12 Frauen sterben

Tödlicher Brand im Mädchenwohnheim: Sechs Festnahmen

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Sechs Personen wurden nach dem Brand in dem Mädchenwohnheim festgenommen.

Adana - Nach dem tödlichen Brand im Schlafsaal eines türkischen Mädchen-Internats sind sechs mutmaßliche Verantwortliche festgenommen worden, darunter der Leiter der Einrichtung.

Nach einem verheerenden Brand in einem südtürkischen Mädchen-Internat hat die Polizei sechs Verdächtige wegen "fahrlässiger Tötung" festgenommen. Unter ihnen sei auch der Leiter des sunnitischen Privatinternats, berichtete die Nachrichtenagentur Dogan am Mittwoch. Bei dem nächtlichen Brand in der Kleinstadt Aladag kamen zehn Schülerinnen, die vierjährige Tochter des Leiters sowie eine Betreuerin ums Leben - möglicherweise, weil sie die Tür zum Notausgang nicht öffnen konnten.

Ersten Ermittlungen zufolge wurden die meisten Leichen im obersten Stock der Schlafsäle entdeckt, in der Nähe der Tür, die zur Feuerleiter führte. Die Tür sei versperrt gewesen, sagte der Bürgermeister von Adana, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, Hüseyin Sözlü. Dagegen sagte der stellvertretende türkische Regierungschef Veysi Kaynak nach einem Besuch vor Ort, die Tür habe gar kein Schloss besessen. Die Behörden verboten inzwischen die Veröffentlichung von Bildmaterial.

Alle umgekommenen Schülerinnen waren laut Dogan jünger als 14 Jahre. Ihre Leichen waren offenbar bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, zur Identifizierung mussten die Behörden DNA-Abgleiche vornehmen.

Der Brand brach nach Angaben von Provinzgouverneur Mahmut Demirtas am Dienstag gegen 19.25 Uhr (17.25 Uhr MEZ) aus. Ersten Erkenntnisse zufolge wurde er durch einen elektrischen Defekt ausgelöst. Die Flammen breiteten sich demnach derart rasch in dem dreistöckigen, holzverkleideten Gebäude aus, dass sich mehrere Schülerinnen nur noch durch einen Sprung aus den Fenstern retten konnten. 24 Bewohner des Internats wurden laut Vize-Premier Kaynak verletzt. Erst nach drei Stunden war das Feuer unter Kontrolle.

Nach Informationen der Lehrergewerkschaft Egitim-Is wird das Internat von der einflussreichen sunnitischen Süleymanci-Bewegung betrieben. Angehörige der jungen Opfer berichteten den Medien, sie hätten ihre Kinder in der Privatschule eingeschrieben, da das einzige staatliche Internat in der Gegend wegen umfangreicher Renovierungen geschlossen war.

In der Türkei sind viele Internate und Schulen in der Hand religiöser Stiftungen, ein Umstand, der von der Opposition und den Lehrergewerkschaften immer wieder angeprangert wird, weil sich die Einrichtungen nach ihren Angaben der staatlichen Kontrolle entziehen. Die pro-kurdische HDP-Partei warf der islamisch-konservativen Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan vor, zu wenig in Bildung zu investieren.

Eltern mit geringem Einkommen seien deshalb häufig gezwungen, auf religiöse Einrichtungen zurückzugreifen, da sie meist kostenlos seien, kritisierte die HDP. "Dass unsere Kinder gezwungen werden, auf Internate zu gehen, die keiner Kontrolle unterstehen, ist ein Verbrechen." Dagegen versicherte Vize-Regierungschef Kaynak, das Internat in Aladag sei erst im Juni kontrolliert worden und habe zudem eine Genehmigung des Erziehungsministeriums besessen.

Auf den sozialen Netzwerken sorgte der Tod der jungen Schülerinnen für heftige Empörung. "Wir sind eine Nation geworden, die nicht mehr in der Lage ist, ihre Kinder zu schützen", schrieb ein Twitter-Nutzer. Familienministerin Fatma Betül Sayan Kaya kündigte an, sollte sich herausstellen, dass der Brand und seine tödlichen Folgen durch Fahrlässigkeit verursacht wurden, würden alle Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen.

Polizei verhindert Proteste in Ankara nach Brand in Mädcheninternat

Nach dem tödlichen Brand hat die Polizei eine Protestkundgebung in der Hauptstadt Ankara gewaltsam aufgelöst. Sie ging am Mittwoch mit Tränengas gegen etwa 150 Demonstranten vor, die versuchten, zum Bildungsministerium vorzudringen. Mehrere Teilnehmer wurden nach Angaben eines AFP-Fotografen festgenommen. Zu der Kundgebung aufgerufen hatten mehrere Lehrer-Gewerkschaften und Frauenrechtsbewegungen.

AFP

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