Besatzungsmitglieder wollen Gorch Fock verlassen

Valparaiso - Mehrere Besatzungsmitglieder des in Verruf geratenen Segelschulschiffs "Gorch Fock" wollen offenbar nach ihrer Rückkehr nach Deutschland ihren Dienst an Bord quittieren.

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Dies sagten sie dem ARD-Hörfunk im chilenischen Valparaiso, wie tagesschau.de am Montag berichtete. Andere wollen dagegen weiter auf dem Schiff fahren und hoffen, dass der Segler noch eine Zukunft hat. Über eines müsse man sich aber klar sein, sagte eine Offizierin. Das Segelschulschiff sei nicht das Traumschiff “Aida“. Am Freitag hatte die Dreimast-Bark in dem chilenischen Hafen festgemacht. Nur wenige Besatzungsmitglieder wollten sich öffentlich äußern. Die Stimmung an Bord sei schlecht, sagte ein Besatzungsmitglied dem ARD-Hörfunk. Am 7. November vergangenen Jahres war die Offiziersanwärterin Sarah Lena S. im brasilianischen Hafen von Salvador da Bahia aus 27 Meter Höhe aus der Takelage des Segelschiffes auf Deck gestürzt und später ihren schweren Verletzungen erlegen.

Anschließend waren Vorwürfe laut geworden, an Bord würden Kadetten drangsaliert. Rund zwei Wochen lang ist eine Untersuchungskommission der Marine an Bord den Vorwürfen nachgegangen und hat die Besatzung befragt. “Wir wurden wirklich alle gefragt, alle 200 Mann an Deck“, sagte ein junger Gefreiter der ARD. Nach Marineangaben sollen die Ergebnisse der Untersuchungen an Bord Ende Februar vorgestellt werden.

Aussprache mit dem Verteidigungsminister in Flensburg

Unterdessen hat sich Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) am Montag in Flensburg den Fragen von Offiziersanwärtern der Marine gestellt. Nach einer kurzen Rede vor rund 200 Zuhörern an der Marineschule Mürwik nahm sich Guttenberg rund eine Stunde Zeit für eine Aussprache, wie ein Marinesprecher sagte. Unter den Teilnehmern waren auch Offiziersanwärter, die im November vergangenen Jahres an Bord der “Gorch Fock“ waren.

Der Verteidigungsminister hatte die “Gorch Fock“ nach bekannt werden der Vorwürfe nach Deutschland zurückbeordert und den Kommandanten Norbert Schatz suspendiert. Für diese Entscheidung zeigte ein Gefreiter kein Verständnis. “Es ist eine absolute Unverschämtheit. Es stehen keine klaren Vorwürfe im Raum“, sagte er der ARD. Ein Stabsgefreiter freut sich darauf, wenn Guttenberg wie angekündigt noch vor der Rückkehr nach Deutschland das Schiff besucht. “Ich würde ihn gern fragen, was er zu dem Wort Vorverurteilung sagt. Vorverurteilung ist für mich ein Wort, das mittlerweile höchste Bedeutung in meinem Leben hat.“ Die “Gorch Fock“ wird nicht vor Ende April in Kiel zurückerwartet.

dapd

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