Kampagne: Russisch als Amtssprache in Lettland

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Die Altstadt von Riga

Riga - Gut zwanzig Jahre nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion ist in Lettland am Dienstag eine Unterschriftenaktion für Russisch als zweite Amtssprache gestartet worden.

Bis Ende November können die Bürger des EU-Mitgliedsstaates in der Kampagne der Bürgerinitiative “Muttersprache“ abstimmen. Damit eine entsprechende Gesetzesvorlage ins Parlament eingebracht werden kann, sind die Unterschriften von mindestens zehn Prozent der rund 1,5 Millionen wahlberechtigten Letten erforderlich.

Vladimir Lindermans, einer der Organisatoren, rechnet mit bis zu 180.000 Unterschriften, wie er im lettischen Fernsehen sagte. Er hoffe vor allem auf die Anhänger des pro-russischen Harmoniezentrums. Die Partei vertritt die russische Minderheit in dem baltischen Land. Sie war bei der Parlamentswahl im September mit 28,4 Prozent der Stimmen als stärkste Kraft hervorgegangen, wurde aber bei der Regierungsbildung außen vor gelassen.

Die meisten Letten gegen den Vorstoß

Das Harmoniezentrum selbst distanziert sich von Lindermans Aktion und wird die Initiative nach Aussage des Parteichefs Nils Usakovs nicht unterstützen. Das gilt auch für die Mehrheit der Letten: In einer Umfrage im September haben sich 62 Prozent der Bevölkerung gegen Russisch als zweite Amtssprache ausgesprochen.

Lettland gehört zu den europäischen Staaten mit dem höchsten Anteil russischsprachiger Bevölkerung. Landesweit beträgt der Anteil der russischen Minderheit knapp 30 Prozent, in der Hauptstadt Riga sind rund die Hälfte der Einwohner russischer Abstammung.

dpa

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