Jetzt ist er FDP-Spitzenkandidat

Brüderle: "CDU hat SPD-Speck angesetzt"

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Rainer Brüderle erntete für seine Rede minutenlangen Applaus

Berlin - FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle wurde zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl gewählt. Zuvor hielt er eine flammende Rede, in der er mit der Union hart ins Gericht ging.

Die FDP hat ihren Fraktionschef Rainer Brüderle jetzt auch offiziell zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl am 22. September gekürt. Beim Parteitag in Berlin erhoben sich die mehr als 600 Delegierten am Sonntag zum minutenlangen Applaus. Eine Wahl gab es nicht. Brüderle rief die Partei in einer mehr als einstündigen Rede auf, geschlossen für eine Neuauflage der schwarz-gelben Koalition zu kämpfen. Gemeinsam mit Parteichef Philipp Rösler und den weiteren Mitgliedern des Präsidiums sei man ein „starkes Team“.

Zuvor hatte die FDP gleich zwei Bundesminister abgestraft. Entwicklungsminister Dirk Niebel verlor seinen Platz im Präsidium. Auch Gesundheitsminister Daniel Bahr aus dem mächtigen Landesverband Nordrhein-Westfalen scheiterte mit dem Versuch, in das Führungsgremium zu kommen. Überraschend setzte sich der Kieler Fraktionschef Wolfgang Kubicki in zwei Wahlgängen gegen die Minister durch. Nach einer starken Bewerbungsrede holte Kubicki 63,7 Prozent. Bahr bekam nur 33,3 Prozent. Niebel war schon im ersten Wahlgang mit 25,3 Prozent gescheitert.

"Damit ist das lustige Ministerversenken beendet"

Letzterer reagierte jedoch gelassen auf seine Abwahl: „Ich bin froh, dass ich kandidiert habe“, sagte der ehemalige Generalsekretär am Samstagabend beim Parteitag in Berlin. „Ich habe mich nicht weggeduckt. Ich kann erhobenen Hauptes stehen.“ Niebel fügte hinzu: „Damit ist das lustige Ministerversenken beendet.“

Auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr trug sein Scheitern mit Fassung. „Ich nehm's sportlich. Gratulation an Wolfgang Kubicki“, sagte er am Samstagabend. Der schleswig-holsteinische Fraktionschef habe mit seiner Rede die Stimmung der Delegierten besser getroffen.

Schappschüsse vom FDP-Parteitag in Berlin

Schappschüsse vom FDP-Parteitag in Berlin

Voll und ganz den Nerv der Parteikollegen traf am Sonntag Brüderle mit seiner Rede. Die "Zeit" twitterte zwar: "Brüderles Metaphern sind aus der Bütt, seine Tonalität Staatstheater. Das zündet nicht so recht." Doch letzten Endes bekam er minutenlange Standing-Ovations. Seine markigen Sprüche á la "Uns hat der Himmel geschickt" kamen eben doch an.

"Die Union hat ein bisschen viel sozialdemokratischen Speck angesetzt"

In seiner Grundsatzrede warf Brüderle dem Koalitionspartner CDU/CSU eine programmatische Verschiebung hin zur SPD vorgeworfen. „Die Union hat ein bisschen viel sozialdemokratischen Speck angesetzt“, sagte der Bundestags-Fraktionschef. Die FDP werde dafür sorgen, dass die schwarz-gelbe Koalition auf Kurs bleibe. „Wir haben die Union in vielen Punkten besser gemacht“, sagte Brüderle. „Ohne die FDP von heute hätten wir in Europa eine Schuldenunion und keinen Fiskalpakt.“

Brüderle setzte sich außerdem für die volle Gleichstellung von homosexuellen Lebenspartnerschaften mit der Ehe ein und forderte die Union auf, diese nicht länger zu blockieren. „Viele schwule, viele lesbische Paare nehmen wie heterosexuelle Paare eine besondere Verantwortung wahr. Sie sind bürgerliche Paare im besten Sinne des Wortes“, sagte der Bundestags-Fraktionschef. Deshalb müssten diese Paare auch das Recht bekommen, zu heiraten, ein Kind zu adoptieren und eine gemeinsame Steuererklärung abzugeben. „Die FDP will für gleiche Pflichten auch die gleichen Rechte. Das muss auch für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften gelten."

"Wir überlassen unser Land nicht diesen fehlprogrammierten Typen"

Auch zum Thema Hauptstadtflughafen bezog Brüderle Stellung: „Ich persönlich bin für einen Finanzierungsstopp", sagte er angesichts der Mehrkosten in Milliardenhöhe. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck und Berlins Regierungschef Klaus Wowereit (beide SPD) könnten mit Geld nicht umgehen. „Wir müssen den beiden Bruchpiloten den Saft abdrehen.“ Das „Duo infernale“ mache Deutschland in der ganzen Welt lächerlich.

Über seine Nominierung als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl sagte Brüderle: "Nennt das Spitzenmann oder Spitzenkandidat. Der Titel ist mir egal. Hauptsache, das Ergebnis ist Spitze. Sie können uns bekloppen oder bewerfen oder sonst was. Aber sie können uns nicht beugen. Wir überlassen nicht diesen Fuzzis, diesen fehlprogrammierten Typen unser Land."

dpa

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