Grünen-Politiker vergleicht Guttenberg mit Goebbels

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Ein Grünen-Politiker hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU, links mit Talkmaster Johannes B. Kerner in Afghanistan) mit Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels verglichen.

Mönchengladbach - Riesen-Wirbel nach dem Afghanistan-Besuch von Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Ein Grünen-Politiker hat den Verteidigungsminister mit Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels verglichen.

Die Afghanistan-Reise von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg mit seiner Frau Stephanie zu Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan hat in Deutschland für Lob und Kritik gesorgt. Politiker von SPD und der Linken kritisierten die Reise als Inszenierung. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe zeigte sich dagegen überzeugt, "dass die Soldatinnen und Soldaten in diesem gefährlichen Einsatz sowie ihre Familien den Besuch auch der Frau des Verteidigungsministers als eine Geste der menschlichen Solidarität" verstünden.

Zur Guttenbergs Delegation zählte auch Sat.1-Moderator Johannes B. Kerner, der in Afghanistan eine Talkshow mit dem Minister und mit Bundeswehr-Soldaten aufnahm.

Jetzt sorgt eine Äußerung eines Grünen-Politikers im sozialen Netzwerk "Twitter" für Aufregung. Der Mönchengladbacher Grünen-Ratsherr Thomas Diehl schrieb am Montag: "Guttenberg nimmt in Afghanistan 'ne Talkshow mit Kerner auf - da kann Goebbels sich propagandamäßig noch was abgucken!"

Das ist der umstrittene Twitter-Eintrag des Grünen-Politikers.

Ein böser Vergleich: Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels (1897 bis 1945) begeisterte mit seinen Brandreden die Massen für Diktator Adolf Hitler (1889 bis 1945) und für den Nationalsozialismus. Der Minister propagierte Hitlers Angriffskriege und verbreitete ein extrem antijüdisches Gedankengut. Unter anderem zettelte er die Pogrome gegen die Juden am 9. November 1938 an. Unter Historikern gilt es als unumstritten, dass Goebbels mit seiner antisemitischen Propaganda den Boden für die Vernichtung der europäischen Juden bereitete. Berüchtigt ist auch Goebbels Hetzrede vom Februar 1943 im Berliner Sportpalast, bei der er die Zuhörer für einen "totalen Krieg" aufhetzte.

Truppenbesuch: Zu Guttenberg mit Ehefrau Stephanie in Afghanistan

Truppenbesuch: Zu Guttenberg mit Ehefrau Stephanie in Afghanistan

Dieser "Twitter-Eintrag sorgte umgehend für Wirbel. Der Mönchengladbacher CDU-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Günter Krings forderte Diehl bereits zu einer sofortigen öffentlichen Entschuldigung auf. Wie Krings in einer Pressemitteilung betonte, "erwarte die CDU, dass die Grünen in Mönchengladbach sich mit dem skandalösen Vorgang beschäftigen und sich unmissverständlich von ihrem Ratsmitglied distanzieren".

Das Twitter-Profil des Grünen-Politikers Thomas R. Diehl.

Grünen-Politiker Diehl reagierte bereits auf diese Kritik. In seinem Blog schreibt der 28-jährige Student (Linguistik und Geschichte), der seit 2009 im Mönchengladbacher Rat sitzt: "Ich halte Guttenbergs Aktion, eine Talkshow in einem Kriegsgebiet auszunehmen (gemeint ist wohl "aufzunehmen"; Anm. d. Red.) für eine erhebliche Verfehlung. Wie übrigens viele andere auch. Auch und grade vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte und hier wiederum der Rolle, die Propaganda in der Geschichte deutscher Kriegsführung spielte."

Mit dem Kerner-Talk in Afghanistan sei Guttenberg "der erste Minister in der deutschen Nachkriegsgeschichte, der einen Krieg in solcher Weise mit Propaganda unterfüttert". Dem Fernsehsender Sat.1 unterstellt Diehl in diesem Zusammenhang schlicht "Quotenwahn". Und dann vergleicht Diehl wieder - aber diesemal etwas vorsichtiger - Guttenberg mit Goebbels. Der Grünen-Politiker schreibt: "Wer der letzte deutsche Minister vor ihm war, der eine solche mediale Kriegsverherrlichung betrieben hat, das kann ja mal jeder raten…"

Seinen Standpunkt zu Guttenbergs Afghanistan-Reise fasst Diehl abschließend in drei Punkten zusammen:

"1. Ja, die Formulierung war Mist. Das sehe ich ein und entschuldige mich.

2. Über die deutschen Soldaten habe ich kein Wort gesagt.

3. Ich halte nichtsdestotrotz die Aufzeichnung einer Talkshow im Kriegsgebiet für einen Skandal, der in der deutschen Nachkriegsgeschichte einmalig ist."

Der Verteidigungsminister hat sich noch nicht zu Diehls Goebbels-Vergleich geäußert.

fro

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