in Ostdeutschland war im Jahr 1981. Seither wurden die Daten zwar weitergeführt, aber dabei entstanden Fehler. “Wir vermuten, dass aufgrund von Fortschreibungsfehlern die derzeit verzeichnete Einwohnerzahl in Deutschland um rund 1,3 Millionen zu hoch ist“, sagt Sabine Bechtold vom Statistischen Bundesamt. Die Volkszählung führt Deutschland nicht ganz freiwillig durch: Mit dem Zensus müssen die Behörden einen Katalog der Europäischen Union abarbeiten.

Verlangt werden unter anderem Daten zu Geschlecht, Alter, Familienstand, Staatsangehörigkeit, Geburtsort und -staat, Beruf, Arbeitsort, Haushaltsgröße, Familientyp sowie die Angaben zu Gebäudegröße, Zahl der Bewohner und Art der Ausstattung. Die Vorgehensweise des Bundesamts ist aufwendig, aber nur so können nach Ansicht der Experten möglichst exakte Ergebnisse erzielt werden. Anhand der Melderegister sowie einer Haushaltsbefragung und einer Gebäude- und Wohnungszählung sollen die genauen Bevölkerungsdaten ermittelt werden, erläutert Bechtold. Dabei werde berücksichtigt, ob jemand etwa in einem Studentenwohnheim, Behindertenwohnheim, Altersheim oder in einer Gemeinschaftsunterkunft lebe.

Zensus 2011 ist keine klassische Volkszählung

Der Zensus 2011 ist laut Bechtold aber keine traditionelle Volkszählung. Bei einer klassischen Volkszählung werden alle Menschen, Wohnungen und Gebäude ermittelt sowie Haushaltsbefragungen bei allen Einwohnern durchgeführt. Beim Zensus 2011 hingen werden zwar bundesweit alle Daten von Registern ausgewertet, aber nur zehn Prozent der Haushalte befragt. Diese sollen in Kürze über ein Stichprobenmodell ermittelt werden. Auch müssen rund 17,8 Millionen Besitzer von Immobilien Fragebögen zu ihren Häusern oder Eigentumswohnungen beantworten. Ergänzend zu den Personen- und Wohndaten gibt es beim Zensus auch Fragen zur Bildung.

So wird etwa gefragt, welchen Schulabschluss der Interviewte hat. Eine Besonderheit im deutschen Zensus ist im Vergleich zu anderen europäischen Ländern die Frage nach dem Glaubensbekenntnis. Die Bundesländer hatten sich vergangenes Jahr im Bundesrat mit ihrer Forderung durchgesetzt, auch die Religionszugehörigkeit bei stichprobenartigen Befragungen zu erfassen. Es ist allerdings dem Befragten überlassen, ob er die Religionsfragen beantworten möchte. Bei allen anderen Fragen ist eine Antwort Pflicht. Mehr noch: Da der Zensus eine Statistik mit Auskunftspflicht ist, müssen die durch das Zufallsprinzip ermittelten Personen die Fragebögen beantworten. Ansonsten droht ein Zwangsgeld von mindestens 150 Euro.

Verfassungsbeschwerde gegen Volkszählung

Die Volkszählung hat schon vor der Durchführung für Unmut gesorgt: Bürgerrechtler reichten im Juli in Karlsruhe ihre Verfassungsbeschwerde gegen den Zensus ein. Vier exemplarisch ausgewählte Beschwerdeführer sehen durch die geplanten Erhebungen Datenschutz und Datensicherheit verletzt. Zusammen mit der Verfassungsbeschwerde wurde eine Unterschriftenliste eingereicht, in der 13.000 Bürger die Verfassungsbeschwerde namentlich unterstützen. Hauptkritikpunkt ist, dass über eine Personenkennziffer die erhobenen Daten vier Jahre lang zuzuordnen seien. Zuständig für die Verfassungsbeschwerde ist der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts. Wann die Verfassungsbeschwerde bearbeitet wird und ob es eine mündliche Verhandlung geben wird, ist noch nicht bekannt.

Für die Volkszählung hingegen stehen die genauen Daten bereits fest: Der Zensus-Stichtag ist laut Statistischem Bundesamt der 9. Mai 2011. Mit Ergebnissen wird 18 Monate später gerechnet. Die Kosten für die Vorbereitung und Durchführung des Zensus belaufen sich auf insgesamt rund 710 Millionen Euro. Davon tragen die Länder 625 Millionen und der Bund 85 Millionen Euro. Jedoch werden die Länderkosten wiederum vom Bund mit 250 Millionen Euro bezuschusst.

dapd

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