Verteidigungsministerium

Israel: Russland will IS in Syrien bekämpfen

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Russische Soldaten (Archivbild).

Tel Aviv - Israel hat nach eigener Darstellung Erkenntnisse über eine russische Militärpräsenz in Syrien.

Außer um Berater handele es sich dabei um Truppen, die die Verlegung russischer Kampfflugzeuge und Helikopter in den Mittelmeer-Hafen Latakia vorbereiteten, berichtete „haaretz.com“ am Donnerstag nach einem Briefing des Verteidigungsministeriums für israelische Militärkorrespondenten. Zuletzt hatten auch US-Berichte von russischen Militäraktivitäten in Latakia gesprochen.

Russland ist ein wichtiger Verbündeter des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. In Tartus, dem zweiten syrischen Mittelmeer-Hafen, unterhält es eine Versorgungsstation für seine Marine. Moskau räumte bislang lediglich die Anwesenheit von Beratern und Militärexperten in Syrien ein.

„Sie wollen das (Assad-)Regime stützen und sich am Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) beteiligen“, sagte der israelische Verteidigungsminister Mosche Jaalon vor den Militärkorrespondenten. Latakia und Tartus sind unter Kontrolle der Assad-Truppen, werden aber von Aufständischen bedrängt. Russland folge hier seinen eigenen Interessen, fügte Jaalon hinzu.

Hintergrund: Russland setzt weiter auf Regime in Syrien

Der militärische Wunschzettel von Syriens Machthaber Baschar al-Assad bei seinem engen Partner Russland liest sich wie die Inventarliste eines Waffenarsenals. Granatwerfer sowie gepanzerte Fahrzeuge vom Typ BTR-82-A und Handfeuerwaffen hat das Regime in Damaskus der Moskauer Zeitung „Kommersant“ zufolge unter anderem bestellt. Und dass Russland das Kriegsgerät trotz scharfer Kritik der USA liefert, daran lässt Außenminister Sergej Lawrow keinen Zweifel.

An Bord der riesigen Antonow-Transportflugzeuge Richtung Syrien würden sich neben humanitären Gütern auch Waffen befinden, räumt der Chefdiplomat ein - mit dem Zusatz, dass alles völlig legal sei.

Während in Deutschland täglich Flüchtlinge aus dem zerbombten Nahen Osten eintreffen, spitzt sich zwischen Russland und den USA der Streit um Syrien gefährlich zu. Das bilaterale Verhältnis ist wegen des blutigen Konflikts in der Ostukraine ohnehin auf dem tiefsten Punkt seit dem Ende des Kalten Krieges. Mit Nachdruck warnt US-Außenminister John Kerry jetzt Russland vor einer offenen Intervention in Syrien. Militärisch ist aber Moskau längst vor Ort.

Im syrischen Tartus unterhält Russlands Kriegsmarine ihre einzige Versorgungsstation im Mittelmeer. Und auch Kremlsprecher Dmitri Peskow dementiert nicht, dass Militärexperten mit der syrischen Armee zusammenarbeiten. Dabei gehe es aber allein um Training mit russischen Waffen, betont der Vertraute von Präsident Wladimir Putin.

Seit Beginn des Bürgerkriegs mit mittlerweile mehr als 200 000 Toten unterstreicht der Kreml immer wieder, dass eine Lösung des Konflikts eine innersyrische Angelegenheit sei. Nun aber, da Assad offenbar starke Gebietsverluste hinnehmen müsse, scheine diese „Neutralität“ nicht mehr zu gelten, meint der Politologe Dmitri Trenin.

Auch andere Experten im Riesenreich gehen davon aus, dass Russland seine Präsenz in Syrien verstärkt. Ob aber Russen an der Seite der syrischen Regierungsarmee kämpfen werden oder bereits kämpfen, gilt als offen. Bilder russischer Soldaten in Syrien müssten noch nichts bedeuten, meint der Politologe Pawel Felgenhauer. Es sei bei Rüstungsexporten durchaus üblich, auch Ausbilder mitzuschicken.

Doch glaubt man US-Berichten, geht es nicht um ein paar Berater. Russland habe zuletzt Dutzende Wohncontainer sowie ein System zur Luftraumüberwachung und ein Vorauskommando auf den Flughafen von Latakia verlegt, heißt es dort. Dies alles könne doch nur dazu dienen, sich in Kämpfen offen auf Assads Seite zu schlagen.

Russische Truppen in Syrien; Putins Bemerkung macht hellhörig

Russland bestätigt den angeblichen Aufmarsch nicht. Aber eine Bemerkung von Putin vor wenigen Tagen mache doch hellhörig, meint die Moskauer Zeitung „Nowaja Gaseta“. Der Präsident hatte gesagt, ein Einsatz russischer Soldaten in Syrien stehe nicht auf der Tagesordnung - aber ausgeschlossen hatte der Kremlchef dies nicht.

Putin schmiedet Pläne für eine internationale Koalition, die - aus Sicht Moskaus - die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekämpfen soll. Beobachter vor allem im Westen warnen aber vor einer solchen Defacto-Unterstützung des Regimes in Damaskus. Dies würde wohl nur den Krieg und damit auch die Flüchtlingskrise verlängern.

Nötig sei ein politischer Neubeginn in Syrien - ohne Assad. Auch Putin hatte zuletzt behauptet, der Machthaber sei zu Neuwahlen und einer Beteiligung seiner Gegner an der Regierung bereit. Es gilt aber als offen, wie ernst solche Worte im Krieg genommen werden können.

Angesichts einer drohenden Eskalation hoffen dennoch viele in Moskau, dass Putin und US-Präsident Barack Obama doch eine gemeinsame Sprache finden - vielleicht am Rande der UN-Vollversammlung Ende September in New York. Beide Staatschefs werden dort sein, ein Treffen sei derzeit aber nicht geplant, sagt Kremlsprecher Peskow.

Schon einmal fanden die beiden mächtigen Männer im Syrien-Konflikt überraschend zusammen. 2013 ließ sich Obama auf Putins Linie ein, von einem Militärschlag gegen Damaskus abzusehen und sich auf die Beseitigung der Chemiewaffen zu konzentrieren. Im Endeffekt konnte dies das Blutvergießen aber nicht stoppen.

dpa

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