Schwerwiegende Konsequenzen drohen

Nordkorea provoziert die Welt mit neuem Atomtest

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Nordkoreas Führer kim Jong Un hat sein Land ein weiteres Mal politisch isoliert.

Seoul - Nordkorea hat seine Drohung wahr gemacht und zum dritten Mal nach 2006 und 2009 einen Atomtest unternommen. Dem verarmten, aber hochgerüsteten Land drohen jetzt schwerwiegende Konsequenzen.

Der Atomstreit mit Nordkorea eskaliert: Genau zwei Monate nach seinem international verurteilten Raketenstart hat das kommunistische Land einen dritten Nukleartest unternommen. Der unterirdische Atomversuch sei am Dienstag erfolgreich verlaufen, berichteten die nordkoreanischen Staatsmedien. Dabei sei ein „miniaturisierter“ Sprengsatz mit höherer Explosionskraft als bei den früheren Tests gezündet worden. Der vorher angekündigte Atomtest wurde weltweit scharf kritisiert. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wollte noch am Dienstag in einer Dringlichkeitssitzung über Maßnahmen gegen die Führung in Pjöngjang beraten.

Mit dem dritten Test nach 2006 und 2009 könnte Nordkorea nach Meinung von Beobachtern seinem Ziel näher gekommen sein, einen Sprengkopf zu bauen, der auf einer Rakete installiert werden kann. Bisher ging man in Südkorea und den USA davon aus, dass Nordkorea über diese Technologie noch nicht verfügt.

Verschleierter Waffentest

Nordkorea hatte den Test aus Protest gegen die Ausweitung von UN-Sanktionen gegen das Land wegen seines umstrittenen Raketenstarts im Dezember angekündigt. Die USA, Südkorea und andere Staaten sehen darin einen verschleierten Waffentest im Rahmen des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms.

Bei den Vereinten Nationen und den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats (USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien) stieß der Test auf ebenso scharfe Kritik wie bei der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, der Europäischen Union (EU) und der Nato.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kritisierte den Test als schweren Verstoß gegen geltende Resolutionen des Sicherheitsrats. Ban zeigte sich äußert besorgt über die negativen Auswirkungen „dieses zutiefst destabilisierenden Akts“ auf die regionale Stabilität und die weltweiten Bemühungen um die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen.

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US-Präsident Barack Obama sprach in einer vom Weißen Haus verbreiteten Stellungnahme von einer höchst provokativen Aktion. Der Test erfolgte nur wenige Stunden vor der geplanten Rede Obamas zur Lage an die Nation. Auch Russland schloss sich der Kritik am Verhalten Nordkoreas an. Das Verteidigungsministerium in Moskau kündigte eine Prüfung der Lage in seiner Grenzregion zu Nordkorea an. China forderte Nordkorea „dringend auf, sich an seine Verpflichtung zur Denuklearisierung zu halten und keine weiteren Aktivitäten durchzuführen, die die Situation verschlimmern könnten“.

Frankreichs Präsident François Hollande verlangte von Pjöngjang, sein Atomprogramm vollständig zurückzufahren. Der britische Außenminister William Hague sprach von einer „Bedrohung der internationalen Sicherheit und der Sicherheit in der Region“.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte weitere internationale Sanktionen gegen Nordkorea. Japan kündigte eine Verschärfung seiner Sanktionen gegen das Nachbarland an. Südkorea berief wie Japan den nationalen Sicherheitsrat ein. Die Streitkräfte Südkoreas wurden in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt.

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Die Länder in der Region gingen anhand der Aufzeichnungen von ungewöhnlichen Erdstößen in Nordkorea davon aus, dass tatsächlich ein nuklearer Sprengsatz gezündet wurde. Nach Angaben Südkoreas erfolgte der Test kurz vor Mittag (04.00 MEZ) auf dem ausgedehnten nordkoreanischen Atomtestgelände Punggye-ri im Nordosten des Landes.

Der Atomtest sei auf „sichere Art und perfekte Art und Weise“ ausgeführt worden, hieß es in einem Bericht der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA. Damit solle die Sicherheit und Souveränität des Landes geschützt werden. Erneut wurde dabei den USA eine feindselige Politik unterstellt. Südkoreas Verteidigungsministeriums erklärte, der Test könnte eine Sprengkraft von sechs bis sieben Kilotonnen (KT) TNT gehabt haben. Beim ersten Test vor sieben Jahren hatte die Explosionskraft nach Schätzungen Seouls noch bei unter einer Kilotonne gelegen, beim zweiten nordkoreanischen Atomversuch bei zwei bis sechs Kilotonnen. Zum Vergleich: Die Bombe, die 1945 über Hiroshima gezündet worden war, hatte eine Sprengkraft von 13 bis 16 Kilotonnen TNT.

Das Politbüro der herrschenden Arbeiterpartei in Nordkorea hatte nach Berichten der staatlichen Medien bei einem Treffen in Pjöngjang am Montag die Notwendigkeit bekräftigt, weiter Satelliten und „leistungsstarke Langstreckenraketen“ zu starten.

Keine offizielle Bestätigung: UN prüft weiter

Die UN wartet mit der offiziellen Bestätigung des Atomtests der Nordkoreaner zunächst weiter ab: Bis zur endgültigen Auswertung weiterer Daten spricht die UN trotz Bestätigung der nordkoreanischen Regierung in Pjöngjang von einem „Ereignis“. Im Vergleich zum Atomtest vor vier Jahren war der Vorfall am Dienstag aber „doppel so stark“, wie Lassina Zerbo von der UN-Behörde zur Überwachung des internationalen Kernwaffenteststopp-Abkommens (CTBTO) am Dienstag in Wien sagte.

Der Vorfall habe eine Stärke von 5,0 auf der Richterskala erreicht. 2009 lag der Wert bei 4,5. Um den genauen Grund für die Erdstöße zu ermitteln, brauche die Behörde noch mindestens zwei Tage. Um endgültig zu bestätigen, dass es ein Atomtest und etwa kein Erdbeben war, könnte es aber auch Wochen oder Monate dauern. Allerdings betonte die UN, dass es normalerweise kaum Erdbeben in der Region gebe.

Die Messstationen der Behörde könnten nun in den kommenden Tagen radioaktive Gase von Nordkorea erkennen. Es sei aber fast unmöglich festzustellen, ob das Land einen Sprengsatz mit hoch angereichertem Uran oder mit Plutonium zündete.

Die UN-Behörde hatte 2006 und 2009 bereits die ersten beiden nordkoreanischen Atomtests aufgezeichnet.

dpa

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