Kritik an Informationspolitik

Unfall bei BASF: Sollen Messwerte vertuscht werden?

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Mehrere Explosionen hatten sich am 18. Oktober 2016 bei BASF ereignet.

Ludwigshafen - Nach der Explosion bei der BASF wächst die Kritik an der Informationspolitik von Stadt und Unternehmen. Die Luftwerte sollen veröffentlicht werden.

Oliver Kalusch, Mitglied der Kommission für Anlagensicherheit beim Bundesumweltministerium, forderte am Donnerstag im SWR, die Kommune solle offenlegen, welche Luftwerte nach dem Unfall gemessen worden seien.

„Es geht darum, dass die Stadt ihrer Pflicht zur aktiven Informationsübermittlung nachkommt. Das heißt, über die Medien jetzt sagt, welche Schadstoffe sind ausgetreten, in welchen Konzentrationen, und wie ist das zu bewerten“, sagte Kalusch in der Sendung „Zur Sache Rheinland-Pfalz!“. „Es ist absolut nicht akzeptabel, dass nicht bekannt ist, was genau die Situation ist.“

Stadt lädt am Freitag zur Pressekonferenz ein

Eine BASF-Sprecherin sagte dazu, das Unternehmen habe seine Messergebnisse an die Ludwigshafener Feuerwehr weitergegeben. Bei der städtischen Pressestelle hieß es: „Wir werden unsere Werte veröffentlichen.“ Die Kommune lud für Freitag zu einer Pressekonferenz ein, bei der ihre Messstrategie und -ergebnisse offengelegt werden sollen. Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace hatte gefordert, die Feuerwehr solle ihre Messungen so schnell wie möglich offenlegen, um „die betroffene Bevölkerung umfassend zu informieren“.

Am Donnerstag wieder Feuerwehr-Einsatz bei BASF

Am Donnerstag gab es erneut einen Einsatz der Werksfeuerwehr auf dem Fabrikgelände. Sie sei verständigt worden, um eine mögliche Behälterreaktion zu verhindern, teilte das Unternehmen mit. Näheres war zunächst nicht bekannt. Sicherheitshalber wurden Mitarbeiter im Umkreis von 100 Metern um den Betrieb aufgefordert, die Gebäude nicht zu verlassen. Der Chemiekonzern fuhr unterdessen wichtige Anlagen wieder hoch.

Das passierte bei der Explosion am Montag

Bei Arbeiten an einer Rohrleitungstrasse im Landeshafen Nord hatte es am Montag eine Explosion gegeben, bei der mindestens zwei Menschen getötet wurden. Mehr als 20 Menschen wurden verletzt, viele von ihnen schwer. Es bildete sich eine riesige Rauch- und Rußwolke. Die Bürger waren aufgefordert worden, sicherheitshalber Fenster und Türen geschlossen zu lassen und sich nicht zu lange im Freien aufzuhalten.

Am Mittwoch hatte das Umweltministerium in Mainz mitgeteilt, die Messungen des Landesamtes für Umwelt hätten ergeben, dass es in der Stadt während des Brandes und danach keine Überschreitung der Grenzwerte gegeben habe. Allerdings seien die Messstationen des Amtes „nicht speziell für solche Schadensereignisse“ installiert. Am Donnerstag hob die Stadt die Sicherheitshinweise für ein Gewerbegebiet in der Nähe des Unglücksortes auf - es war die letzte Gegend, für die die Empfehlungen noch gegolten hatten.

Experte kritisiert mangelnde Wartung

Kalusch bezog sich auch auf das Alter der BASF-Anlagen. „Die Anlage der BASF ist etliche Jahrzehnte alt und natürlich nimmt dann die Häufigkeit von Ereignissen zu. Ich kann überhaupt nicht erkennen, dass die BASF im Moment ein vernünftiges Management in dieser Richtung hat.“ Die BASF-Sprecherin sagte, das Unternehmen halte die vorgeschriebenen Wartungsintervalle ein. Zudem investiere BASF in die Instandhaltung. BASF-Vorstandschef Kurt Bock will sich am 27. Oktober bei einer Quartals-Pressekonferenz zu dem Unglück äußern.

dpa

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